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Linux-Distribution: Red Hat teilt gegen Rebuilder und deren Nutzer aus

Der Linux-Distributor Red Hat wirft Nutzern von Nachbauten vor, nicht für Pflege zahlen zu wollen. Es gibt Streit um das Vorgehen des Unternehmens.

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Red Hat will Nachbauten seiner Distribution verhindern. (Bild: Riccardo Milani / Hans Lucas via Reuters Connect)

Der bei Red Hat für das Core Platforms Engineering zuständige Manager Mike McGrath hat im Blog des Linux-Distributors eine ausführliche Begründung dafür geliefert, warum das Unternehmen die Verfügbarkeit des genutzten Quellcodes massiv einschränkt. Red Hat sieht demnach keinen Wert mehr in diesem Vorgehen und verweist vor allem auf wirtschaftliche Interessen, die durch Rebuilds und deren Nutzer unterlaufen werden.

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Red Hat hatte angekündigt, dass das Unternehmen künftig nicht mehr direkt öffentlichen Zugang zum Quellcode seiner Enterprise-Linux-Distribution RHEL bieten will. Stattdessen soll der Code nur noch für Kunden, Partner und Nutzer von RHEL bereitstehen. Die freie Verfügbarkeit des Codes führte vorher zu zahlreichen Rebuilds der Distribution, was Red Hat mit CentOS sogar über mehrere Jahre lang selbst unterstützt hatte. Doch damit ist nun Schluss.

Kritik an Herstellern und Nutzern der Nachbauten

McGrath schreibt zu den Diskussionen, die auf die Ankündigung folgten: "Ich habe das Gefühl, dass ein Großteil der Verärgerung über unsere jüngste Entscheidung bezüglich des Downstream-Quellcodes entweder von denjenigen kommt, die nicht für die Zeit, den Aufwand und die Ressourcen zahlen wollen, die in RHEL stecken, oder von denen, die es für ihren eigenen Profit neu verpacken wollen. Diese Forderung nach RHEL-Code ist unaufrichtig."

Der Linux-Distributor müsse eben jene Menschen bezahlen, die die Arbeit an der Distribution umsetzen. "Den von diesen Personen produzierten Code einfach neu zu verpacken und ohne Mehrwert weiterzuverkaufen, macht die Produktion dieser Open-Source-Software nicht nachhaltig", schreibt McGrath. In seiner Kritik explizit hervorheben will Red Hat dabei die Anbieter der RHEL-Nachbauten.

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Zwar habe Red Hat mit dem klassischen CentOS selbst einen Nachbau unterstützt. Statt jedoch dafür zu sorgen, dass die Nachbauten mehr RHEL-Expertise bei Dritten etablieren und letztlich auch zu mehr Verkaufsabschlüssen bei Red Hat führten, "haben wir eine Gruppe von Anwendern vorgefunden, von denen viele zu großen oder sehr großen IT-Organisationen gehören, die die Stabilität, den Lebenszyklus und das Hardware-Ökosystem von RHEL wollen, ohne die Maintainer, Ingenieure, Autoren und viele andere, die es erstellen, tatsächlich unterstützen zu müssen. Diese Benutzer haben auch beschlossen, keine der vielen anderen Linux-Distributionen zu verwenden", schreibt McGrath.

Weiter heißt es, es gebe zahlreiche andere Linux-Distributoren wie Suse, Canonical, AWS und Microsoft, die alle zu einem großen Ökosystem beitragen, nur eben ohne kompatibel zueinander zu sein. McGrath betont: "Letztendlich sehen wir keinen Nutzen in einem RHEL-Nachbau und wir sind nicht verpflichtet, den Rebuildern die Arbeit zu erleichtern; dies ist unsere Entscheidung."

Kritik am Verhalten Red Hats

Die bisherigen Nachbauten von RHEL, allen voran Alma Linux und Rocky Linux, geraten damit also absichtlich in Bedrängnis. Denn der RHEL-Quellcode ist nicht nur deutlich schwieriger für diese zu erhalten, sondern die Geschäftsbedingungen von RHEL selbst erschweren es Kunden massiv, von ihren Rechten mit der Open-Source-Software Gebrauch zu machen.

So erlauben es die Lizenzbedingungen der Open-Source-Software zwar explizit, diese weiterzugeben, was auch Red Hat nicht bestreitet. Das Unternehmen behält sich aber vor, den Supportvertrag beim Ausüben dieser Rechte entweder einzuschränken und ganz zu beenden. Ebenso behält sich das Unternehmen vor, Neukunden vorher zu evaluieren. Ein direkter Zugriff für die Anbieter von Nachbauten auf den Quellcode oder auch nur die Binärdateien könnte so durch Red Hat komplett verhindert werden.

Wie der langjährige Freie-Software-Aktivist Bradley Kuhn im Blog der Software Freedom Conservancy in einer Analyse von Red Hats Geschäftsmodells schreibt, ist derzeit aber völlig unklar, ob und inwiefern diese Einschränkungen nicht eventuell doch gegen die Lizenzbedingungen der Software selbst verstoßen. Eine gerichtliche Beurteilung dazu gab es bisher noch nicht. Kuhn zeigt sich letztlich aber auch persönlich enttäuscht von dieser Entwicklung Red Hats, die angetreten seien, als Unternehmen die FOSS-Community als gleichwertige Partner behandelte.