Linux-Kernel: Oracle umgeht GPL-Funktionen des Linux-Kernels

Entwickler Matthew Garrett kommentiert die Rechtsstreitigkeiten zwischen Oracle und Google: Oracle umgehe Funktionen in Linux, die explizit als GPL-lizenziert markiert sind.

Artikel veröffentlicht am ,
Linux-Kernel: Oracle umgeht GPL-Funktionen des Linux-Kernels
(Bild: King of Hearts/Wikimedia - CC-BY-SA 3.0)

Es gibt viele Kommentare zu der Entscheidung, dass Googles Verwendung von Oracles Java-Software widerrechtlich ist. Doch der Linux-Entwickler Matthew Garrett weist nun darauf hin, dass auch Oracle selbst wahrscheinlich Urheberrechtsverletzungen begeht. Das Unternehmen umgehe bewusst Linux-Funktionen, die als GPL-lizenziert markiert seien, sagt Garrett.

Die GNU General Public License (GPL) schreibt unter anderem vor, dass von Software unter dieser Lizenz abgeleitete Werke ebenfalls unter dieser Lizenz weiterverbreitet werden müssen: das sogenannte Copyleft-Prinzip. Doch der Linux-Kernel kann um Module erweitert werden, und es ist nicht geklärt, ob und unter welchen Umständen diese Module als abgeleitete Werke gelten.

Deshalb existieren in Linux zwei Möglichkeiten Schnittstellen bereitzustellen, welche die Module verwenden können: EXPORT_SYMBOL() und EXPORT_SYMBOL_GPL(). Bei der Letzteren gehen die Autoren davon aus, dass eine Verwendung der darüber bereitgestellten Schnittstellen, als abgeleitetes Werk gelten und entsprechend GPL-lizenziert sein muss. Ist dies nicht der Fall, verweigert der Kernel die Ausführung des Moduls.

Lizenzinkompatibilitäten

Doch wie Garrett nun schreibt, verwendet Oracle eine der GPL-Funktionen für sein DTrace-Modul - allerdings nicht direkt. Vielmehr umgeht Oracle die GPL-Funktion. Diese wird einfach mit einer eigens geschriebenen Funktion umhüllt, die den Wert der ursprünglichen Funktion weitergibt.

Dieses Vorgehen ist nötig, da DTrace unter der von Sun geschriebenen CDDL steht, die nicht kompatibel zur GPL ist. Die Rechte an dem ursprünglich aus Solaris stammenden DTrace erwarb Oracle wie Java durch die Übernahme von Sun.

Lizenzbruch als Wettbewerbsvorteil?

Damit umgeht Oracle wissentlich den Wunsch und die Interpretation des Autors der Funktion in Bezug auf die GPL. Die Argumentation, dass dies versehentlich geschehen sei, sei nicht haltbar, so Garrett. Oracle könnte dies umgehen, indem DTrace unter die GPL gestellt würde.

Das hieße aber, dass jeder Konkurrent von Oracle also etwa Red Hat und Suse ebenfalls DTrace problemlos verwenden könnte. Damit verliere Oracle klar einen Wettbewerbsvorteil. Ein verlorener Prozess und damit verbundener Schadenersatz könnte für Oracle insgesamt günstiger sein, vermutet Garrett.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


eHug 22. Mai 2014

Warum sollte ein Unternehmen viele Mannjahre Knowhow verschenken? Ich dachte immer...

bstea 13. Mai 2014

Lies mal die Lizenz. GCC benutzt eine mod. GPL sonst hätte man genau das Problem.

bstea 13. Mai 2014

Wieso taucht dann diese Meldung immer mit dem Bezug auf die Klage gegen Google auf? Das...

Yes!Yes!Yes! 13. Mai 2014

Das "Vermittlungsprogramm" ist quelloffen. Steht doch so im Artikel. Wofür es verwendet...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Custom Keyboard
Youtuber baut riesige Tastatur für 13.500 Euro

Die Switches haben das 64-fache Volumen und das Gehäuse ist menschenhoch: Ein Youtuber baut eine absurd große Tastatur für absurd viel Geld.

Custom Keyboard: Youtuber baut riesige Tastatur für 13.500 Euro
Artikel
  1. Microsoft: Bing bekommt ChatGPT-Integration und kann getestet werden
    Microsoft
    Bing bekommt ChatGPT-Integration und kann getestet werden

    Microsoft hat KI-basierte Updates für die Bing-Suchmaschine und den Edge-Browser angekündigt. Die Beta ist schon verfügbar.

  2. Twitter: Der blaue Haken bringt Musk nur wenig Geld
    Twitter
    Der blaue Haken bringt Musk nur wenig Geld

    Weltweit hat Twitter angeblich schon einige Hunderttausend zahlende Nutzer. Das dürfte die Finanzprobleme aber nur wenig mildern.

  3. Super Nintendo: Fan bringt verbessertes Zelda 3 für Windows, MacOS und Linux
    Super Nintendo
    Fan bringt verbessertes Zelda 3 für Windows, MacOS und Linux

    Aus 80.000 Zeilen C-Code besteht die per Reverse Engineering generierte Version von Zelda 3. Die bringt einige Verbesserungen und 16:9.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • DAMN-Deals: AMD CPUs zu Tiefstpreisen (u. a. R7 5800X3D 324€)• MindStar: Zotac RTX 4070 Ti 949€, XFX RX 6800 519€ • WSV-Finale bei MediaMarkt (u. a. Samsung 980 Pro 2 TB Heatsink 199,99€) • RAM im Preisrutsch • Powercolor RX 7900 XTX 1.195€ • PCGH Cyber Week nur noch kurze Zeit [Werbung]
    •  /