Light & Magic: Sechs Stunden über George Lucas' Effektfirma

Seit mehr als 40 Jahren wird das Kino von der Effektkunst bestimmt. Sie erschafft Bilder, die es zuvor nicht gab. Bei Disney+ gibt es nun die großartige Dokumentationsserie Light & Magic, die mit sechs Folgen die ersten 15 Jahre von Georg Lucas' Firma Industrial Light & Magic (kurz: ILM) Revue passieren lässt. Das Beste daran: Hier kommen die Künstler auch selbst zu Wort!
Am Anfang der ersten Folge sieht man Ausschnitte und kurze Impressionen von George Méliès' Werken, aus Ray Haryhausens Filmen, von 2001, King Kong und die weiße Frau, Der Zauberer von Oz, Star Wars: Episode I, Die Vögel, Mary Poppins, Unheimliche Begegnung der dritten Art, Zurück in die Zukunft, Jurassic Park, Black Panther, Roger Rabbit, The Avengers, The Mandalorian, Mission Impossible, Harry Potter, Titanic, Terminator 2 und vielen anderen – einige der für diese Filme verantwortlichen Regisseure kommen zu Wort. Sie sprechen über die Magie, die die Effektkunst ins Kino bringt. Über das, was man nur im Film und niemals in der Realität sehen kann.
Sechs Folgen
Das bringt einen natürlich schnell zu George Lucas, seinem Star Wars und den immensen Effekten, die für diesen ersten Film der Saga notwendig waren. Die erste Folge befasst sich mit den maßgeblichen Menschen, die für ILM damals tätig waren, mit Dennis Muren(öffnet im neuen Fenster) und Richard Edlund(öffnet im neuen Fenster) , mit Phil Tippett(öffnet im neuen Fenster) und John Dykstra(öffnet im neuen Fenster) , mit Jon Berg(öffnet im neuen Fenster) und vielen anderen.
Sie alle hatten im Grunde denselben Werdegang. Als Kinder der 1950er Jahre waren sie von Effekten in Filmen begeistert und begannen, selbst kleine Filme zu machen, bei denen sie mit Stop-Motion(öffnet im neuen Fenster) und anderen Techniken experimentierten. Sie waren Autodidakten und bereiteten sich, ohne es zu wissen, auf ein Hollywood vor, das nach 1977 nicht mehr dasselbe sein würde.
Die Vorstellung, sich als FX-Künstler sein Leben finanzieren zu können, war vor Star Wars eher illusorisch – nur wenige Leute, wie Willis O'Brien(öffnet im neuen Fenster) in den 1920er bis 1940er und Ray Harryhausen(öffnet im neuen Fenster) in den 1950er bis 1970er Jahren waren wirklich gut im Geschäft.
Nach Star Wars änderte sich das und FX-Künstler wurden zu einer extrem gefragten Berufsgruppe, was jedoch nicht sofort nach Erscheinen des ersten Films absehbar war. Viele der am ersten Star-Wars-Film beteiligten Künstler wussten nicht, ob es einen zweiten Teil geben würde. Darum arbeiteten einige von ihnen mit John Dykstra und seiner Firma Apogee auch an Kampfstern Galactica(öffnet im neuen Fenster) .
Eine herausragende Produktion
Der zweite Star-Wars-Film kam, aber mit ihm kamen auch Veränderungen. Denn George Lucas verlagerte die Produktion von Los Angeles in die Gegend um San Francisco und lockte einige der wichtigsten Mitarbeiter des frühen ILM nach Marin County .
In den ersten Folgen sieht man sehr viel von den Hintergrundarbeiten zu Star Wars: wie Modelle für die Star-Wars-Filme gefertigt wurden, wie Monster designt wurden, wie die Szenen technisch umgesetzt wurden. Es geht aber auch um den ersten Indiana-Jones-Film, mit dem ILM auch außerhalb von Star Wars zeigte, was es kann.
Das war im Grunde auch so etwas wie der Start. George Lucas' Firma wurde in den 1980er Jahren zur ersten Adresse, wenn man Effekte für seinen großen Film haben wollte. In der Dokumentation wird auch auf die Arbeit an Poltergeist oder Star Trek II: Der Zorn des Khan eingegangen, bei dem auch die ersten digitalen Bilder zu sehen waren.
Das digitale Zeitalter beginnt
In den letzten beiden Folgen von Light & Magic geht es darum, wie die analogen Effekte langsam von den digitalen abgelöst wurden. Ende der 1980er Jahre gab es erste Morphing-Effekte, in den frühen 1990er Jahren folgten Terminator 2 und schließlich Jurassic Park, der zwar immer noch auch handgemachte Effekte von Stan Winston hatte, aber sehr stark auf computergenerierte Bilder setzte .
Die sechsteilige Serie zeichnet die Entwicklung nicht nur der Firma ILM, sondern auch der Effektkunst selbst über 15 Jahre hinweg nach – indem die Macher zu Wort kommen, ihre Erzählungen aber auch mit entsprechendem Filmmaterial unterlegt werden. Es ist also mitnichten eine Sendung, die nur mit Talking Heads, also endlosen Interviews ohne unterstützendes Filmmaterial daherkommt. Der große Höhepunkt am Ende der sechs Folgen ist Jurassic Park – aber das Ende von ILM ist damit natürlich nicht erreicht.
Angesichts des abgedeckten Zeitraums und dem, was in den Jahren danach noch passieren sollte, steht zu erwarten, dass es wenigstens eine weitere, vielleicht auch eine dritte Staffel von Light & Magic geben wird. So könnte das das Wirken der Firma über mehr als vier Jahrzehnte hinweg nachgezeichnet werden.
Noch viel Stoff für weitere Folgen
Schon jetzt kann man sagen, dass Light & Magic eine herausragende Produktion ist, denn einen derart umfassenden Einblick in die Arbeit der Firma hat es bislang nicht gegeben. Allein die jetzt veröffentlichte erste Staffel bietet mit sechs Episoden mehr als sechs Stunden an informativer Unterhaltung.
Das Schöne daran ist, dass eben nicht nur die großen Macher wie George Lucas oder Steven Spielberg zu Wort kommen, sondern dass man vor allem von den Effektkünstlern selbst hört, wie alles umgesetzt wurde. Die neue Disney+-Serie ist für jeden, der sich für filmische Magie und die Erschaffung von Spezialeffekten interessiert, ein echtes Kleinod. Besser kann eine Dokumentation über ILM kaum sein.



