Durch Zusammenarbeit zum Standard

Die Linux Foundation forciere dabei aber meist keine Standards, versichert Zemlin. Die ergäben sich ohnehin aus der Diskussion zwischen Herstellern und Community. Meist würden grundlegende Entscheidungen, die so gefällt werden, später auch von anderen Herstellern übernommen und so quasi zum Standard. Statt seitenlange Spezifikationen lesen zu müssen, könnten sie einfach den entsprechenden Code übernehmen. Es gebe aber durchaus Zertifizierungsverfahren, die auch die Linux Foundation anbiete.

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Inzwischen sei bei den meisten großen Unternehmen OSS nicht nur akzeptiert, sondern unerlässlich geworden. Dazu trage auch die zunehmende Wichtigkeit von Software bei, die immer mehr auch spezialisierte Hardwarelösungen ersetzt, etwa bei Software Defined Networking.

Unentbehrliche OSS

Unternehmen hätten aus strategischen Gründen quelloffene Software für sich entdeckt, sagt Zemlin. Anwendungen würden aus so vielen Zeile Code bestehen, dass sie kaum noch von der Entwicklungsabteilung einer einzigen Firma bewältigt werden können. Stattdessen greifen sie auf bereits bestehenden Code zurück, vor allem eben auf OSS-Quellcode, der einfach nur herumliegt und benutzt werden darf. In manchen Unternehmen bestehe Software zu 80 Prozent aus OSS. Die verbleibenden 20 Prozent des Codes bestehen dann aus firmenspezifischem Code. Die Programmierer in den jeweiligen Unternehmen könnten sich dann auf die Entwicklung ihrer speziellen, angepassten Software konzentrieren.

Das Interesse der Unternehmen an OSS zeigt sich auch auf der Linuxcon Europe. Viele Vortragende sind Angestellte namhafter Unternehmen: Huawei ist hier und präsentiert seine Open-Source-Strategie, Samsung erklärt, wie das Unternehmen OSS einsetzt und das mit den einzelnen Abteilungen abstimmt. Ein Netflix-Angestellter erklärt, welche Linux-Werkzeuge dort eingesetzt werden, etwa um das Streaming-Angebot zu optimieren. Es geht nicht nur darum, proprietären Code nachzubauen, sondern gemeinsam als Vorreiter bei neuen Technologien aufzutreten und davon zu profitieren.

Missverstandenes OSS

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Bei Projekten der Linux Foundation kooperieren nicht nur Entwickler aus der Community, sondern eben auch andere Unternehmen, die wiederum ihre Software-Beiträge nach den Statuten vieler Open-Source-Lizenzen allen anderen zur Verfügung stellen müssen. Die goldene Regel bei der Linux Foundation gilt aber weiterhin: Teile, was du teilen willst, und behalte, was du behalten willst.

Seine Organisation müsse immer noch viel Überzeugungsarbeit leisten, müsse genau erklären, wie Open Source funktioniere, sagt Zemlin. Es gebe immer noch Unternehmen, die befürchten, wenn sie OSS nutzen, müssen sie gleich ihr gesamtes Patentportfolio veröffentlichen. Die Inhalte und Definitionen in den verschiedenen Open-Source-Lizenzen seien aber nicht das Problem. Vielmehr müsste es mehr Juristen geben, die OSS gut verstehen und Unternehmen besser beraten.

OSS soll Gutes tun

Ob die Linux Foundation denn auch dafür sorge, dass OSS nicht dort eingesetzt werde, wo sie Schaden anrichten könne, etwa wenn sie in militärischen Drohnen genutzt würde? Nein, sagt Zemlin. Das sei die Kehrseite von OSS. Aber aus langer Sicht komme mehr Gutes als Schlechtes beim Einsatz von OSS heraus. Zemlin verweist auf das Openmrs-Projekt, das er in seiner Keynote auf der Linuxcon Europe vorstellte. Ärzte haben eine quelloffene Patientenverwaltung entwickelt, die inzwischen vor allem auch in afrikanischen Ländern wie Uganda und Tansania eingesetzt wird. Die Schirmherrschaft hatte die Linux Foundation übernommen.

Die Linux Foundation ist nicht die einzige gemeinnützige Organisation, die sich um Open-Source-Projekte kümmert, aber wohl die mit den meisten und besten Kontakten zu Industriegrößen. Zu ihren Sponsoren gehören nicht nur die bekannten Open-Source-Unternehmen Red Hat oder Suse, sondern auch Hersteller wie Sony, Samsung oder HP. Viele Unternehmen unterstützen aber auch selbst Projekte, die für ihre eigenen Pläne interessant sind, etwa Red Hat. Und viele Projekte haben auch nicht nur einen Sponsor. Aber nur die Linux Foundation hält die Markenrechte am Namen Linux.

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 Linux Foundation: Die Linux-Verwalter
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