Linux: Libata-Entwickler Andre Hedrick ist tot

Der Kernel-Entwickler Andre Hedrick ist tot. Als Kernel-Entwickler für Libata war Hedrick für die Entwicklung der Schnittstelle zwischen Benutzer und seiner Festplatte und somit seinen Daten verantwortlich. So zumindest sah Hedrick seine Verantwortung, die seine Arbeit grundlegend beeinflusste. Er nahm sich am vergangenen Freitag, dem 13. Juli 2012 das Leben.
Als Mitglied des T13-Kommitees(öffnet im neuen Fenster) definiert er die Standards für die ATA-Schittstelle mit. Damit sollte er maßgeblich an einer weitreichenden, aber auch weitgehend unbekannten Entscheidung beteiligt sein, die für offene Daten sorgen sollte. Denn nach dem Willen der Festplattenhersteller Toshiba, Matsushita, IBM sowie Intel sollten ab dem Jahr 2000 alle IDE-Festplatte mit CPRM ausgestattet werden.
DRM für Festplatten
CPRM oder Content Protection for Recordable Media(öffnet im neuen Fenster) sollte als eine Art Digital Rights Management während des Kopierens, des Verschiebens und des Löschens Medieninhalte mit Wasserzeichen versehen oder gar ganz verschlüsseln können. CPRM verwaltet dabei lediglich einen Schlüssel, den Rest übernimmt Software beziehungsweise ein Treiber, die naturgemäß verschlossen sein müssen.
Zwar war sie vor allem für den Einsatz auf Settopboxen gedacht, CPRM sollte aber dennoch auf allen ATA-Festplatten eingebaut werden.
Einsatz für Benutzerrechte
Hedrick lehnte das vehement ab. Der Benutzer habe damit keine Kontrolle mehr über seine Festplatte, denn Hersteller könnten CPRM beispielsweise einfach durch eingeschmuggelte Treiber ohne Zutun des Benutzers aktivieren, auch wenn sie nicht eingesetzt werden müsse. Für Open-Source-Entwickler und das damals noch junge Linux würden reine CPRM-Festplatten eine ziemliche Hürde darstellen, denn ohne Schlüssel wäre der Zugriff darauf äußerst schwierig – aber nicht unmöglich, wie das DeCSS-Projekt zeigte, das die Verschlüsselungstechnik von DVDs knackte.
Andererseits dachte Hedrick, dass CPRM nicht komplett aus der Welt geschaffen werden könne. Also suchte er einen Kompromiss: Er plädierte dafür, dass CPRM per PIN ein- und ausgeschaltet werden kann.
Abgelehnt
Letztlich lehnte das T13-Kommitee den Vorschlag ab(öffnet im neuen Fenster) , CPRM zwangsweise auf allen Festplatten zu installieren. Es kommt heute vor allem auf SD-Karten zum Einsatz.
Libata, der bessere Festplattentreiber
Als Entwickler bei Suse setzte Hedrick seinen konsequenten Einsatz für die Rechte der Benutzer fort. Statt für ein Kommando-basiertes API für ATA-Laufwerke setzte er sich für ein RPC-basiertes ein, das eine verbesserte Interprozess-Kommunikation bieten sollte. Das sollte nicht nur dem Benutzer eine größere Kontrolle über seine Laufwerke geben, sondern letztendlich die Zugriffe beschleunigen. SCSI-Laufwerke setzen eine solche API ebenfalls ein.
Sein von Grund auf neu geschriebener Libata-Treiber(öffnet im neuen Fenster) ist heute immer noch Standard. Selbst die Festplattenindustrie rückte von den reinen Befehls-basierten Treibern ab und nutzte stattdessen RPC.
Paranoia
Sein langjähriger Libata-Mitstreiter und Freund Jeff Garzik beschreibt Hedrick(öffnet im neuen Fenster) als schwierigen Menschen. In teils nächtelangen Diskussionen ging es weniger um die Entwicklung des Treibers als um die Aufarbeitung von Verschwörungstheorien, die Garzik unter anderem als "paranoid" beschreibt.
Er trauere um Hedrick und freue sich gleichzeitig über seine Leistungen, schreibt er und mahnt: "Kein Projekt ist so wichtig, dass man ein Leben dafür opfern muss. Das Leben besteht aus mehr als nur Code."
Hedrick hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Sie haben eine Kondolenz-Webseite(öffnet im neuen Fenster) für ihn eingerichtet.