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Lilith Wittmann: Hackerin deckt Geflecht illegaler Online-Casinos auf

Neun Monate lang hatte Lilith Wittmann Zugriff auf die Server der Glücksspielbehörde von Curaçao. Hunderte Betreiber von Online-Casinos wurden enttarnt.
/ Friedhelm Greis
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Die Antilleninsel Curaçao gehört zu den Niederlanden, aber nicht zur EU. (Bild: Peter Zay/Anadolu/Reuters)
Die Antilleninsel Curaçao gehört zu den Niederlanden, aber nicht zur EU. Bild: Peter Zay/Anadolu/Reuters
Inhalt
  1. Lilith Wittmann: Hackerin deckt Geflecht illegaler Online-Casinos auf
  2. 800 Eigentümer identifiziert

Durch den Betrieb von Online-Glücksspielen im Ausland gehen dem deutschen Fiskus jährlich mehrere Hundert Millionen Euro an Einnahmen verloren. Wie solche Angebote über Briefkastenfirmen in Ländern wie Curaçao oder Malta betrieben werden, hat die Hackerin Lilith Wittmann(öffnet im neuen Fenster) zusammen mit Journalisten der Sender NDR, NRK (Norwegen), SVT (Schweden) und dem Portal Follow the Money (Niederlande) recherchiert. Dabei wurden 2 Terabyte an erbeuteten Daten ausgewertet.

Wittmann selbst hat ihre Ergebnisse in drei umfangreichen Artikeln veröffentlicht. Diese behandeln zum einen die Rolle der Curaçao Gaming Authority (CGA) bei der Lizenzierung von Glücksspielen(öffnet im neuen Fenster). Zum anderen beleuchtet sie das Firmengeflecht hinter dem Angebot Platincasino(öffnet im neuen Fenster), das laut Wittmann "mutmaßlich aktuell erfolgreichste illegale Casino in Deutschland". Ein dritter Text analysiert die Geschäftspraktiken von Softswiss(öffnet im neuen Fenster), einem Anbieter von Glücksspielsoftware. Follow the Money analysierte nach eigenen Angaben "Dutzende von Lizenzanträgen von Glücksspielunternehmen, dazugehörige Unterlagen sowie die Bewertungen der Aufsichtsbehörde von Curaçao".

Jedes Dokument mitgelesen

Der Hack der CGA erfolgte laut Wittmann am 3. Dezember 2025 um 15 Uhr. Wenige Stunden später verschaffte sie sich "über eine einfach auszunutzende Sicherheitslücke den vollen Zugriff auf die Server der Glücksspielaufsicht". Von diesem Zeitpunkt an habe sie jeden Antrag und jedes eingegangene Dokument mitlesen können.

Die beteiligten Medien rechtfertigten die Auswertung des erbeuteten Materials mit "dem großen öffentlichen Interesse daran, die seit Langem bestehenden Missstände in der Glücksspielbranche von Curaçao aufzudecken". Diese Praktiken fügten Menschen weltweit schweren Schaden zu. In dem Datensatz seien zudem Reisepässe, Steuererklärungen und Finanzinformationen enthalten gewesen.

Fast sechs Milliarden Euro Einsätze in wenigen Jahren

Der finanzielle Umfang der Branche geht aus einer Razzia vor zwei Wochen hervor. Allein im Zeitraum von Juli 2021 bis Ende 2023 seien über die Plattformen Einsätze in Höhe von rund 5,86 Milliarden Euro abgewickelt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main laut Medienberichten(öffnet im neuen Fenster) mit. Den Beschuldigten werde vorgeworfen, Glücksspielsteuern nicht oder nicht vollständig abgeführt zu haben. Der mutmaßliche Steuerschaden für das Jahr 2024 werde auf rund 77,6 Millionen Euro beziffert.

In einer Mitteilung der Gemeinsamen Glückspielbehörde der Länder(öffnet im neuen Fenster) (GGL) zu der Razzia wird "ausdrücklich vor der Teilnahme an illegalen Angeboten wie etwa Platincasino" gewarnt. Laut Wittmann ist das ein Indiz dafür, dass die Razzia diesem Angebot galt und dessen Betreiber Thomas K. verhaftet wurde.


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