Limux: Die tragische Geschichte eines Leuchtturm-Projekts

Politische Querelen, Patentstreitigkeiten, aggressiver Lobbyismus, Fehlentscheidungen und unzufriedene Mitarbeiter: Die Geschichte des Limux-Projekts gleicht einer Tragödie. Jetzt folgt der vermutlich letzte Akt: die Abwicklung.

Artikel von veröffentlicht am
Linux wird wohl bald nicht mehr auf städtischen Rechnern in München laufen.
Linux wird wohl bald nicht mehr auf städtischen Rechnern in München laufen. (Bild: Jörg Thoma/Golem.de)

Ruhig war es nie um Limux. Von der Open-Source-Gemeinde bejubelt, kam es zwischen Open-Source-Befürwortern und -Gegnern und politischen Kontrahenten im Münchner Rathaus schnell zu Streitigkeiten. Das mit dem Beinamen IT-Evolution betitelte Limux-Projekt offenbarte die Schwächen von Open-Source-Software. Mangelnde Interoperabilität und unzufriedene Mitarbeiter, die sich mit einem völlig neuen Betriebssystem und fehlenden Fachanwendungen konfrontiert sahen, machten immer wieder Schlagzeilen. Selbst nach dem erfolgreichen Abschluss rissen die Querschläge seiner Gegner nicht ab - und von Anfang an lieferte das Projekt bei allem Erfolg auch selbst immer wieder Gründe für negative Schlagzeilen.

Es begann verheißungsvoll - zumindest aus Sicht der Open-Source-Gemeinde. Am 16. Juli 2004 beschloss die Vollversammlung des Münchner Stadtrates die stadtweite Migration seiner Arbeitsplatz-PCs auf Open-Source-Software; damals hatte die SPD unter Oberbürgermeister Christian Ude zusammen mit den Grünen dort die Mehrheit. Eine weltweit bekannte Großstadt setzte auf Linux und freie Software statt auf kommerzielle Produkte von Microsoft - David gegen Goliath.

Linux ist reif für die Verwaltung

Zur Jahrtausendwende hatte sich Open-Source-Software soweit entwickelt, dass es als ernsthafte Alternative zum allgegenwärtigen Windows und Office von Microsoft betrachtet werden konnte. Zunächst sollte die Bürosoftware Openoffice auf den damals rund 14.000 Rechnern der Stadtverwaltung installiert werden. Dazu sollte später ein speziell angepasstes Debian samt KDE-Desktop das inzwischen veraltete und nicht mehr von Microsoft unterstützte Windows NT 4 ersetzen. Bis 2006 sollte die Migration abgeschlossen sein. Ein durchaus ehrgeiziger Plan.

Vorausgegangen war eine sogenannte Client-Studie der Firma Unilog, die zum Ende des Supports für Windows NT 4 untersuchen sollte, mit welchen Alternativen Kosten eingespart werden könnten. Der wirtschaftliche Aspekt stand zwar im Vordergrund, es gab aber auch eine ideologische Komponente: Überlegungen zur Herstellerunabhängigkeit und ein durch den Einsatz von Open-Source-Software möglicherweise gesteigerter Wettbewerb im Softwaremarkt, die in dieser ersten Studie ebenfalls untersucht wurden. Microsoft war seit dem Jahr 2000 immer wieder kartellrechtlichen Gerichtsverfahren ausgesetzt - Monopolbildung wurde dem Unternehmen sowohl in den USA als auch in Europa vorgeworfen.

Ballmer spricht bei Ude vor

Stellenmarkt
  1. Resident Data Engineer (m/w/d)
    Novelis Deutschland GmbH, Nachterstedt
  2. Software Entwickler (m/w/d) Automation
    SUSS MicroTec Solutions GmbH und Co. KG, Sternenfels
Detailsuche

Aufgeschreckt durch die Diskussion über eine mögliche Abkehr von Microsofts Produkten in München, reiste der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer publikumswirksam aus seinem Skiurlaub in der Schweiz in die bayerische Landeshauptstadt, um in einem Gespräch mit Bürgermeister Ude unter anderem auf den eben geschlossenen "Konzernvertrag" mit dem Bundesministerium des Innern hinzuweisen, der Rabatte zu Windows-Produkten im öffentlichen Sektor versprach.

Zusätzlich bot Microsoft seine Hilfe bei einem sogenannten sanften Upgrade auf Windows XP an, etwa durch den Einsatz seiner Virtualisierungssoftware Virtual PC, in der veraltete Fachsoftware lauffähig bleiben sollte. Einen direkten Produktrabatt für München bot Ballmer jedoch nicht an. Ude soll ebenfalls hart geblieben sein, mehrfach soll er gefragt haben, was Microsoft noch anbieten könne.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Nicht ganz unproblematischer Umstieg 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9.  


EynLinuxMarc 04. Mär 2017

Tja Linux eben unbrauchbar für den normal Einsatz. Vielleicht ist das Grundsystem Gratis...

otto06217 27. Feb 2017

Danke für Deinen Beitrag. Nun weiß ich besser Bescheid. VG

pythoneer 23. Feb 2017

Hätte wenn und aber. Zum Glück müssen wir nun nicht mehr Rätselraten sondern können...

Bosancero 22. Feb 2017

Wenn du es wissen willst, dann frag doch Google einfach mal. nVidia hat die Entwicklung...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Ukrainekrieg
Erster Einsatz einer US-Kamikazedrohne dokumentiert

Eine Switchblade-Drohne hat offenbar einen russischen Panzer getroffen. Dessen Besatzung soll sich auf dem Turm mit Alkohol vergnügt haben.

Ukrainekrieg: Erster Einsatz einer US-Kamikazedrohne dokumentiert
Artikel
  1. Heimnetze: Die Masche mit dem Nachbarn
    Heimnetze
    Die Masche mit dem Nachbarn

    Heimnetze sind Inseln mit einer schmalen und einsamen Anbindung zum Internet. Warum eine Öffnung dieser strengen Isolation sinnvoll ist.
    Von Jochen Demmer

  2. Deutsche Bahn: 9-Euro-Ticket gilt nicht in allen Nahverkehrszügen
    Deutsche Bahn  
    9-Euro-Ticket gilt nicht in allen Nahverkehrszügen

    So einfach ist es dann noch nicht: Das 9-Euro-Ticket gilt nicht in allen Zügen, die mit einem Nahverkehrsticket genutzt werden können.

  3. Übernahme: Twitter zahlt Millionenstrafe und Musk schichtet um
    Übernahme
    Twitter zahlt Millionenstrafe und Musk schichtet um

    Die US-Regierung sieht Twitter als Wiederholungstäter bei Datenschutzverstößen und Elon Musk will sich das Geld für die Übernahme nun anders besorgen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Mindstar (u. a. Palit RTX 3050 Dual 319€, MSI MPG X570 Gaming Plus 119€ und be quiet! Shadow Rock Slim 2 29€) • Days of Play (u. a. PS5-Controller 49,99€) • Viewsonic-Monitore günstiger • Alternate (u. a. Razer Tetra 12€) • Marvel's Avengers PS4 9,99€ • Sharkoon Light² 200 21,99€ [Werbung]
    •  /