Lieferkettenrisiko: Anthropic klagt gegen Einstufung durch das Pentagon
Der US-amerikanische KI-Entwickler Anthropic zieht im Streit mit dem US-Verteidigungsministerium vor Gericht. Die Einstufung als Lieferkettenrisiko durch das Pentagon sei nicht haltbar, schrieb Firmenchef Dario Amodei in einem Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster). Daher sehe sich Anthropic gezwungen, die Entscheidung "gerichtlich anzufechten".
Hintergrund der Einstufung ist Anthropics Weigerung, den US-Behörden uneingeschränkten Zugang zu seinen KI-Modellen zu gewähren. Knackpunkte in den gescheiterten Verhandlungen waren der Einsatz der Anthropic-Systeme zur Massenüberwachung von US-Bürgern sowie die Frage, inwieweit KI-basierte Waffensysteme autonome Entscheidungen zur Tötung von Menschen treffen können.
Aus diesem Grund stufte das Pentagon das KI-Unternehmen am 4. März 2026 als Lieferkettenrisiko ein. Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth gedroht(öffnet im neuen Fenster): "Mit sofortiger Wirkung darf kein Auftragnehmer, Lieferant oder Partner, der mit dem US-Militär Geschäfte macht, kommerzielle Aktivitäten mit Anthropic durchführen." Das würde bedeuten, dass der US-Konzern Amazon beispielsweise nicht mehr seine Server für Anthropic bereitstellen dürfte.
Pentagon nutzt weiterhin Anthropic
Doch diese Interpretation weist Anthropic entschieden zurück. Das soll auch aus dem offiziellen Schreiben des Pentagon hervorgehen. Die Formulierungen deckten sich mit einer früheren Einschätzung von Anthropic, wonach "die überwiegende Mehrheit unserer Kunden von einer solchen Einstufung nicht betroffen ist". Die Einstufung beziehe sich nur "auf die Nutzung von Claude durch Kunden im Rahmen von Verträgen mit dem US-Kriegsministerium, nicht auf die gesamte Nutzung von Claude durch Kunden mit solchen Verträgen".
Der US-Softwarekonzern Microsoft gelangte inzwischen ebenfalls zu der Einschätzung, dass die KI-Modelle von Anthropic ein Teil von Microsofts KI-Angebot bleiben dürfen.
Entschuldigung bei OpenAI
Amodei will trotz der Klage sicherstellen, dass die KI-Modelle weiterhin von Soldaten und nationalen Sicherheitsexperten "inmitten größerer Kampfeinsätze nicht von wichtigen Instrumenten abgeschnitten werden". Damit bezieht sich Amodei auf den Angriff der USA auf den Iran. Paradoxerweise will das Pentagon selbst die Tools von Anthropic in den kommenden Monaten weiterhin nutzen.
Im selben Beitrag bat Amodei um Entschuldigung, weil er in einem internen Memo(öffnet im neuen Fenster) den Konkurrenten OpenAI der Lüge bezichtigt hatte. Darin ging es vor allem um die Frage, inwieweit sich die Vereinbarungen zwischen OpenAI und dem Pentagon von denjenigen unterschieden, die Anthropic angeboten worden waren.
Klage am 9. März 2026 eingereicht
Amodei schrieb unter anderem: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die von OpenAI verfolgten Ansätze größtenteils nicht funktionieren: Der Hauptgrund, warum OpenAI sie akzeptierte und wir sie ablehnten, liegt darin, dass es ihnen um die Beschwichtigung ihrer Mitarbeiter ging, während wir uns auf die Verhinderung von Missbrauch konzentrierten."
Zur Entschuldigung brachte Amodei nun hervor, dass es ein "schwieriger Tag" gewesen sei. "Der betreffende Beitrag wurde nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Präsidenten-Posts auf Truth Social verfasst, in dem er die Entfernung von Anthropic aus allen Bundessystemen ankündigte, sowie nach der Veröffentlichung des Kriegsministers-Posts zur Einstufung der Lieferkette als Risiko und der Bekanntgabe eines Abkommens zwischen dem Pentagon und OpenAI, das selbst OpenAI später als verwirrend bezeichnete."
Abschließend betonte Amodei, dass es zwischen Anthropic und dem Pentagon viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gebe. "Wir beide setzen uns für die Stärkung der nationalen Sicherheit der USA und den Schutz der amerikanischen Bevölkerung ein und sind uns der Dringlichkeit des Einsatzes von KI in der gesamten Regierung bewusst", schrieb er.
Nachtrag vom 9. März 2026, 19:10 Uhr
Anthropic reichte die Klage am 9. März 2026 ein. Dem 45-seitigen Dokument zufolge(öffnet im neuen Fenster) ist das Vorgehen der US-Regierung "ebenso rechtswidrig wie beispiellos". Die Maßnahmen Hegseths seien willkürlich, launenhaft und stellten einen Ermessensmissbrauch sowie eine "Vergeltungsmaßnahme" gegen Anthropic für dessen Äußerungen und andere geschützte Aktivitäten dar.
Die Verfassung räume Anthropic das Recht ein, "seine Ansichten – sowohl öffentlich als auch gegenüber der Regierung – zu den Grenzen seiner KI-Dienste und wichtigen Fragen der KI-Sicherheit zu äußern", heißt es weiter. Zudem habe US-Präsident Donald Trump seine Kompetenz überschritten, in dem er auf Truth Social die US-Behörden angewiesen habe, die Zusammenarbeit mit Anthropic einzustellen.
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