Lifetab P8912 im Test: Viel Rahmen für wenig Geld

Mit dem Lifetab P8912 bringt Medion ab der nächsten Woche ein Android-Tablet in die Aldi-Märkte, das die noch eher unübliche Größe von 8,9 Zoll hat. Für Nutzer, die ein Tablet jenseits der 7 oder 8 Zoll haben wollen, sind 8,9 Zoll ein guter Kompromiss zum großen 10-Zöller.

Zudem ist das Lifetab mit 180 Euro recht günstig. Die Frage ist natürlich: Was taugt das Gerät? Golem.de hat es vor dem Verkaufsstart getestet und sich genau angeschaut, ob ein Kauf lohnt.






Breiter Rand ums Display
Noch beim Auspacken fällt beim Lifetab P8912 ein verhältnismäßig breiter Rand um das Display auf, der das Gerät auf den ersten Blick eher wie einen digitalen Bilderrahmen aussehen lässt. Insbesondere an den beiden kurzen Kanten ist dieser Rand auffällig breit und führt dazu, dass das Lifetab mit Maßen von 240 x 156 x 8,5 mm über 10 mm länger als das Nexus 9 mit gleich großem Display ist. So unschön wir den Rand vom Design her finden, zum Festhalten des Tablets ist er nicht unpraktisch.
Die Rückseite des Lifetabs hat ein Inlay aus Metall, der Rest des Gehäuses ist aus Kunststoff. Besonders an der linken Seite knarzt das Gehäuse sehr laut, wenn wir das Tablet etwas in sich verdrehen. Davon abgesehen ist die allgemeine Verarbeitung gut.
HDMI-Ausgang und IR-Sender
Das Design des Tablets ist eher unspektakulär, es wirkt durch die geraden Kanten etwas klobig. Alle Bedienungselemente sind an der rechten Seite untergebracht, neben dem Einschaltknopf und der Lautstärkewippe unter anderem auch ein Steckplatz für Micro-SD-Karten und ein Mini-HDMI-Ausgang – der ist praktisch, um das Tablet einfach an einen externen Monitor anzuschließen. Auch der Infrarotsender befindet sich an der rechten Seite, versteckt in der Lautstärkewippe.
Das Display ist nicht sehr hell
Das 8,9 Zoll große IPS-Display ohne kratzfeste Oberfläche hat eine Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln, das ergibt eine Pixeldichte von 254 ppi. Bildschirminhalte werden ausreichend scharf angezeigt, wenngleich feine Details wie kleine Schrift bereits etwas undeutlich aussehen. Die Farbwiedergabe des Bildschirms gefällt uns gut, sie ist recht warm; Farben werden natürlich und nicht übertrieben dargestellt. Der Bildschirm ist sehr blickwinkelstabil, die Farben und die Helligkeit ändern sich kaum, wenn das Tablet von der Seite betrachtet wird.






Das Display des Lifetabs hat aber einige Schwachstellen: Zum einen fehlt dem Tablet ein Lichtsensor, der die Bildschirmhelligkeit automatisch reguliert, der Nutzer muss also immer per Hand einstellen. Das sieht man heutzutage nur noch bei sehr wenigen Tablets, selbst günstige Modelle haben mittlerweile einen solchen Sensor.
Zum anderen ist der Helligkeitsbereich des Lifetabs nicht groß: Selbst bei voll aufgedrehter Helligkeit haben wir bei Sonneneinstrahlung starke Probleme, noch etwas zu erkennen. Auch bei normalem Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung ist es schwer, den Bildschirminhalt zu sehen. Drehen wir die Helligkeit herunter, ist das Display andererseits nicht dunkel genug, um etwa bei schummriger Beleuchtung angenehm zu lesen.
Helle Streifen an den Rändern
Die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms ist an den Längsseiten heller als an den übrigen Stellen des Displays. Das fällt besonders bei weißen Hintergründen auf, etwa wenn wir ein Buch lesen. Medion hat uns bestätigt, dass es diese hellen Ränder bei den Testgeräten sieht – es handelt sich also offenbar nicht um einen Einzelfall, der nur unser Gerät betrifft.
Bei unserem Testgerät ist zusätzlich in einer Ecke deutlich ein hellerer Fleck zu erkennen. Dieser fällt auch bei dunkleren Hintergründen auf, wenn man darauf achtet. Drücken wir hier leicht auf die Rückseite des Tablets, erhalten wir Störungen auf dem Bildschirm – offenbar drückt ein Bauteil auf das Displaypanel, was bereits ohne zusätzlichen Druck zu einer helleren Stelle führt. Möglich, dass der Fehler nur bei unserem Testgerät auftritt: Medion konnte ihn nicht bei weiteren Geräten nachvollziehen.
Das Display ist trotz ausreichender Schärfe und guter Farbdarstellung ein Schwachpunkt des Lifetab P8912. Das liegt zum großen Teil an der geringen Helligkeit, durch die eine Benutzung außerhalb von Innenräumen mitunter schon schwierig ist. Auch die hellen Ränder trüben den Eindruck des Bildschirms: Selbst bei einem Preis von 180 Euro sollte dies nicht vorkommen.
Intel-Prozessor und 32 GByte Speicher
Im Inneren des Lifetab P8912 arbeitet ein Intel Atom Z3735F mit vier Kernen und einer Taktrate von bis zu 1,8 GHz. Dieser ermöglicht eine ruckelfreie Bedienung des Tablets, für alltägliche Arbeiten wie das Abrufen von E-Mails, Facebook-Nutzung, Surfen oder auch das Streaming von Filmen eignet sich das Lifetab sehr gut. Bei grafisch aufwendigen Spielen hingegen kommt die Grafikeinheit des SoC etwas ins Stocken.






Im Geräte-Benchmark Geekbench 3 kommt das Lifetab P8912 im Single-Modus auf 805 Punkte, im Multi-Modus auf 2.107 Zähler. Damit liegt das Tablet beim Einzelkernergebnis auf etwa dem gleichen Niveau wie das Yoga Tablet 2 von Lenovo. Im Grafik-Benchmark GFX Bench schafft es im Manhattan-Test einen Offscreen-Wert von 9,1 fps, im T-Rex-Test einen Offscreen-Wert von 18 fps – beides durchschnittliche Werte. Im Icestorm Unlimited des 3D Mark kommt das Gerät auf 14.600 Punkte, auch das ist ein Ergebnis im unteren Durchschnitt.
Die restliche Hardwareausstattung des Lifetab P8912 ist für den niedrigen Preis sehr gut: Der Arbeitsspeicher ist 2 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 32 GByte – das ist in dieser Preisklasse eine ganze Menge. WLAN unterstützt das Tablet nach 802.11b/g/n, also nur auf der Frequenz 2,4 GHz. Bluetooth läuft in der Version 4.0, ein GPS-Modul ist eingebaut. Ein Mobilfunkmodem hat das Tablet nicht.
Auf der Rückseite befindet sich eine 5-Megapixel-Kamera. Deren Bildqualität eignet sich nur für Schnappschüsse: Die Bilder haben nur eine geringe Schärfe und sind in den Details verwaschen. Die Frontkamera für Videotelefonie hat 2 Megapixel.
Kitkat und ausdauernder Akku
Ausgeliefert wird das Lifetab P8912 mit Android in der recht aktuellen Version 4.4.4 alias Kitkat. Dessen Benutzeroberfläche lässt Medion wie gewohnt unangetastet, installiert aber zahlreiche Apps vor. Dazu zählen Anwendungen wie die Fernbedienungs-App und eine Mediatheken-App sowie einige Foto-Apps und die Aldi-App. Wer diese Anwendungen nicht braucht, kann sie einfach deinstallieren.
Der Akku des Lifetab P8912 hat eine Nennladung von 7.400 mAh. Ein 1080p-Video konnten wir fast sechs Stunden lang anschauen – ein guter Wert. Bei normaler Nutzung hält das Tablet deutlich über einen Tag durch, was aber auch an der schwachen Displaybeleuchtung liegt.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Lifetab P8912 will Medion ab dem 26. Februar 2015 sowohl bei Aldi-Nord(öffnet im neuen Fenster) als auch bei Aldi-Süd(öffnet im neuen Fenster) in den Farben Weiß und Schwarz anbieten. Der Preis soll 180 Euro betragen, mit inbegriffen sind ein einfacher Ständer und ein USB-Host-Kabel.






Fazit
Das Lifetab P8912 ist bei einem Preis von 180 Euro verglichen mit anderen Tablets dieser Größe günstig. Der Käufer muss aber mit einigen Schwächen leben. Der Hauptkritikpunkt ist für uns klar das Display: Es ist zu dunkel und zeigt deutliche Beleuchtungsschwächen an den Rändern. Zudem drückt zumindest bei unserem Testgerät ein Bauteil von hinten an den Bildschirm, so dass es zu einem sichtbaren Fleck kommt. Unbenutzbar wird das Tablet durch diese Schwächen nicht; sie senken aber die Qualität des Bildschirms, dessen Auflösung und Farbwiedergabe ansonsten ordentlich sind.
Das Design finden wir etwas altbacken, auf den ersten Blick sieht das Gerät eher nach einem digitalen Bilderrahmen als nach einem Tablet aus. Schuld daran ist der breite Rand um das Display, durch den sich das Tablet aber gut halten lässt. Das Metall-Inlay auf der Rückseite verursacht ein unschönes Knarzen, wenn das Tablet etwas in sich verdreht wird.
Die Prozessorleistung des Lifetab P8912 ist hingegen ordentlich mit durchschnittlichen Benchmark-Ergebnissen. Die restliche Hardware ist im Einsteiger- und Mittelklassebereich angesiedelt und dem Preis angemessen. Praktisch finden wir den Infrarotsender und den Mini-HDMI-Ausgang, auch die lange Akkulaufzeit hat uns gut gefallen. Zudem setzt das Gerät eine recht aktuelle Android-Version ein.
Alles in allem ist das Lifetab P8912 für den veranschlagten Preis von 180 Euro durchaus ein gutes Angebot – andere Tablets in dieser Preiskategorie haben häufig eine schlechtere Prozessorausstattung, weniger Speicher oder ein kleineres Display. Allerdings muss der Käufer die Fehler des Bildschirms verschmerzen können.



