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Die Bilder leben

Ziel der Lichtfeldfotografie sei, "die Tiefe der Welt" abzubilden, erklärte uns Ng auf der Kölner Fotomesse. Diese Aufnahmetechnik verlangt eine besondere Bildkomposition. Nicht unbedingt eine komplett Neue: Auch ein herkömmliches 2D-Foto gewinnt, wenn ein Objekt im Vordergrund und ein anderes im Hintergrund zu sehen sind. Eine solche Anordnung mit Vorder- und Hintergrund erzeugt Spannung. Sie ist das Geheimnis der Lichtfeldfotografie: Da die Kamera eine Festblende von f/2 hat, ist nur eines der beiden Objekte scharf: das vorne oder das im Hintergrund. Landschaftstotalen hingegen sind nicht die Stärke der Kamera.

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Bei der Komposition eines Bildes hilft der Tiefenassistent. Das ist eine Funktion, die Lytro für die Illum neu entwickelt hat. Sie zeigt den Refokus-Bereich an. Das ist der Bereich, in dem Objekte scharf abgebildet werden und die später scharf gestellt - refokussiert - werden können. Der Refokus-Bereich ist vom optischen System abhängig. Hier kommt auch die Hyperfokaltaste ins Spiel: Sie ermöglicht, den größten Refokus-Bereich einzustellen.

Ein Assistent für Tiefenschärfe hilft ...

Aktiviert wird der Tiefenassistent über die Lytro-Taste. Dann bekommen die Objekte im Livebild einen Rahmen: Einige leuchten in Rot-, die anderen in Blautönen. Die Farbtöne zeigen an, wo sich ein Objekt im Bild befindet. Die Blautöne stehen für Objekte im Vorder-, die roten für solche im Hintergrund.

Rechts neben dem Livebild wird ein Tiefenhistogramm eingeblendet. Es zeigt die Verteilung der refokussierbaren Bereiche im Bildvorder- und -hintergrund. Wie ein Farb- oder ein Helligkeitshistogramm muss der Fotograf auch dieses zu lesen wissen: Die Ausschläge zeigen an, ob es Objekte in dem jeweiligen Bereich gibt. Je breiter die Wellen, desto besser. Erscheinen Wellen außerhalb des roten oder blauen Bereichs, heißt das, in diesem Bildausschnitt gibt es Objekte, die nicht refokussiert werden können. Sie sind zu weit entfernt oder zu nah.

... aber es geht auch ohne

Die Funktion ist praktisch. Allerdings lassen sich auch ohne den Tiefenassistenten gute Bilder machen. Wichtig ist, sich bei der Komposition eines Fotos die Schärfenverteilung vorzustellen. Und natürlich Übung - wie immer beim Fotografieren.

Damit die Illum trotz der großen Blende auch bei hellem Licht eingesetzt werden kann, muss bei sehr hellem Licht eine kurze Belichtungszeit eingestellt werden. Die Kürzeste ist 1/4.000 Sekunde - das entspricht eher einer Einsteiger-DSLR. Die erwähnte Canon EOS 7D hat als kürzeste Belichtungszeit 1/8.000 Sekunde. Ist diese Belichtungszeit noch zu lang, kann der Fotograf einen Graufilter auf das Objektiv schrauben. Ein solcher Filter gehört zum Lieferumfang.

Der Betrachter interagiert mit den Bildern

Living Picture, lebendige Bilder, nennt Lytro die Fotos, die mit einer Lichtfeldkamera aufgenommen werden. Lebendig deshalb, weil der Betrachter sie nicht einfach nur anschaut. Er kann mit ihnen interagieren: Er kann beispielsweise mit einem Mausklick selbst den Schärfepunkt setzen. Die Software berechnet den Lichteinfall, also die Bahn, die ein Lichtstrahl genommen hätte, wenn er auf diesen Punkt fokussiert gewesen wäre. Die anderen Lichtstrahlen werden entsprechend projiziert, und es entsteht ein Bild. Klickt der Betrachter auf eine andere Stelle, wird das Bild neu gerendert. Das Verfahren, Raytracing genannt, wird auch in der Computerspiele- und Filmindustrie für Computereffekte eingesetzt.

Living Pictures aufzunehmen, heißt aber nicht allein, die Schärfe im Nachhinein verändern zu können. Ng will Lichtfeldfotografie explizit nicht so verstanden wissen, dass der Fotograf einfach auf den Auslöser drückt und anschließend am Computer aus jeder noch so falsch fokussierten Aufnahme noch etwas herausholen kann. Denn Lichtfeldfotografie bietet mehr: einen räumlichen Eindruck der abgebildeten Situation.

Bilder für den Bildschirm ...

Gedacht sind die Living Pictures für die Betrachtung auf einem Bildschirm. Zwar lässt sich ein solches Bild auch im .jpg-Format exportieren, dann hat es aber nur eine Auflösung von 4 Megapixeln. In der Interaktion liegt die Stärke des Konzepts: Der Betrachter kann mit der Maus den Fokus neu setzen oder die Blende und damit die Tiefenschärfe verändern. Er kann zoomen und sogar - indem er in das Bild klickt und mit gedrückter Maustate den Zeiger bewegt - die Perspektive verändern.

Wird der Zeiger länger durch das Bild bewegt, bekommt der Betrachter einen Eindruck von Dreidimensionalität. Möglich wird das, weil die Kamera auch die Richtung der Lichtstrahlen erfasst und dadurch die Perspektive variieren kann. Entsprechend lässt sich ein Living Picture auch als 3D-Bild exportieren.

... und das iPad

Besonders gut machen sich die Living Pictures auf einem iPad: Der Betrachter kann auch hier durch Tippen neu fokussieren. Er kann mit einer kreisförmigen Bewegung die Blende und damit die Tiefenschärfe verändern: Wird die Blende geschlossen, bekommt das Bild mehr Tiefenschärfe, es werden also größere Bereiche des Bildes scharf.

Auch die Perspektivänderung ist auf dem Tablet möglich. Die App nutzt dabei die Sensoren des Tablets: Der Betrachter bewegt das Tablet, und das Bild verändert die Perspektive entsprechend, was einen räumlichen Eindruck vermittelt.

Bevor die Living Pictures betrachtet werden können, müssen sie erst von der Kamera auf den Rechner übertragen und bearbeitet werden. Die aufgenommenen Bilder sind nämlich RAW-Dateien.

 Lichtfeldkamera Lytro Illum: Das Spiel mit der TiefenschärfeEine Software für die Bildbearbeitung 
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violator 18. Nov 2014

Aber nur bei Kameras mit sehr großem Sensor, alles bei Smartphones und Digicams ist oft...

tibrob 18. Nov 2014

Schau mal rüber zu Focus und Bild - DAS ist abgelesen, bei Golem ist's noch völlig ok.

theFiend 18. Nov 2014

Lach, Kunst kommt auch von Können... und bis die Lichtfeldtechnik mal wirklich auch für...

wp (Golem.de) 18. Nov 2014

Jetzt sind welche drin. Wir hatten technische Schwierigkeiten beim Einbinden. Es kann...

Floh 18. Nov 2014

So wie ich das verstehe kann man eben nicht das komplette Bild scharf abbilden. Du hast...


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