Linux-Distribution: Debian bekommt Probleme mit proprietärer Firmware
Eines der wohl wichtigsten Prinzipien der Debian-Community ist es, dass die erstellte Linux-Distribution und Software des Projekts komplett freie Software ist. Die dafür festgelegten Richtlinien ( DFSG(öffnet im neuen Fenster) ) sind sogar Teil des eigenen Gesellschaftsvertrags, der eine Art Verfassung für das gesamte Projekt ist. Der langjährige Debian-Entwickler Steve McIntyre schreibt nun aber in seinem Blog(öffnet im neuen Fenster) , dass das Projekt diesen Standpunkt zumindest für Firmware-Pakete überdenken müsste.
McIntyre ist seit 1996 an dem Debian-Projekt beteiligt, fungierte als Projektleiter und ist an den Arbeiten des Firmware-Supports sowie für den Debian-Installer beteiligt. Der Entwickler schreibt: "Meiner Meinung nach ist die Art und Weise, wie wir mit (unfreier) Firmware in Debian umgehen, ein Chaos, und das schadet vielen unserer Benutzer jeden Tag."
Hardware-Support nur mit Firmware
Dass dem so ist, ist wohl schlicht der generellen Entwicklung der IT geschuldet. Noch vor etwa einem Jahrzehnt sei Firmware höchstens für WLAN-Adapter notwendig gewesen, so McIntyre. Inzwischen werde derartiger Code aber auch für GPUs, Sound-Ausgaben und auch für die Haupt-CPU eines Systems selbst benötigt. In den allermeisten Fällen ist dieser Code proprietär und wird den Debian-Richtlinien folgend nicht standardmäßig mit dem System ausgeliefert.
McIntyre schreibt dazu: "Lange Zeit haben wir so getan, als ob die Unterstützung und Einbindung von (unfreier) Firmware auf Debian-Systemen nicht notwendig sei. Wir wollen unseren Benutzern keine (unfreie) Firmware zur Verfügung stellen, und in einer idealen Welt würden wir das auch nicht müssen. Dies ist jedoch ganz klar kein vernünftiger Weg mehr, wenn wir versuchen, viele gängige aktuelle Hardware zu unterstützen."
Als mögliche nächste Schritte schlägt McIntyre vor, die bisher inoffiziellen Debian-Abbilder mit nicht-freier Firmware wie die offiziellen zu behandeln oder direkt nur noch offizielle Images mit proprietärer Firmware zu verteilen. Möglich wäre laut dem Entwickler aber auch, die Firmware-Komponenten separat zum Rest der proprietären Software zu pflegen und etwa in ein eigenes Repository auszulagern. Über eine spezielle Option könnte dann die nicht freie Software in den offiziellen Abbildern genutzt werden.
Über die von McIntyre vorgestellten Optionen will der Entwickler in einer Art Basisabstimmung (General Resolution) des Debian-Projekts entscheiden lassen. Erhält eine der Optionen eine Mehrheit, dürfte diese umgesetzt werden.
- Anzeige Hier geht es zu Linux: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.