Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Naivität anstelle von Hacker-Klischees

Kyle träumt davon, ein ganz großes Ding zu drehen. Er entwickelt einen Plan, um den Elon Musk nachempfundenen Tech-Milliardär Don Heard um sein Kryptovermögen zu erleichtern. Natürlich hat der Mann auch sonst viel Dreck am Stecken.

Außerdem können unsere jungen Hacker Geld gebrauchen, zum Beispiel für die Medikamente einer kranken Mutter oder das teure Studium an einer guten Uni. Ein Privatjet wäre auch was Feines.

Dabei vergessen die selbst ernannten Robin Hoods mit Vorliebe für die eigenen Taschen, wie lange sie für einen solchen Diebstahl ins Gefängnis müssten, würden sie erwischt. Als sie dann doch dran denken, ist es ihnen erst einmal trotzdem egal. Es überwiegt die Euphorie, wann immer sie ein Sicherheitssystem umgangen oder eine Krypto-Wallet geleert haben. Es sind eben noch sehr junge Erwachsene, eigentlich Kinder. Dass wir das merken, ist super. Es gibt dem Film eine andere Perspektive, als einfach die üblichen Hollywood-Klischee-Hacker zu zeigen.

Hinzu kommt, dass Websites und Apps auf den Screens im Film keine ähnlich aussehenden Attrappen bekannter Software sind, sondern die Originale. Das wirkt wie aus dem Leben gegriffen. Und selbst am Rand, bis hin zu den Dateinamen beliebiger Files auf den Desktops, gibt es oft viel Liebe zum Detail zu entdecken.

Wirklich aktiv am Computer gecodet wird zwar kaum, dennoch lautet der Filmtitel wahrscheinlich deswegen auch Lifehack. Die Teenager bedienen sich mehr einer Kombination aus Cyber-Stalking, Social Engineering, ein paar einfachen Skripten und Tools, die beim bereits erwähnten Scambaiting alltäglich sind. Vor allem agieren sie im Prinzip eher wie Telefontrickbetrüger, die sich als andere Personen ausgeben, um an Informationen zu gelangen. Immer wieder mit großem Erfolg.

Wie mühelos einfach die Kiddies selbst die Security eines Milliardenunternehmens aushebeln, jede Überwachungskamera anzapfen, sich mal eben den Zugriff auf alles Mögliche freischalten - all das kostet Lifehack schließlich im letzten Viertel leider viel von der vorher aufgebauten Glaubwürdigkeit.

Selbst dann noch gut, wenn das Drehbuch schwächelt

Vor allem wundert, mit welch unrealistischer Geschwindigkeit die Teenager selbst unerwartete Probleme unter großem Druck immerzu lösen, während sie bloß viel, laut und wirr durcheinanderrufen.

Dass wir die Charaktere auch dann noch liebenswert finden, ihnen die Daumen drücken und es sogar immer wieder richtig spannend wird, weil wir um sie fürchten, liegt an den hervorragenden Performances der Darsteller. Sie lassen das jugendliche Quartett selbst dann komplett echt erscheinen, wenn das Drehbuch schwächelt, und schlussendlich ein wenig bekloppt ausartet.

Ohnehin hätten wir es vorgezogen, auf das große Finale zu verzichten, denn das Hauptquartier von Milliardär Don Heard kann Lifehacks Produktion mit dem wahrscheinlich vergleichsweise kleinen Budget nicht überzeugend abbilden.

Einen großen Heist hätte es nicht gebraucht

Es wäre schöner gewesen, hätte der Regisseur, der das Screenlife-Prinzip so konsequent einzusetzen weiß, mit den fantastischen Schauspielern nur eine intensive Charakterstudie über Online-Freundschaften zwischen Teenagern gedreht und dabei noch mehr herausgeholt. Sonst warnen Filme ja eher vor Nachteilen und Schattenseiten des virtuellen Miteinanders und vor zu viel Zeit vor Bildschirmen.

Bis zu einem gewissen Grad leistet Lifehack jedoch jetzt schon eine angenehm positive Perspektive auf das Thema. Dafür lieben wir den Film. Was den Heist und das Hacking angeht, müssen wir als pingelige Erwachsene sicherlich die Augen zudrücken, dann ist auch das als einfache Unterhaltung schon ok. Besonders für Teenager, die direkte Zielgruppe sind, können wir Lifehack rundum sehr empfehlen.

Lifehack ist am 10. September 2026 in deutschen Kinos gestartet.


Relevante Themen