Linux: Vermeidbare Lücke bedroht Mehrzahl der Android-Geräte

Durch eine Sicherheitslücke im Linux-Kernel lassen sich Root-Rechte erlangen. Der fehlerhafte Code betrifft neben Millionen Linux-Nutzern wohl auch den größten Teil aller Android-Geräte - und hätte mit einem seit langem diskutierten Ansatz verhindert werden können.

Artikel veröffentlicht am ,
Mit mehr Sicherheitsfunktionen im Linux-Kernel hätte der Fehler nicht ausgenutzt werden können.
Mit mehr Sicherheitsfunktionen im Linux-Kernel hätte der Fehler nicht ausgenutzt werden können. (Bild: Wikimedia, Martin St-Amant/CC-BY 3.0)

Die Sicherheitsforscher von Perception Point haben eine Lücke im Linux-Kernel entdeckt (CVE-2016-0728), durch die Angreifer Root-Rechte auf dem System erlangen können. Der Analyse zufolge gibt es den fehlerhaften Code bereits seit 2012 in Linux und er betrifft alle Versionen seit 3.8.

Neben den meisten der aktuellen Linux-Distributionen enthalten damit wohl auch sehr viele Android-Geräte die Sicherheitslücke. Außer den von Google für das Android Open Source Project (AOSP) vorgegebenen Kerneln für Android 4.4 (Kitkat), 5 (Lollipop) und 6 (Marshmallow) gilt dies auch für einige noch ältere Kernel. So berichten Nutzer auf Reddit von Backports des fehlerhaften Codes zum Beispiel auf Version 3.4. Perception Point schätzt, dass zwei Drittel aller Android-Geräte betroffen seien.

Fehler wäre vermeidbar gewesen

Der Fehler ist auf einen Ganzzahl-Überlauf im Kernel-eigenen Schlüsselbund zurückzuführen. Diese Komponente dient Userspace-Programmen und Treibern zum sicheren Speichern von Daten und Schlüsseln. Den Überlauf nutzten die Forscher, um einen Use-After-Free-Fehler zu provozieren. Damit konnte ein Schlüssel-Objekt des Kernels durch Code ausgetauscht werden, der schließlich vom Kernel selbst ausgeführt wird.

Diese Erklärung klingt zwar einfach, dem Bericht zufolge dauert das Ausnutzen der Lücke mit ihrem Beispielcode dennoch etwa 30 Minuten auf einem aktuellen Desktop-System. Erschwert werden könnte ein erfolgreicher Angriff über diese Lücke zudem durch die Verwendung einiger Sicherheitsfunktionen von Intel-CPUs (SMEP, SMAP) sowie durch SELinux. Letzteres wird in Android seit Version 4.2 alias Jelly Bean genutzt. In seiner Erklärung weist Perception Point zwar darauf hin, dass Vorkehrungen wie SELinux auch leicht umgangen werden könnten.

Mit einer Funktion des Pax-Teams (PAX_REFCOUNT) hätte der hier genutzte Überlauf einer Variablen zur Referenzzählung jedoch wahrscheinlich vollständig verhindert werden können. Ein Mechanismus, der vor dem Überlaufen dieser Variablen schützt, ist bereits im Jahr 2012 vorgeschlagen worden. Als Teil der neugegründeten Sicherheitsinitiative Kernel Self Protection Project (KSPP) ist im vergangenen Dezember auch die Aufnahme dieses Patches in den Hauptzweig des Linux-Kernels diskutiert worden. Noch ist dies aber nicht umgesetzt.

Patches für Distros verfügbar

Sowohl Red Hat als auch Ubuntu haben die Lücke mit der zweithöchsten Gefahrenstufe versehen, da für den Angriff Code von einem angemeldeten Nutzer ausgeführt werden muss. Die höchste Warnstufe ist Fehlern vorbehalten, bei denen Angreifer von außen Zugriff auf das System erlangen können.

Patches sind für die meistverbreiteten Linux-Distributionen bereits verfügbar oder in Arbeit, so dass in Kürze Updates bereitstehen sollten. Wie sich bei schweren Lücken im vergangenen Jahr zeigte, haben viele Android-Hersteller allerdings oft Probleme damit, zeitnah Sicherheitspatches für ihre Geräte zu veröffentlichen. Einige Entwickler sehen die Ursache dafür in der großen Diversität von Android.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


kendon 28. Jan 2016

Ja, das wird dann wohl nix. Mein FireTV könnte das allerdings 3 Monate laufen lassen...

DeinGott 25. Jan 2016

Da spricht mir jemand aus der Seele. Jedoch: Jedes publikumorientierte Betriebssystem...

minecrawlerx 21. Jan 2016

Und was genau willst du nun damit sagen? Denkst du wirklich, dass es bei proprietären...

Niaxa 20. Jan 2016

Zum einen kein Button, zum weiteren is der Win Administrator nicht mit Root vergleichbar...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Updates für GPT-3 und GPT-4
GPT im Geschwindigkeitsrausch

OpenAIs Updates für GPT-4 und GPT-3 machen die Modelle zuverlässiger, vor allem aber anpassungsfähiger. Die Änderungen und neuen Features im Detail.
Von Fabian Deitelhoff

Updates für GPT-3 und GPT-4: GPT im Geschwindigkeitsrausch
Artikel
  1. Candy Crushed: Royal Match wird profitabelstes Mobile Game
    Candy Crushed
    Royal Match wird profitabelstes Mobile Game

    Die langanhaltende Dominanz von Candy Crush Saga ist vorbei. Das meiste Geld verdient jetzt ein Start-up aus Istanbul mit einem Puzzlespiel.

  2. Datenschutz: ChatGPT-Exploit findet E-Mail-Adressen von Times-Reportern
    Datenschutz
    ChatGPT-Exploit findet E-Mail-Adressen von Times-Reportern

    Eigentlich sollte der Chatbot auf diese Anfrage gar nicht antworten. Tut er es dennoch, lauern womöglich noch viel brisantere Informationen.

  3. Donald E. Knuth: 30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar
    Donald E. Knuth
    30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar

    Ein bisschen theoretische Informatik, Algorithmen oder Mathematik zu Weihnachten? Wer das mag, kann nun sogar alle Vorlesungen hintereinander ansehen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • TeamGroup Cardea Graphene A440 2 TB mit zwei Kühlkörpern 112,89€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • AVM FRITZ!Repeater 3000 AX 129€ • Philips Ambilight 77OLED808 2.599€ • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /