Abo
  • Services:

Der Pro-Treiber wird seinem Namen nicht gerecht

Anders als ich mir das vor dem Testen der Polaris-Karte mit dem Pro-Treiber gedacht habe, kann ich damit also zwar einen neuen Kernel ohne Probleme nutzen, für Wayland-Tests muss ich vorerst aber weiter auf die freien Treiber wechseln. Doch genau das wollte ich eigentlich vermeiden, denn wie so oft sind die freien Treiber zum Verkaufsstart der Hardware noch nicht fertig.

Stellenmarkt
  1. Bosch Gruppe, Stuttgart
  2. Lechwerke AG, Augsburg

So befindet sich etwa das Linux-Kernelmodul offiziell noch in Entwicklung und ist deshalb noch nicht in Linux-Distributionen vorhanden. Deshalb begrüßt mich Ubuntu 16.04 beim ersten Start der RX 480 auch mit seltsamem Grafikmüll, der eine grafische Benutzung unmöglich macht. Da der in Ubuntu 16.04 genutzte Kernel 4.4 bereits zurückportierten Code der Version 4.5 verwendet, hätte AMD den Linux-Code zur Unterstützung der Polaris-Karten spätestens Anfang Januar dieses Jahres veröffentlichen müssen, damit mir der Grafikmüll erspart bleibt. Die Patches sind aber erst rund vier Monate später erschienen.

Das war zwar zu erwarten, trotzdem wäre es schön gewesen, wenn ich die Karte ohne solche Probleme einfach hätte in Betrieb nehmen können. Dass das prinzipiell funktionieren kann, zeigt das Treiberteam von Intel. Doch auch diesem unterlaufen peinliche Fehler. So hat es in diesem Jahr zum Beispiel vergessen, einige PCI-IDs für bestimmte Skylake-Grafikchips zu hinterlegen. Auch die Intel-Treiber sind zum Verkaufsstart einer neuen Grafikgeneration teilweise von schweren Fehlern betroffen. Da nutze ich doch lieber den proprietären Treiber.

Ausreichende Leistung zum Spielen

Darüber hinaus haben die proprietären Treiber einen weiteren entscheidenden Vorteil im Vergleich zu den freien Treibern: Sie bieten die Leistungsfähigkeit, um adäquate Benchmarks durchführen zu können, die auch Vergleiche mit Windows erlauben oder um schlicht einfach mal selbst zu zocken.

Für Letzteres sind die freien Treiber einfach nicht geeignet. Denn die 3D-Treiber der Grafikbibliothek Mesa unterstützen noch nicht alle Versionen der OpenGL-Spezifikation. Auch wenn sich die Entwickler mit ihrem freien Treiber der vollständigen Unterstützung langsam annähern, bleibt das Problem, dass diese kaum zum Spielen geeignet sind. Denn ob die Hardware tatsächlich die zum Spielen benötigte Leistung bringt, hängt sehr stark vom Treiber ab.

Weil mich die freien Treiber hier bisher nicht überzeugen konnten, bleibt nur, die proprietären Treiber zu verwenden. Doch offenbar ist das Linux-Team von AMD mit den unterschiedlichen Varianten seiner Treiber etwas überfordert. Das zeigt sich zum Beispiel an der Umsetzung der Energieverwaltung für die Polaris-Karten.

So haben die Entwickler auch noch in der Woche vor der Veröffentlichung der RX 480 wichtige Veränderungen an der Steuerung der Energieverwaltung im Linux-Kernel vorgenommen und die Patches zunächst allein für den freien Treiber veröffentlicht, statt sie in den Pro-Treiber zu integrieren. AMD konnte oder wollte uns zudem keine aktualisierte Version des Pro-Treibers anbieten. Wegen der damit verbundenen unzureichenden Aussagekraft haben wir im Test der RX 480 keine Linux-Benchmarks durchgeführt.

Nicht gut, aber besser als die anderen

Dem Pro-Treiber fehlt zudem für die Polaris-Karten noch Software zur Unterstützung aller Hardware-Funktionen wie das für HDR notwendige 10-Bit-Profil des H.265-Codecs. Letzteres sollte über die Schnittstelle VDPAU angeboten werden, die von vielen Playern zur hardwarebeschleunigten Wiedergabe von Videos genutzt wird. Doch VDPAU unterstützt dieses Codec-Profil noch nicht. Davon ist auch der proprietäre Treiber von Nvidia betroffen.

Trotz all der aufgezählten Probleme ist der Pro-Treiber aber schon jetzt besser als die anderen Linux-Treiber. Immerhin kann ich damit die Vorabversionen des Kernels testen oder auf eine Rolling-Release-Distro setzen, was bei Nvidia unmöglich ist. Ebenso kann ich mit dem Pro-Treiber eine deutlich bessere Leistung erzielen als mit den freien Treibern. Das ist für die Desktop-Nutzung zwar nicht relevant, aber Linux kann seit einigen Jahren eben auch zum Spielen genutzt werden und dafür ist die Leistung sehr wichtig.

Mir bleibt damit nur zu hoffen, dass das Team von AMD die Probleme etwa mit Wayland oder VDPAU durch schnell durch Patches lösen kann. Dann hätte ich endlich den Linux-Treiber, den ich mir wünsche.

 Linux: Der beste schlechte Treiber, den ich je hatte
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 39,99€ (Release 14.11.)
  2. (-82%) 8,88€
  3. (-70%) 5,99€
  4. 33,49€

spiderbit 13. Jul 2016

AMD macht seit wieviel 5 10 jahren an ihrem alten proprietaeren Treibern rum, dieser ist...

486dx4-160 11. Jul 2016

Bei Debian-basierten Distros ist es auch kein Problem. Wenn durch irgendein Update nötig...

matokla 09. Jul 2016

Der Reichtum an Admin-Erfahrung kann noch nicht soo umfangreich sein, wenn man dem...

derdiedas 08. Jul 2016

dann ist deine Computervergangenheit aber nicht allzu lang oder?

Noneatme 07. Jul 2016

Wollte ich auch erwähnen. Kernel 4.7 ist ja eig. Voraussetzung für den Test. Ich gehe...


Folgen Sie uns
       


Infiltrator Demo mit DLSS und TAA

Wir haben die Infiltrator Demo auf einer Nvidia Geforce RTX 2080 Ti mit DLSS und TAA ablaufen lassen.

Infiltrator Demo mit DLSS und TAA Video aufrufen
Lenovo Thinkpad T480s im Test: Das trotzdem beste Business-Notebook
Lenovo Thinkpad T480s im Test
Das trotzdem beste Business-Notebook

Mit dem Thinkpad T480s verkauft Lenovo ein exzellentes 14-Zoll-Business-Notebook. Anschlüsse und Eingabegeräte überzeugen uns - leider ist aber die CPU konservativ eingestellt und ein gutes Display kostet extra.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Thinkpad E480/E485 im Test AMD gegen Intel in Lenovos 14-Zoll-Notebook
  2. Lenovo Das Thinkpad P1 ist das X1 Carbon als Workstation
  3. Thinkpad Ultra Docking Station im Test Das USB-Typ-C-Dock mit robuster Mechanik

SpaceX: Milliardär will Künstler mit zum Mond nehmen
SpaceX
Milliardär will Künstler mit zum Mond nehmen

Ein japanischer Milliardär ist der mysteriöse erste Kunde von SpaceX, der um den Mond fliegen will. Er will eine Gruppe von Künstlern zu dem Flug einladen. Die Pläne für das Raumschiff stehen kurz vor der Fertigstellung.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Mondwettbewerb Niemand gewinnt den Google Lunar X-Prize

Grafikkarten: Das kann Nvidias Turing-Architektur
Grafikkarten
Das kann Nvidias Turing-Architektur

Zwei Jahre nach Pascal folgt Turing: Die GPU-Architektur führt Tensor-Cores und RT-Kerne für Spieler ein. Die Geforce RTX haben mächtige Shader-Einheiten, große Caches sowie GDDR6-Videospeicher für Raytracing, für Deep-Learning-Kantenglättung und für mehr Leistung.
Ein Bericht von Marc Sauter

  1. Tesla T4 Nvidia bringt Googles Cloud auf Turing
  2. Battlefield 5 mit Raytracing Wenn sich der Gegner in unserem Rücken spiegelt
  3. Nvidia Turing Geforce RTX 2080 rechnet 50 Prozent schneller

    •  /