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Aus einer Zeit vor Vibe Coding

Dass wir die Gruppe nur als Bildschirmansicht erleben, entspricht exakt der Erfahrung unserer Filmfiguren miteinander. Es ist ihre Realität, die für sie selbst nichts Besonderes ist. Andere Filme des Genres können eine solche Ausgangslage oft nur schwierig für ihre Charaktere herstellen, ohne dass es erzwungen wirkt.

Insbesondere die Coronapandemie hat Regisseur und Co-Autor Ronan Corrigan in Interviews(öffnet im neuen Fenster) als Inspiration für seinen Film genannt. Entsprechend verabreden sich seine Charaktere nicht bloß zum Shooter spielen und gemeinsamem Youtube-Schauen. Oft scrollt jeder für sich wahllos durch Social-Media-Feeds oder Websites, macht irgendwas daheim im Zimmer, während beiläufig noch per Webcam über Privates geplaudert und das ein oder andere Meme verschickt wird. Nur selten ist jemand auf dem Server allein online.

Ein Time-Machine-Schnelldurchlauf durch Videos und andere Dateiverläufe zu Beginn veranschaulicht wunderbar, wie die Gruppe in jungen Jahren zusammengewachsen ist – stets im Kontext des immer präsenten Internet und von Computertechnik, die wir ebenfalls im Wandel der dort abgebildeten Zeit beobachten.

Die Handlung setzt im Jahr 2018 ein, kurz bevor KI Thema wurde. Das lässt den Film zwar bereits zum Kinostart nicht mehr aktuell wirken, verleiht ihm andererseits aber einen Hauch von Nostalgie für eine nicht lange zurückliegende Zeit ohne Vibe Coding mit Claude oder schnelle Antworten via ChatGPT und Gemini.

Meistens sehen wir in Lifehack den Desktop des Protagonisten und Strippenziehers Kyle (Georgie Farmer), mit dessen drei Mitstreitern Alex (Yasmin Finney), Sid (Roman Hayeck-Green) und Petey (James Scholz) in kleinen Fenstern ihres täglichen Videocalls. Ein Hobby der Gruppe ist Scambaiting, nach Vorbild von Pierogi(öffnet im neuen Fenster), Kitboga(öffnet im neuen Fenster) und Jim Browning(öffnet im neuen Fenster).

In der Anfangsszene sehen wir, nach typischer Vorgehensweise, wie sich die Teenager absichtlich in einen Betrugsanruf verwickeln, während sie das verantwortliche Callcenter in Indien unbemerkt hacken und schließlich von einer Polizeieinheit stürmen lassen.

Adrenalin, Macht und Fun

So etwas zeigt Lifehack stimmig so, wie es die Vorbilder auf Youtube machen. Im Film passiert das allerdings mit ungewöhnlich hohem Tempo. Im Grunde geht es den Scambaitern selten um schnellen Zugriff, sondern ums lange Hinauszögern des Telefonats, um den Betrügern neben Dateien und Geld auch Zeit zu klauen.

Das sind Feinheiten, die unsere jungen Protagonisten wahrscheinlich nicht im Blick haben, denn für sie geht es mehr um den Adrenalinrausch, das Machtgefühl und den reinen Fun-Faktor. Sie hacken Betrüger zunächst aus purer Langeweile. Plötzlich reicht das nicht mehr.


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