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Linux: Kernel-Hacker wollen Konflikte besser lösen

Die Linux-Entwickler haben Regeln zum Umgang mit persönlichen Konflikten erstellt. Das Dokument erhält sehr viel Zuspruch und legt ein unabhängiges Gremium zum Schlichten fest. Besonders weitreichend sind die Regeln aber nicht.
/ Sebastian Grüner
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Die Linux-Community besitzt nun einen Code of Conflict. (Bild: Christopher Michel - CC-BY-2.0)
Die Linux-Community besitzt nun einen Code of Conflict. Bild: Christopher Michel - CC-BY-2.0

In Anlehnung an den in vielen Open-Source-Projekten üblichen Code of Conduct (Verhaltenskodex) haben die Entwickler des Linux-Kernels nun einen Code of Conflict(öffnet im neuen Fenster) erstellt. Dieser ist bezeichnenderweise sehr technisch verfasst und regelt den Ablauf bei persönlichen Auseinandersetzungen. Die Entwickler selbst werden nur gebeten, höflich zu sein, sich auf die technischen Probleme zu besinnen und "großartig zueinander" zu sein.

Einige Projekte verwenden ihren Verhaltenskodex, um auch die eigentliche Organisation und mögliche Hierarchien darzulegen. Ebenso wird ein erwartetes Verhalten der Beteiligten sehr detailliert festgehalten. Deshalb fallen die Dokumente, wie jenes von Ubuntu(öffnet im neuen Fenster) , mitunter auch sehr lang aus. Einige Projekte erweitern ihre Beschreibungen(öffnet im neuen Fenster) noch und legen etwa rassistische und sexistische Handlungen als absolute inakzeptabel fest.

Klare Regeln für Kernel-Hacker

Trotzdem ist der vergleichsweise kurze Text wohl als sehr großer Fortschritt für die Linux-Community zu betrachten, in der ab und an ein sehr harter Umgangston herrscht. Der von Greg Kroah-Hartman verfasste Patch(öffnet im neuen Fenster) ist durch mehr als 60 teils sehr profilierte Entwickler unterstützt und schließlich von Kernel-Chef Linus Torvalds in den Hauptzweig(öffnet im neuen Fenster) integriert worden.

Das Dokument legt fest, dass es nicht akzeptabel sei, wenn sich Entwickler "persönlich angegriffen, bedroht oder unbehaglich fühlen" . Sie sollen sich zur Konfliktlösung an den technischen Beirat der Linux Foundation(öffnet im neuen Fenster) wenden. Zu diesem gehören unter anderem LWN-Autor Jonathan Corbet, Kroah-Hartman – Nummer 2 der Kernel-Entwickler – oder H. Peter Anvin. Letzterer beteiligt sich seit mehr als 20 Jahren an Linux.

Ebenso gehören Matthew Garrett und die USB-Entwicklerin Sarah Sharp zum Beirat. Beide haben in der Vergangenheit mehrfach öffentlich den Umgang einiger Entwickler stark kritisiert, insbesondere die harschen Ausbrüche von Torvalds. Erste Diskussionen zu dem Kodex hatte Sharp bereits im Sommer 2013 angeregt . Torvalds zeigte sich davon zunächst aber nicht besonders überzeugt .

Die Linux Foundation begrüßt die nun erstellten Regeln ebenfalls und unterstützt diese. Der Leiter der Industrievereinigung, Jim Zemlin, schreibt(öffnet im neuen Fenster) , dass der Code of Conflict zwar nicht explizit für eine stärkere Diversität eintrete, damit aber dennoch sehr deutlich werde, dass alle in der Community willkommen seien.


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