Linux-Kernel: Integration von Kdbus wird wieder verschoben

Greg Kroah-Hartman will den Code für den umstrittenen Kdbus erst im übernächsten Linux-Kernel 4.3 integrieren. Vorausgegangen war erneut eine hitzige Debatte. Linux-Chef Linus Torvalds hatte nochmals seine Bedenken geäußert.

Artikel veröffentlicht am ,
In Linux 4.2 wird Kdbus nicht erscheinen.
In Linux 4.2 wird Kdbus nicht erscheinen. (Bild: M. Murphy, Gemeinfrei)

Die Kritik an der umstrittenen Interprozesskommunikation Kdbus reißt nicht ab. Deswegen hat Linus Torvalds' Stellvertreter Greg Kroah-Hartman den für das kommende Linux 4.2 geplanten Patch zurückgezogen. Er und sein Team wollen die Einwände prüfen, den Code anpassen und ihn dann für die Integration in Linux 4.3 einreichen. Somit könnte Kdbus frühestens Anfang September 2015 Einzug in den Kernel halten.

Stellenmarkt
  1. Produktmanager (m/w/d) Geschäftskundenprodukte
    htp GmbH, Hannover
  2. Datenschutzkoordinator (m/w/d) - IT
    HSBC, Düsseldorf
Detailsuche

Kroah-Hartmans Rückzug erfolgt nach einer erneut hitzigen Debatte, bei der es auch um die Sinnhaftigkeit der Interprozesskommunikation (Interprocess Communication, IPC) geht. Linux-Chef Linus Torvalds hat zwar angedeutet, den Kdbus-Patch zu akzeptieren, bezweifelt aber, dass ein Geschwindigkeitszuwachs der Hauptgrund für eine Integration von Kdbus sein könne. Kdbus sollte vor allem dazu dienen, den im Benutzerraum verwendeten IPC D-Bus zu beschleunigen, indem er stattdessen vom Kernel verwaltet wird und mit Systemrechten läuft.

Kdbus ist nichts für den Linux-Kernel

Der Kernel-Entwickler Andy Lutomirski, der den Kdbus-Code auf Fehler überprüfen soll, wollte von Torvalds wissen, ob er den Code überhaupt akzeptieren würde. Eine Entscheidung Torvalds würde ihm und anderen viel Arbeit ersparen. Lutomirski selbst hält wenig von Kdbus. Die IPC habe im Kernel nichts zu suchen.

Alle Probleme, die Kdbus beheben solle, könnten auch im Benutzerraum gelöst werden, so Lutomirski weiter. Er schiebt die Schuld an der unzureichenden Leistung der bestehenden IPCs auf schlechten Code. Bei der Kommunikation mit Anwendungen in abgeschlossenen Umgebungen (Sandboxes) gebe es indes noch etliche Schwierigkeiten. So sei es noch nicht möglich, namentliche Zugriffe auf Ressourcen mit Kdbus zu verschleiern - ein mögliches Sicherheitsrisiko. Es bestehe auch noch keine Möglichkeit, den Zugriff so umzuleiten, dass Benutzer eingreifen könnten. Die Kommunikation zwischen Sandboxes und Kdbus über Verbindungslaufzeiten sei inkompatibel, was zu Race-Bedingungen führen könnte.

Vor vollendete Tatsachen gestellt

Golem Akademie
  1. Kubernetes Dive-in-Workshop: virtueller Drei-Tage-Workshop
    19.-21.07.2022, Virtuell
  2. Elastic Stack Fundamentals – Elasticsearch, Logstash, Kibana, Beats: virtueller Drei-Tage-Workshop
    14.-16.06.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Lutomirski warf Kroah-Hartman indirekt vor, die Kernel-Entwickler unzureichend und nicht rechtzeitig in die Diskussion über Kdbus eingebunden zu haben. Vor allem stößt ihm sauer auf, dass Kdbus schon im Kernel der Linux-Distributionen Fedora Rawhide oder Arch AUR läuft, und dass mit SD-Bus bereits eine Schnittstelle für Systemd geschaffen wurde. So seien die Kernel-Entwickler vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Eine IPC wie Kdbus im Kernel könne zwar schneller sein als eine qualitativ ebenbürtige im Benutzerraum. Darüber hinaus könne Kdbus jedoch mehr Probleme bereiten als Nutzen bringen.

Der Hauptgrund, weshalb D-Bus im Benutzerraum nicht ordentlich laufe, sei tatsächlich schlechter Code, antwortete Torvalds auf Lutomirskis E-Mail. Kernel-Code habe höhere Standards und auch deshalb eine höhere Leistung. Das sei aber kein Grund, "beschissenen Benutzerraum-Code" in den Kernel zu integrieren. Das schwäche das Argument für die Integration von Kdbus in den Kernel erheblich ab, auch wenn es noch andere Gründe gebe, die dafür sprächen. Der Hauptgrund für seine Akzeptanz sei aber, dass er seinen Submaintainern traue, besonders Kroah-Hartman. Kroah-Hartman gilt als Nachfolger Torvalds, falls dieser von seinem Posten als Hauptentwickler zurücktritt.

Kdbus für Linux 4.3

Kroah-Hartman reagierte zunächst dünnhäutig auf Lutomirskis Einwände: Es habe zuvor noch nie einen Versuch gegeben, Code noch vor der Einreichung abzulehnen. Der Entwickler Richard Weinberger wies Lutomirski zudem darauf hin, dass Kdbus in Systemd zwar integriert wurde, aber auch abgeschaltet werden könne.

Er habe den Code lediglich ausgiebig testen lassen wollen, rechtfertigte sich Kroah-Hartman in seiner E-Mail, in der er später die Verschiebung bekanntgab. Die Rückmeldungen über Probleme beim Einsatz in Kdbus würden bereits gesammelt und entsprechende Korrekturen seien bereits umgesetzt worden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


pythoneer 29. Jun 2015

Ist "Kernel-Raum" echt ein geläufiger Begriff für dich, ja? Ich bin immer fasziniert...

kernkraftzwerg 29. Jun 2015

Entschuldige bitte, wenn ich dir da widerspreche: alles was ein einzelner nicht...

thomas001le 29. Jun 2015

Na wenn sie jetzt schon eine neue DBUS Client implementierung geschrieben haben für...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Strange New Worlds Folge 1 bis 3
Star Trek - The Latest Generation

Strange New Worlds kehrt zu episodenhaften Geschichten zurück und will damit Star-Trek-Fans alter Schule abholen. Das gelingt mit Bravour. Achtung, Spoiler!
Eine Rezension von Oliver Nickel

Strange New Worlds Folge 1 bis 3: Star Trek - The Latest Generation
Artikel
  1. LTE-Patent: Ford droht Verkaufs- und Produktionsverbot in Deutschland
    LTE-Patent
    Ford droht Verkaufs- und Produktionsverbot in Deutschland

    Ford fehlen Mobilfunk-Patentlizenzen, weshalb das Landgericht München eine drastische Entscheidung gefällt hat. Autos droht sogar die Vernichtung.

  2. Flowcamper: Elektro-Wohnmobil Frieda Volt auf VW-Basis vorgestellt
    Flowcamper
    Elektro-Wohnmobil Frieda Volt auf VW-Basis vorgestellt

    Das elektrische Wohnmobil Frieda Volt basiert auf einem umgebauten Volkswagen T5 oder T6 und ist mit einem 72-kWh-Akku ausgerüstet.

  3. Cariad: Aufsichtsrat greift bei VWs Softwareentwicklung durch
    Cariad
    Aufsichtsrat greift bei VWs Softwareentwicklung durch

    Die Sorge um die Volkswagen-Softwarefirma Cariad hat den Aufsichtsrat veranlasst, ein überarbeitetes Konzept für die ehrgeizigen Pläne vorzulegen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Borderlands 3 gratis • CW: Top-Rabatte auf PC-Komponenten • Inno3D RTX 3070 614€ • Crucial P5 Plus 2 TB 229,99€ • Preis-Tipp: Kingston NV1 2 TB 129,90€ • AVM FRITZ!Repeater 1200 AX 69€ • MindStar (u. a. Palit RTX 3050 339€) • MMOGA (u. a. Total War Warhammer 3 29,49€) [Werbung]
    •  /