Links- und Rechtsextreme: Die merkwürdige Querfront gegen Elektroautos

Links- und Rechtsextreme sind gleichermaßen gegen Elektroautos, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Die Ablehnung ist der falsche Weg.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die Elektromobilität gefällt den extremen politischen Spektren gar nicht.
Die Elektromobilität gefällt den extremen politischen Spektren gar nicht. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Dass man lechts und rinks durchaus velwechsern kann, wusste schon Ernst Jandl. Dennoch hat es uns am Mittwoch überrascht, dass die linksextreme "Vulkangruppe" sich zu einem Brandanschlag auf die Tesla-Baustelle in Grünheide bekannte und das mit einem seitenlangen Anti-Elektroauto-Manifest auf Indymedia begründete.

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Eine solche fundamentale Ablehnung der Elektromobilität kennen wir bereits aus dem rechten Lager, vor allem von der AfD. Auch wenn die Argumentationen völlig unterschiedlich sind, überzeugt weder die eine noch die andere.

Den einen, wie der AfD, gehen die Veränderungen durch Elektroautos viel zu weit, den anderen gehen sie längst nicht weit genug. Im Endeffekt haben beide Forderungen zur Folge, dass die CO2-Emissionen im Verkehr auf absehbare Zeit nicht sinken werden, weil entweder keine alternativen Antriebe oder nicht genügend klimaneutraler Treibstoff zur Verfügung stehen.

Zunächst gilt festzuhalten: Die Argumente von Umwelt- und Klimaschützern, auch gemäßigten, unterscheiden sich diametral von denen der AfD. So sagte deren Abgeordneter Dirk Spaniel am vergangenen Donnerstag bei der Verabschiedung des Schnellladegesetzes im Bundestag (PDF): "Die Transformation zur Elektromobilität ist vor allen Dingen eine Transformation zum Verkehrskollaps. (...) Leitgedanke der Politik der AfD ist es, den Wohlstand und die Freiheit für die Menschen in diesem Land bestmöglich zu erhalten."

Für die AfD soll alles so bleiben, wie es ist, und die Verbrennerautos sollen künftig mit synthetischen Treibstoffen fahren, deren Produktion erwiesenermaßen viel ineffizienter ist als die direkte Nutzung von Ökostrom durch batterieelektrische Autos. Daher ist auf diese Weise mittel- und langfristig kein CO2-neutraler Verkehr möglich.

Umweltschützer: Besser gar keine Autos als Elektroautos

Gegner der Elektromobilität aus dem linken Spektrum weisen hingegen darauf hin, dass für Produktion und Betrieb der Autos ebenfalls viel Energie und viele Ressourcen aufgewendet werden müssen. Das ist völlig richtig, obgleich dabei häufig der Eindruck erweckt wird, als würden für die Lithium-Produktion in Südamerika blühende Landschaften zerstört, während die Gewinnung tatsächlich in abgelegenen Wüstenregionen erfolgt.

In einer ausführlichen Analyse warf taz-Autor Martin Unfried den Umweltverbänden vor, dass deren Autostrategie "spektakulär gescheitert" sei. "Der zentrale Grund für die überraschend erfolglose Arbeit der Verbände in diesem Bereich ist ein strategisches Problem: Das ÖPNV-Mantra war nicht kompatibel mit einem wirklich kräftigen Engagement für die elektrische Motorenwende."

Dabei nimmt Unfried die zu erwartenden Einwände von Umweltaktivisten gleich vorweg: "Auch wegen dieses Artikels werde ich wieder kritische Reaktionen von Ökos bekommen mit dem immer gleichen Tenor: Das Elektroauto sei keine Verkehrswende, sondern umweltzerstörend und Greenwashing, es helfe nur der komplette Umstieg auf öffentlichen Verkehr und Fahrrad. Überhaupt lebe man selbst prima ohne Auto (in Berlin)."

Elektromobilität: Grundlagen und Praxis

Status quo wird zementiert

Inzwischen dürfte aber Umweltschützern und Verkehrsverbänden klar sein: Jedes heute noch gebaute und verkaufte Verbrennerauto wird vermutlich noch 20 Jahre lang auf fossilen Treibstoff angewiesen sein, der häufig nicht gerade aus besonders demokratisch regierten Staaten importiert werden muss. Jedes heute gebaute und gekaufte Elektroauto hingegen liefert einen zusätzlichen Anreiz, durch eine eigene Solaranlage auf dem Dach den Anteil an erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion zu steigern.

Kurioserweise haben Greenpeace-Aktivisten wenige Stunden nach dem Brandanschlag von Grünheide im Exporthafen Emden bei VW-Autos die Schlüssel abzogen und einen schnellen Ausstieg aus der Verbrennerproduktion gefordert. "Wer noch 20 weitere Jahre Verbrenner verkaufen will, obwohl es klimaschonender geht, handelt auf Kosten unserer Kinder und Enkel", kritisierte die Umweltorganisation.

Wer Elektroautos kategorisch ablehnt, zementiert damit den Status quo. Der AfD lässt sich entgegenhalten: Die technische Entwicklung von Akkus dürfte in den kommenden Jahren dazu führen, dass batteriebetriebene Fahrzeuge bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Preis den Verbrennermodellen annähern. Den von Spaniel herbeibeschworenen "Verkehrskollaps" durch "unendliche Schlangen" an den Ladesäulen dürfte es nicht geben. Der Wunsch, dass sich durch eine konsequente Klimapolitik nichts an unserem verschwenderischen Lebensstil ändert, dürfte ebenfalls nicht zu erfüllen sein.

Umwelt- und Klimaschützer sollten zur Kenntnis nehmen: Mit einem konsequenten und verbesserten Recycling lassen sich viele Ressourcen von Elektroautos ein weiteres Mal nutzen. Akkus lassen sich mit erneuerbaren Energien produzieren und laden. Die Gewinnung von Ressourcen lässt sich, wie in Bolivien geplant, auch so organisieren, dass die lokale Bevölkerung möglichst stark profitiert. Politisch lässt sich ein radikales Verbot individualisierter Mobilität sicher nicht durchsetzen.

Wenn schon Pkw, dann mit Elektroantrieb, müsste daher die Devise lauten. Alles andere ist ein gloßel Illtum.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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cubie2 29. Mai 2021 / Themenstart

Das stimmt natürlich nicht, denn ich habe mich auf deine Aussage in keiner Weise...

BlindSeer 28. Mai 2021 / Themenstart

Kann ich auch ein Beispiel liefern. In unserem Grünsten Viertel (Zweitstimmentechnisch...

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