Lieferando, Foodpanda: Lieferdienst-Boom hält trotz offener Restaurants an

Restaurants haben wieder geöffnet und sind gut besucht, trotzdem hält der Bestellboom auf Plattformen wie Lieferando oder Wolt an.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Ein Lieferando-Kurier
Ein Lieferando-Kurier (Bild: Michele Tantussi via Getty Images)

Die Restaurants und Kneipen sind seit Monaten wieder gut besucht - doch ein Ende des Bestellbooms bei Lieferdiensten ist nicht in Sicht. "Der Trend zu Onlinebestellungen hält an, auch nach Wiedereröffnung der Gastronomie", teilte etwa der Marktführer Lieferando auf Anfrage mit. Demnach hätten Konsumenten im Sommer zwischen Juli und September rund zehn Millionen zusätzliche Bestellungen über die Plattform aufgegeben. "Das entspricht einem Wachstum von 35 Prozent gegenüber dem Corona-Sommer 2020 und einer Verdoppelung der Bestellungen gegenüber dem Vorkrisen-Niveau im dritten Quartal 2019", hieß es.

Auch der Wettbewerber Wolt geht von einer weiterhin hohen Nachfrage aus. In vielen anderen Ländern habe das Unternehmen im vergangenen Jahr beobachtet, dass die Menschen auch nach Öffnung der Gastronomie online bestellten. "Wir rechnen deshalb mit keinem nennenswerten Rückgang von Bestellungen", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Die Dienste waren vor allem während der wiederholten Lockdowns schnell gewachsen. Über Monate hinweg mussten Gastronomen ihre Innenräume schließen und durften nur für den Außer-Haus-Verzehr verkaufen. Viele nutzten deshalb Plattformen wie die zum niederländischen Just-Eat-Takeaway-Konzern gehörende Marke Lieferando, um möglichst viele Kunden zu erreichen.

Herbst und Sommer waren auch im Gastgewerbe ein Erfolg

Inzwischen hat sich die Lage für die Branche wieder etwas gebessert. "Dank der Corona-Lockerungen und der starken touristischen Nachfrage waren der Sommer und der Herbst bislang für viele Betriebe im Gastgewerbe ein Erfolg", teilte der Hotel und Gaststättenverband Dehoga auf Anfrage mit. "In Hotels und Restaurants mit überwiegend touristischer und privater Nachfrage liegen die Umsätze in Teilen sogar höher als im Vorkrisenjahr 2019."

Doch offenbar bestellen viele Verbraucher weiterhin gerne online. "Die Erwartung, dass nach dem Ende des Lockdowns alle wieder ins Restaurant strömen und niemand mehr bestellt, hat sich anscheinend nicht zu 100 Prozent bewahrheitet", sagte Christoph Schink, Referatsleiter Gastgewerbe bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). "Wir stellen fest, dass immer noch Fahrer und Fahrerinnen gesucht werden und dass das Bestellaufkommen immer noch hoch ist."

Längere Zeit war Lieferando in Deutschland nahezu der einzige Anbieter für Restaurantlieferungen. Inzwischen ist der Markt für Lieferungen von Fertiggerichten umkämpfter. Neben Wolt ist auch der Berliner Konzern Delivery Hero unter seiner Marke Foodpanda wieder auf dem hiesigen Markt unterwegs. Dieser hatte erst 2019 sein gesamtes Deutschlandgeschäft verkauft.

Datenschutzprobleme und Datenlecks bei Lieferdiensten

Delivery Hero bietet sowohl Restaurant- als auch Lebensmittellieferungen des täglichen Bedarfs an. In diesem Marktsegment ist Lieferando bislang nicht tätig. Dort tummeln sich jedoch bereits Wettbewerber wie Gorillas, Flink oder Getir. Auch Wolt plant eine Erweiterung des Angebots über zubereitete Gerichte hinaus: "Zeitnah soll Wolt auch in Deutschland die 'App für alles' werden", hieß es.

Anfang des Jahres hatten sowohl Gorillas als auch Flink mit Datenlecks zu kämpfen. Die Forschergruppe Zerforschung fand bei beiden Anbietern gravierende Schwachstellen, mit denen sich die persönlichen Daten der Betroffenen sowie deren Bestellungen von Dritten abfragen ließen. Die Probleme wurden mittlerweile behoben.

"Wir finden: Wer mit personenbezogenen Daten arbeitet, muss diese ausreichend sichern. Startups können dabei keinen Welpenschutz für sich reklamieren. Wenn das Produkt marktreif genug ist, um Kundendaten zu speichern, muss es auch reif genug sein, diese für sich zu behalten", erklärte Zerforschung beim Aufdecken das Datenlecks bei Flink.

Im vergangenen Jahr wurde zudem ein Datenleck bei Foodora bekannt, von dem 727.000 Kunden betroffen sind. Deren persönliche Daten wurden im Internet zum Download angeboten. Zuvor hatte die Berliner Datenschutzbeauftragte ein Bußgeld von 195.000 Euro für die Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de des Lieferdienstes Delivery Hero erlassen.

Demnach wurden die Konten von ehemaligen Kunden nicht gelöscht, obwohl die Betroffenen seit Jahren nicht mehr auf der Plattform aktiv waren. Trotz Widerspruch hatte das Unternehmen zudem Kundendaten für Werbezwecke genutzt. Die Datenschutzverstöße wurden noch vor der Übernahme der Delivery-Hero-Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de durch das niederländische Unternehmen Takeaway begangen, welches das Bußgeld akzeptierte.

Verbände haben gemischte Gefühle

NGG und Dehoga schauen mit gemischten Gefühlen auf diese Entwicklung. Die Gewerkschaft betont ihre Erfolge bei Lieferando, wo es inzwischen einen Betriebsrat gibt und das Unternehmen im August angekündigt habe, sämtliche Verträge zu entfristen. Doch die NGG kritisiert weiterhin ein Bonussystem, wonach Fahrerinnen und Fahrer nach einer gewissen Anzahl von Lieferungen im Monat mehr Geld bekämen.

Den Verband Dehoga wiederum stört vor allem die Provision für die teilnehmenden Restaurants und er warnt vor wirtschaftlichen Abhängigkeiten. "Die großen Online-Plattformen greifen jede Menge Wertschöpfung ab. Es sind die Restaurants, die das Produkt besitzen und die die wirtschaftliche Verantwortung für ihren Betrieb und ihre Mitarbeiter tragen - und eben nicht die Portale."

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Kakiss 08. Nov 2021

Manches Verhalten von Leuten ist auch echt bizarr. Ein Kumpel bei dem ich öfter war hat...

icepear 07. Nov 2021

Naja auch unter den Läden die vorher schon geliefert haben, haben nach meinem Eindruck...

R.S. 07. Nov 2021

Mir gehts ja primär um Gastronomen die Lieferando im Einsatz haben. Irgendwo hat man ja...

grumbazor 07. Nov 2021

Bestell ich kaum noch, es ist einfach viel zu teuer geworden. Viele Läden packen auch...



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