Linux-Distro: CutefishOS ist doch nicht tot

CutefishOS ist eine von Hunderten Linux-Distibutionen. Es starb, sollte geforkt werden und war plötzlich wieder da. Und wieso? Weil es "cute" ist.

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Eine ganze Reihe Pinguine, aber nur einer ist cute.
Eine ganze Reihe Pinguine, aber nur einer ist cute. (Bild: Sven H. via flickr/CC-BY-SA 2.0)

Nicht umsonst heißt es, dass es Linux-Distributionen wie Sand am Meer gibt. Immer mal wieder versucht sich jemand an einem abgewandelten Konzept, nimmt eine der großen Distros, stellt selbst etwas zusammen und veröffentlicht das Ergebnis im Internet. Viele davon sterben gleich wieder, ohne von irgendjemandem bemerkt worden zu sein. Andere werden bemerkt und sterben trotzdem. Ein paar von den letzteren werden als Fork wiederbelebt. Und so richtig selten ist eine Wiederauferstehung im Original. CutefishOS scheint so eine Wiederauferstehungsgeschichte zu sein.

Es ist die Geschichte einer von Hunderten von Linux-Distributionen: CutefishOS basiert wie so viele Distros auf Ubuntu, das wiederum auf Debian basiert. Gestartet wurde es mit der Vision, eigene Applikationen zu entwickeln, um Nutzern ein durchgängiges Bedienungskonzept zu ermöglichen. Die Anfänge sahen gut aus - im Juli 2021 wurde es auf Techrepublic.com vorgestellt, im September gab es einen Artikel auf The Register und noch im April berichtete ZDnet. Doch dann war CutefishOS plötzlich tot: Die Entwickler meldeten sich nicht mehr und die Webseite des Projekts lieferte nur noch Timeouts.

Es ist tot, Jim

CutefishOS bekam die Aufmerksamkeit vor allem deshalb , weil das System tatsächlich sehr benutzerfreundlich wirkte - zumindest das, was ansatzweise bereits fertig war. Von Konzept her an den Desktop von MacOS erinnernd, machte es einen aufgeräumten Eindruck und wirkte elegant.

Gleichzeitig gab es Befürchtungen hinsichtlich der weiteren Entwicklung von Elementary OS, nachdem bekanntgegeben wurde, dass der Begründer der beliebten und mit einem ähnlichen Konzept gestarteten Distribution die Firma hinter Elementary OS verlassen würde. Da wird schon mal nach Alternativen gesucht, auf die man im Falle einer negativen Entwicklung bei der etablierten Distro ausweichen könnte.

Die Anzeichen des Projekttodes - keine Check-ins, keine Nachrichten und auch keine Webseite mehr - wurden mit der Zeit immer deutlicher. Doch gerade als sich ein Team von zehn Entwicklern gefunden hatte, die einen Fork der bisherigen Ergebnisse anlegen und weiterentwickeln wollten, gab es doch wieder Bewegung bei CutefishOS auf Github: "Your Favorite CutefishOS are back now! New website in the works (coming soon)..." (Deutsch, inklusive der grammatikalischen Besonderheiten: "Eure liebsten CutefishOS sind jetzt zurück! Neue Website in Arbeit (in Kürze) ...")

Es lebt! - Sicher?

Als Folge dieser Entwicklung wurde der Fork abgesagt. Sollte die Entwicklung wieder einschlafen, wolle man schauen, ob man dann einen Fork in Angriff nimmt, hieß es aus dem Kreis der zehn Entwickler, die an einer alternativen Version arbeiten wollten.

Auf Reddit wird nicht so ganz daran geglaubt, dass es mit CutefishOS wirklich weitergeht - bis auf eine Ankündigung auf Github und eine neu registrierte Domain openfish.org ist bisher nichts passiert. Und die Domain verweist auf eine qcloud-Adresse, den Clouddienst des chinesischen Konzerns Tencent, und gibt eine Fehlermeldung aus: "Website vorübergehend nicht verfügbar. Die Website wurde nicht in Übereinstimmung mit den einschlägigen Gesetzen und Vorschriften des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie eingereicht."

Ob das Projekt also weitergeht und ob man es dann überhaupt nutzen möchte, sei dahingestellt. Ob bei dem Fork etwas Besseres herausgekommen wäre, ist aber auch nicht klar, denn CutefishOS erwies sich bei den Untersuchungen im Vorfeld des Forks als eine "andere Variante von Ubuntu/Debian ohne viele Unterschiede". Die Apps und deren durchgeplante einheitliche Benutzerführung würden den Unterschied ausmachen.

Dementsprechend sinnvoll wäre es eigentlich, aus Cutefish keine eigene Distribution, sondern einen Cross-Distro-Desktop zu machen, der praktisch jede Linux Distribution als Grundlage haben könnte. Doch das scheitert am Code selbst: "Cutefish hat einige ziemlich seltsame Abhängigkeiten", die zum Beispiel bei Fedora oder Arch nicht bereitstehen.

Doch so ist es eben mit Open Source manchmal. Nicht jedes Projekt muss gelingen - egal ob lebend, tot, scheintot, wiederbelebt oder als Fork.

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