Linux-Kernel: Oracle umgeht GPL-Funktionen des Linux-Kernels
Es gibt viele Kommentare zu der Entscheidung, dass Googles Verwendung von Oracles Java-Software widerrechtlich ist. Doch der Linux-Entwickler Matthew Garrett(öffnet im neuen Fenster) weist nun darauf hin, dass auch Oracle selbst wahrscheinlich Urheberrechtsverletzungen begeht. Das Unternehmen umgehe bewusst Linux-Funktionen, die als GPL-lizenziert markiert seien, sagt Garrett.
Die GNU General Public License(öffnet im neuen Fenster) (GPL) schreibt unter anderem vor, dass von Software unter dieser Lizenz abgeleitete Werke ebenfalls unter dieser Lizenz weiterverbreitet werden müssen: das sogenannte Copyleft-Prinzip. Doch der Linux-Kernel kann um Module erweitert werden, und es ist nicht geklärt, ob und unter welchen Umständen diese Module als abgeleitete Werke gelten.
Deshalb existieren in Linux zwei Möglichkeiten Schnittstellen bereitzustellen, welche die Module verwenden können: EXPORT_SYMBOL() und EXPORT_SYMBOL_GPL(). Bei der Letzteren gehen die Autoren davon aus, dass eine Verwendung der darüber bereitgestellten Schnittstellen, als abgeleitetes Werk gelten und entsprechend GPL-lizenziert sein muss. Ist dies nicht der Fall, verweigert der Kernel die Ausführung des Moduls.
Lizenzinkompatibilitäten
Doch wie Garrett nun schreibt, verwendet Oracle eine der GPL-Funktionen für sein DTrace-Modul(öffnet im neuen Fenster) – allerdings nicht direkt. Vielmehr umgeht Oracle die GPL-Funktion(öffnet im neuen Fenster). Diese wird einfach mit einer eigens geschriebenen Funktion umhüllt, die den Wert der ursprünglichen Funktion weitergibt.
Dieses Vorgehen ist nötig, da DTrace unter der von Sun geschriebenen CDDL(öffnet im neuen Fenster) steht, die nicht kompatibel zur GPL ist. Die Rechte an dem ursprünglich aus Solaris stammenden DTrace erwarb Oracle wie Java durch die Übernahme von Sun.
Lizenzbruch als Wettbewerbsvorteil?
Damit umgeht Oracle wissentlich den Wunsch und die Interpretation des Autors der Funktion in Bezug auf die GPL. Die Argumentation, dass dies versehentlich geschehen sei, sei nicht haltbar, so Garrett. Oracle könnte dies umgehen, indem DTrace unter die GPL gestellt würde.
Das hieße aber, dass jeder Konkurrent von Oracle also etwa Red Hat und Suse ebenfalls DTrace problemlos verwenden könnte. Damit verliere Oracle klar einen Wettbewerbsvorteil. Ein verlorener Prozess und damit verbundener Schadenersatz könnte für Oracle insgesamt günstiger sein, vermutet Garrett.
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