Linux-Distribution: Canonical veröffentlicht Nutzungsdaten für Ubuntu

Ubuntu-Sponsor Canonical sammelt anonymisierte Daten der Nutzer der weit verbreiteten Linux-Distribution, falls diese dem zustimmen. Eine dazu neu gestartete Webseite zeigt die Daten an(öffnet im neuen Fenster) und unterteilt diese in Nutzerinformationen, Desktop-Spezifikationen und Konfiguration. Zwar lassen sich aus den Zahlen zumindest ein paar Trends extrahieren, ein umfassendes Bild aller Ubuntu-Installationen bieten sie aber aus mehreren Gründen nicht.
Zum einen willigten insgesamt nur 66 Prozent der Nutzer ein, dass Canonical anonym ihre statistischen Installationsdaten erhebt. Zum anderen hält sich Canonical mit den absoluten Nutzerzahlen bedeckt: Der Betrachter erfährt also nicht, ob hier die Zahlen von Tausenden oder Millionen Ubuntu-Nutzern gesammelt wurden.
Echte und virtuelle Installationen nicht unterscheidbar
Zwar unterscheidet Canonical die Installationen häufig danach, ob sie auf physischer oder virtueller Hardware laufen. Allerdings besteht hier eine weitere Unschärfe darin, dass sich aus den vorhandenen Daten nicht mit Sicherheit ableiten lässt, ob es sich tatsächlich um echte oder virtuelle Hardware handelt, was Canonical auch so schreibt. Unklar bleibt auch, ob Container zur virtuellen Hardware zählen und Canonical zum Beispiel die Docker-Hub-Downloads berücksichtigt.
Bei knapp der Hälfte aller Installationen tippt Canonical auf echte Hardware, bei circa 15 Prozent auf virtuelle Hardware. Die restlichen Anteile seien nicht genau bestimmbar. Leider fehlen bei diesem interessanten Punkt auch die Prozentzahlen zur Infografik, die Canonical bereitstellt. Die Folge ist, dass die auf der Unterscheidung echt/virtuell beruhenden Daten damit häufig nur eine grobe Richtung abbilden.
Trends ablesbar
Zu diesen Erkenntnissen gehört etwa, dass die Mehrheit der Nutzer (61 Prozent) ihr System mit den Standardeinstellungen installiert - auf virtueller Hardware. Spielen die Nutzer Ubuntu auf physische Hardware, sind sie offenbar deutlich anpassungsfreudiger: Hier nutzen nur 33 Prozent die Default-Werte. Dabei scheinen sie vor allem ein oder mehrere Add-ons abzuschalten (56 Prozent), bei virtuellen Installationen tun dies nur 24 Prozent.
Rund 30 Prozent der Nutzer auf virtueller und realer Hardware verwenden beim Login kein Passwort, 91 Prozent lassen sich bei der Installation auch die Updates mit einspielen. Nur 12 Prozent der Nutzer auf physischer Hardware verwenden die Minimalvariante von Ubuntu, auf virtueller sind es 13 Prozent. Hier hätte man im zweiten Fall eine größere Zahl erwartet.
Die Daten verraten zudem, wo viele Ubuntu-Nutzer sitzen, nämlich zum Beispiel in Russland, Australien, Brasilien und Mexiko, häufig also in Schwellenländern. 60 Prozent der User verwenden demnach die englische Sprache. Auch diese Zahl ist vermutlich mit Vorsicht zu genießen, einige Nutzer ändern die Spracheinstellungen erst nach der Installation. Nach Englisch folgt Spanisch (7 Prozent) als zweithäufigst genutzte Sprache.
Insgesamt scheint Ubuntu mehrheitlich nicht auf den neuesten Rechnern zu laufen. So sind Quadcore-Rechner mit Ubuntu noch in der Minderheit, bringt die Hälfte der Rechner bis zu vier GByte RAM mit und nutzen nur 30 Prozent eine Full-HD-Auflösung oder höher. Außerdem verwendet die knappe Mehrheit der physischen Installationen noch BIOS und nicht das jüngere UEFI, bei virtuellen Maschinen ist BIOS ohnehin meist Standard.
Weitere Zahlen und Hintergründe liefert ein etwas älterer Blogpost von Canonical-Mitarbeiter Will Cooke(öffnet im neuen Fenster) vom Juni 2018.



