Linux: Kernel-Community zerlegt sich bei Diskussion um Dateisystem

An dem Linux-Dateisystem Bcachefs wird seit acht Jahren gearbeitet. Die Fronten sind so angespannt, dass selbst Linus Torvalds zur Ruhe aufruft.

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Die Kernel-Community streitet um die Aufnahme von Bcachefs.
Die Kernel-Community streitet um die Aufnahme von Bcachefs. (Bild: Pixabay)

Linux-Chefentwickler Linus Torvalds hat den ersten Release Candidate für die kommende Version 6.5 des Kernels veröffentlicht. Darin allerdings nicht enthalten ist der Code für das moderne Dateisystem Bcachefs, wie Torvalds selbst in der Ankündigung hervorhebt. Als Grund dafür gibt er eine sehr lange Diskussion der Kernel-Entwickler an, an der sich Torvalds überraschenderweise nicht selbst beteiligte. In der Release-Ankündigung ruft er allerdings explizit zur Beruhigung auf.

Tatsächlich ist die Diskussion auf der Mailingliste sehr hitzig und teils persönlich, was angesichts der positiven Veränderungen im Umgang der Community untereinander im Laufe der vergangenen Jahre durchaus ungewöhnlich ist. Hinzu kommt, dass an Bcachefs seit inzwischen etwa acht Jahren entwickelt wird, das Dateisystem selbst auch ohne offizielle Integration in den Linux-Kernel inzwischen zahlreiche Nutzer hat und die verschiedenen Funktionen laut dem Hauptentwickler Kent Overstreet als stabil angesehen werden.

Auslöser der wiederkehrenden Diskussionen rund um die Aufnahme und Umsetzung von Bcachefs ist dabei nicht der Code für das Dateisystem selbst, sondern die von Overstreet dafür angedachten Änderungen an anderen Teilen des Kernels oder Interaktionen mit anderen Subsystemen. Für derartige Änderungen braucht es üblicherweise die Zustimmung der dafür zuständigen Betreuer. Diese fühlen sich aber von Overstreet zum Teil komplett übergangen oder ignoriert.

Aufnahme bleibt völlig ungewiss

Die Geduld zahlreicher Beteiligter, weiter mit Overstreet zu diskutieren und ihn von technischen Lösungen zu überzeugen oder schlicht auf mögliche Probleme hinzuweisen, scheint dabei inzwischen größtenteils erschöpft. Der Entwickler Christian Brauner schreibt dazu etwa: "Und es scheint so, als gäbe es keine Möglichkeit, dies in Ruhe zu regeln, sondern als sei stattdessen massives defensives Zurückdrängen erforderlich". Der für seine zahlreichen Änderungen am Linux-Kernel bekannte Christoph Hellwig lehnt die Aufnahme außerdem direkt ab, weil die Patches weder von den betroffenen Maintainern akzeptiert worden seien und sich wohl auch niemand außer Overstreet selbst finde, der sich für den Code verbürgen könne.

Auch wenn Torvalds sich nicht direkt an der öffentlichen Diskussion beteiligt, zeigt die Nichtaufnahme des Codes, dass er diese aufmerksam verfolgt. Wie und ob sich der Aufruf zur Beruhigung von Torvalds künftig auswirkt, bleibt abzuwarten. Eine zügige Aufnahme von Bcachefs in den Linux-Kernel erscheint derweil ungewiss.

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teleborian 11. Jul 2023

Jetzt mal ehrlich so viele unterschiedliche Einsatzszenarien die auch...

Firebat 11. Jul 2023

Ja, auch das ist technisch richtig, eigentlich findet davon nichts im Userspace statt...

mnementh 11. Jul 2023

Ich benutze void, und es kommt nicht mit einem Schild dagegen. Es versucht einfach eine...

slax 11. Jul 2023

Weder ext4 noch xfs unterstützen Snapshots, Verschlüsselung. ZFS hingegen ist ein ganz...



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