Fast alles wie bisher

In der durch LWN.net dokumentierten Diskussion zur Einführung des Code of Conduct, an der bezeichnenderweise wieder Kroah-Hartman anstelle des Chefentwicklers Linus Torvalds teilgenommen hat, wird klar, dass sich bis auf einige Anfangsschwierigkeiten die Kernel-Community selbst gut mit den nun gültigen Regeln arrangiert hat, diese akzeptiert und auch mehr oder weniger stark unterstützt.

Um diesen Status zu erreichen, war aber von Seiten der Community zugegebenermaßen doch mehr Arbeit nötig, als den Text schlicht in den Code einzupflegen und als gültig zu bezeichnen. So gab es etwa einige Diskussionen oder eher Wortklaubereien um den Inhalt der Regeln und deren Durchsetzung. So spricht das Original etwa davon, dass die Maintainer verantwortlich zum Durchsetzen der Regeln seien, was für Diskussionen in Bezug auf den Begriff Maintainer führte.

Kroah-Hartman verweist darauf, dass die Aufnahme wie bei allen anderen Linux-Bestandteilen auch ein iterativer Prozess sei, Details im Vergleich zum eigentlich Upstream geändert werden können und jede Community im Grunde auch irgendwie anderes funktioniert. Das führte zu einem weiteren offiziellen Dokument, in dem die Kernel-Community festlegt, wie die neuen Regeln interpretiert und umgesetzt werden sollen.

Dazu zählt etwa, dass zur Problem- und Konfliktlösung derzeit Freiwillige dem gewählten Technical Advisory Board (TAB) angehören. Zu den Mitgliedern des TAB gehörten früher bereits Sarah Sharp oder auch Matthew Garrett und derzeit sind neben Kroah-Hartman auch der Intel-Entwickler Dan Williams und die Red-Hat-Angestellte Laura Abbott Teil des Gremiums. Die beiden letztgenannten unterstützen den Vorstoß des Code of Conduct ebenfalls. Hinzu kommt, dass mit Mishi Choudhary eine ausgebildete Mediatorin für eventuelle Konflikte bereitsteht.

Bisher sieht es aber so aus, dass sich die Community nur verlässliche Grundlagen und Werkzeuge geschaffen hat, damit diese im Notfall verfügbar sind und nicht, damit sie direkt gegen missliebige Entwickler eingesetzt werden. So sieht das auch Abbott, die in der Diskussion sagt, dass eine Eskalation wohl nicht notwendig sei, sondern viele der Probleme zwischen den Beteiligten geklärt werden können. Also eigentlich wie bisher auch, nur auf leicht veränderter Basis.

Dass sich im Großen und Ganzen durch den Code of Conduct nicht viel geändert hat, zeigt sich etwa auch an dem ausgebliebenen Exodus von Kernel-Entwicklern, den manch ein Kritiker heraufbeschworen oder gar gefordert hat. Das Gegenteil ist der Fall. So will nun etwa Matthew Garrett auch wieder außerhalb seiner Beschäftigung bei Google zur Kernel-Entwicklung beitragen und die Linux-Community gewinnt so ein bekanntes aktives Mitglied mit viel Erfahrung zurück.

Ebenso will der langjährige Kernel-Entwickler und vor allem für die Intel-Grafiktreiber zuständige Entwickler Daniel Vetter künftig gemeinsam mit dem bisher zuständigen David Airlie die Grafiktreiber-Infrastruktur im Kernel pflegen. Dies geschieht mit dem expliziten Verweis auf die neuen Regeln und den Wandel von Linus Torvalds. Vetter hatte zuvor vermieden, diese Position zu übernehmen, wohl um einer direkten Interaktion mit Torvalds aus dem Weg zu gehen.

Auch Torvalds selbst hat nicht nur Besserung versprochen, sondern nach seiner Pause direkt auch ein paar Dinge praktisch umgesetzt. So nutzt er nun eine Art E-Mail-Filter für sich, der ihn davon abhalten soll, Beleidigungen oder ähnliche Ausfälle zu verschicken. Das heißt aber noch lange nicht, dass nun beliebiger oder gar schlechter Code aufgenommen wird.

Das zeigt sich etwa an den Diskussionen um die Kryptoroutinen für die VPN-Technik Wireguard. Torvalds selbst ist ein absoluter Unterstützer dieser Neuerung und möchte sie in den Hauptzweig des Kernels integrieren. Der Code of Conduct bedeutet nicht, dass dies jetzt plötzlich einfacher und schneller geht als zuvor. Die harten technischen Diskussion bleiben erhalten, nur eben auf einem etwas anderen Diskursniveau. Das ist gut für den Kernel und die Community.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Überraschend neue Verhaltensregeln
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4


gfa-g 09. Jan 2019

Das ist kein Grund warum andere deswegen darunter leiden müssen. Autisten verlangen auch...

Frankenwein 08. Jan 2019

Es ist ein Unterschied, ob Entwickler mit normalem Sozialleben nun diejenigen ergänzen...

exxo 08. Jan 2019

Nö. Lass die PC Keule bitte im Schrank hängen. Diese Meinungen können bleiben. Nur die...

caldeum 07. Jan 2019

Kommt bei Avahi oft darauf an wie viel man von dem ganzen Stack benutzt. Wenn man nur...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
27, 32 und 34 Zoll
Warum OLED-Monitore (noch) nichts fürs Büro sind

Hersteller bringen ihre OLED-Panels in immer besseren Displaygrößen heraus. Damit sie sich im Büro etablieren, muss aber noch viel passieren.
Eine Analyse von Oliver Nickel

27, 32 und 34 Zoll: Warum OLED-Monitore (noch) nichts fürs Büro sind
Artikel
  1. Börsenkurs fällt: Googles Chatbot Bard patzt in der ersten Präsentation
    Börsenkurs fällt
    Googles Chatbot Bard patzt in der ersten Präsentation

    Googles Chatbot Bard ist in einem Werbevideo angeteasert worden - und hat falsche Antworten geliefert. Der Aktienkurs von Alphabet fiel.

  2. Android: Google veröffentlicht erste Vorschau von Android 14
    Android
    Google veröffentlicht erste Vorschau von Android 14

    Entwickler können beginnen, ihre Apps auf Android 14 vorzubereiten. Platform Stability soll im Juni oder Juli 2023 erreicht werden.

  3. Cloudgaming: Google Stadia hatte weniger als 10 Prozent Marktanteil
    Cloudgaming
    Google Stadia hatte weniger als 10 Prozent Marktanteil

    Xbox dominiert den weltweiten Cloudgaming-Markt. Das geht aus Informationen der britischen Kartellbehörde hervor, die Microsoft untersucht.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Finale der PCGH Cyber Week • MindStar: XFX RX 6950 XT 799€ • Neue Tiefstpreise DDR4/DDR5 • Lenovo 27" WQHD 165 Hz 299,99€ • Philips OLED TV 55" 120 Hz Ambilight -44% • Samsung SSD 2TB Heatsink (PS5-komp.) 189,99€ • Roccat Vulcan 121 Aimo 139,99€ • Asus RX 7900 XT 939,90€ [Werbung]
    •  /