Abo
  • Services:

Linux: Geräte-Hersteller scheuen Kooperation mit Kernel-Community

Einige Hersteller von Smartphones und Embedded-Geräten pflegen mit sehr hohem Aufwand komplett eigene Zweige des Linux-Kernels. Viele Entwickler würden das gern ändern, dem stehen aber Unternehmen entgegen, wie ein Sony-Entwickler berichtet.

Artikel veröffentlicht am ,
Wie viele andere pflegt auch Sony sehr viel eigenen Code für den Linux-Kernel.
Wie viele andere pflegt auch Sony sehr viel eigenen Code für den Linux-Kernel. (Bild: Wikimedia: Oiuysdfg - CC-BY-SA 3.0)

Auf der Linuxcon Japan hat der Sony-Angestellte Tim Bird die Ergebnisse einer Umfrage vorgestellt (PDF), bei der er erfahren wollte, was Unternehmen davon abhält, zu dem sogenannten Mainline-Linux-Kernel beizutragen. Dabei wurde deutlich, dass die Firmen das in einigen Fälle schlicht nicht wollen.

Stellenmarkt
  1. Dr. August Oetker KG, Bielefeld
  2. Software AG, Saarbrücken

So stimmten etwa 40 Prozent der Teilnehmenden der Aussage zu, dass die Arbeitgeber einfach nicht die Zeit für die notwendige Arbeit einräumen würden. Immerhin rund 20 Prozent der Befragten gaben an, dass das Management eine Zusammenarbeit mit der Upstream-Community gar ablehne. In der Befragung waren Mehrfachnennungen möglich.

Darüber hinaus gibt es aber auch einige organisatorische Schwierigkeiten, die von Beiträgen abhalten. So seien die von den Unternehmen eingesetzten Kernel-Versionen viel älter als aktuelle. Ebenso hänge der extern gepflegte Kernel-Code von weiteren Programmen ab, die ebenfalls nicht Upstream bereit stünden. Die Entwickler bemängeln aber auch zu große Hürden bei einer möglichen Kooperation mit der Upstream-Community.

Trotz dieser eher negativen Ergebnisse stellte Bird aber auch Erfreuliches vor. So halte es eine überwältigende Mehrheit von über 90 Prozent der Befragten für wichtig, Änderungen auch Upstream bereitzustellen. Fast genauso viele Programmierer würden dies auch gern aktiv umsetzen.

Unnötig komplexe Arbeit der Firmen

Einige der beschriebenen Probleme ergeben sich direkt aus der Arbeit der Hersteller, was Bird am Beispiel eines Gerätes von Sony demonstrierte. So unterscheide sich bereits der von Google veröffentlichte Android-Kernel mit über 1.000 Beiträgen deutlich vom Standard-Linux in Version 3.4.

Hinzu kämen dann noch Änderungen vieler anderer, wie etwa Sony selbst oder auch von Qualcomm. Letztere dienen wohl hauptsächlich der Unterstützung des verbauten SoC. Zusammengefasst belaufen sich die Änderungen auf knapp 2 Millionen Codezeilen, verteilt auf 26.000 Beiträge von rund 1.800 Einzelpersonen - für ein einzelnes Gerät. Diese Zahlen werden von anderen Herstellern teilweise noch übertroffen.

Zuviel Aufwand kostet Geld

Dies führe oft dazu, dass etwa für neue Geräte wieder und wieder die gleichen Patches eingepflegt werden müssten. Außerdem würden dadurch sehr viele Ressourcen gebunden. Die damit einhergehenden Kosten könnten sich Unternehmen sparen. Besser sei es jedoch, damit weitere Arbeiten am Kernel umzusetzen.

Davon könnte letztlich die Qualität der Produkte profitieren. Schließlich biete die Zusammenarbeit eine bessere Möglichkeit für Feedback und Verbesserungen. Ebenso werde Mehrarbeit durch parallele Implementierungen vermieden. Wegen des reduzierten Aufwands könnten die Produkte auch noch schneller auf den Markt kommen.

Bird erklärte, dass dies oftmals sehr eigennützige Gründe seien, und auch weitere Argumente für die Kooperation mit der Upstream-Community sprächen. Zumindest aus Sicht der Unternehmer sollte sich diese Eigennützigkeit aber eigentlich auszahlen.



Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Honor 9 190€)
  2. 199€
  3. 239€
  4. (u. a. Powerline WLAN Mesh 119,90€, Powerline-Adapter 63€, 8-Port Switch 26,90€)

mysimon 15. Jun 2015

Da steht doch insgesamt 2 mio Zeilen. Da muss man nichts rechnen.

spiderbit 11. Jun 2015

ja aber dann ists ja mindestens in Kauf genommen wenn nicht sogar gewuenscht, das...

Nugget32 11. Jun 2015

Das Zeigt auch das viele Hersteller versuchen eigene Wege zu gehen ,aber das ist...

Nugget32 11. Jun 2015

Viele Firmen haben einfach Angst diverse Informationen an die Konkurrenz weiterzugeben...

Thaodan 10. Jun 2015

Deswegen sitzt Sailfish leider noch bei 3.4, das nervt gehörig.


Folgen Sie uns
       


VR-Brille Varjo VR-1 ausprobiert

Das VR-Headset VR-1 von Varjo stellt den zentralen Bereich des Displays sehr scharf dar, wodurch auch feine Details erkennbar sind.

VR-Brille Varjo VR-1 ausprobiert Video aufrufen
Asana-Gründer im Gespräch: Die Konkurrenz wird es schwer haben, zu uns aufzuschließen
Asana-Gründer im Gespräch
"Die Konkurrenz wird es schwer haben, zu uns aufzuschließen"

Asana ist aktuell recht erfolgreich im Bereich Business-Software - zahlreiche große Unternehmen arbeiten mit der Organisationssuite. Für Mitgründer Justin Rosenstein geht es aber nicht nur ums Geld, sondern auch um die Unternehmenskultur - nicht nur bei Asana selbst.
Ein Interview von Tobias Költzsch


    Enterprise Resource Planning: Drei Gründe für das Scheitern von SAP-Projekten
    Enterprise Resource Planning
    Drei Gründe für das Scheitern von SAP-Projekten

    Projekte mit der Software von SAP? Da verdrehen viele IT-Experten die Augen. Prominente Beispiele von Lidl und Haribo aus dem vergangenen Jahr scheinen diese These zu bestätigen: Gerade SAP-Projekte laufen selten in time, in budget und in quality. Dafür gibt es Gründe - und Gegenmaßnahmen.
    Von Markus Kammermeier


      Android-Smartphone: 10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen
      Android-Smartphone
      10 Jahre in die Vergangenheit in 5 Tagen

      Android ist erst zehn Jahre alt, doch die ersten Geräte damit sind schon Technikgeschichte. Wir haben uns mit einem Nexus One in die Zeit zurückversetzt, als Mobiltelefone noch Handys hießen und Nachrichten noch Bällchen zum Leuchten brachten.
      Ein Erfahrungsbericht von Martin Wolf

      1. Android Q Google will den Zurück-Button abschaffen
      2. Sicherheitspatches Android lässt sich per PNG-Datei übernehmen
      3. Google Auf dem Weg zu reinen 64-Bit-Android-Apps

        •  /