Linux: Kernel-Community beendet sechs Jahre Langzeitpflege
Die Langzeitpflege des Linux-Kernel soll auf zwei Jahre reduziert werden. Die Maintainer seien ausgebrannt, heißt es.
Linux-Kernel erhalten künftig wieder nur zwei Jahre Langzeitpflege (LTS), wie das Magazin ZDNet unter Berufung auf die Ankündigung durch Community-Mitglied und LWN-Chefredakteur Jonathan Corbet berichtet. In enger Kooperation mit der Android-Community wurde der Supportzeitraum im Jahr 2017 von zwei auf sechs Jahre erweitert. Nun folgt die Rückabwicklung.
Unter die Langzeitpflege fallen derzeit noch die Linux-Versionen 4.14, 4.19, 5.4, 5.10, 5.15 und 6.1. Diese dienen und dienten als Grundlage für den von Google an seine Partner verteilten Android-Code. Dabei wird schnell klar, wie es zu der ursprünglichen langen Pflegelaufzeit gekommen ist.
Die im Jahr 2017 erschiene Version 4.14 ist Mindestvoraussetzung für Android 11, das 2020 erschien. Einige der Geräte mit dieser Kernel-Version, deren Sechs-Jahres-Support im Januar 2024 ausläuft, dürften also erst seit rund zwei Jahren im Markt sein. Grundlegend geändert hat sich an diesen Zeiträumen bisher nichts.
Wohl auch deshalb wird der Pflegezeitraum nicht sofort beendet, wie es heißt. Die Änderung gelte erst für künftige Kernel. Der zuletzt veröffentlichte LTS-Kernel soll also weiter wie geplant bis mindestens Dezember 2026 gepflegt werden. Sollte noch in diesem Jahr ein Langzeitkernel erscheinen, wird dieser dann aber nur noch bis 2025 gepflegt.
Überlastung und zu wenige Nutzer
Laut ZDNet begründet Corbet die deutliche Verkürzung der Pflegezeit damit, dass die LTS-Versionen so gut wie nicht genutzt würden. Zwar basieren sehr viele Android-Geräte wie beschrieben auf diesem Versionszweig, diese nutzen aber nicht die Versionen und Updates der Kernel-Community. Patches der Community landen damit letztlich so gut wie nie in den zahlreichen Geräten.
Darüber hinaus heißt es in dem Bericht, dass Maintainer des Kernels immer häufiger ausgebrannt seien. Das liege unter anderem daran, dass die Zahl der Beitragenden und des Codes selbst stetig wächst, die der Maintainer jedoch kaum oder gar nicht. Darüber hinaus wird die Pflegearbeit von einem großen Teil der Maintainer ehrenamtlich in deren Freizeit übernommen. Corbet fordert hier mehr finanzielles Engagement der beteiligten Unternehmen.