Libreoffice: "Wir wollen Nutzer in die ODF-Welt ziehen"

Dass der Suse-Angestellte und Libreoffice-Entwickler Michael Meeks von der Office-Suite überzeugt ist, wird im Gespräch mit Golem.de schnell deutlich. Er möchte viel lieber über die Stiftung, The Document Foundation(öffnet im neuen Fenster) , oder die "Millionen von Nutzern" sprechen statt über Apache Openoffice.

Open- oder Libreoffice?
Spätestens seit der Veröffentlichung von Apache Openoffice 3.4 ist endgültig klar, dass Libreoffice und Openoffice nebeneinander entwickelt werden. Openoffice-Entwickler Rob Weir sieht dies in einem Interview mit Unixmen(öffnet im neuen Fenster) als Chance für Nutzer, die dadurch eine Wahlfreiheit bekommen.
Meeks hingegen sieht vor allem in der Trennung der Communitys eher einen Nachteil. Denn würde das Argument von Weir iterativ angewendet, "endet jeder Einzelne in seiner eigenen Community" , so Meeks.
Zwar bestätigt Meeks, dass einige wenige Entwickler zu beiden Office-Suiten beitragen, er bestärkt diese jedoch, an Libreoffice zu arbeiten. Zudem sei es wichtig, dass "jeder, der mit dem Quellcode arbeitet, auch mit allen anderen zusammenarbeitet" , findet Meeks.
Funktionsabstand
Aus Sicht eines Entwicklers sind die technischen Unterschiede beider Office-Suiten schwer zu benennen, sagte Meeks. Libreoffice sei jedoch durch das Aufräumen des Codes "einfacher und schneller zu kompilieren" .
Aus Nutzersicht gebe es "einen großen Abstand bei der Funktionalität" . Libreoffice unternehme sehr viel, um die Anwender "weg von den schrecklichen, binären und proprietären Formaten zu bekommen" , so Meeks. Dazu schrieb die Entwickler-Community eine Vielzahl von Importfiltern.
Lizenzunterschiede
Der wohl größte Unterschied zwischen den beiden Programmsammlungen sind die Lizenzen. Einerseits die freizügige Apache-Lizenz für Openoffice und andererseits steht Libreoffice unter der LGPL, welche dem Prinzip des Copyleft unterliegt. Dadurch ist es möglich, Openoffice-Code in Libreoffice zu integrieren und unter der LGPL zu relizenzieren.
Dies geschah laut Meeks auch mit "etwa 95 Prozent des Codes aus Openoffice.org-Zeiten" . Code-Austausch in die entgegengesetzte Richtung ist jedoch kaum möglich, da die Apache Software Foundation ihren Statuten entsprechend(öffnet im neuen Fenster) nur bedingt Copyleft-Code billigt. Die LGPL wird grundsätzlich ausgeschlossen, Code unter der MPL, welchen auch Libreoffice anbietet(öffnet im neuen Fenster) , darf nur binär verwendet werden.
Pläne für Libreoffice-Online
Auf dem letztjährigen Desktop Summit in Berlin stellte Michael Meeks erstmals eine Version von Libreoffice vor, die mittels Browser nutzbar ist. Mit dem aktuellen Libreoffice 3.5 und einem aktuellen GTK+3 können interessierte Anwender dies sogar selbst ausprobieren. Eine Anleitung zum Kompilieren(öffnet im neuen Fenster) findet sich im Wiki des Projektes.
Meeks zufolge ist die Software aber noch weit von einem Produktiveinsatz entfernt. Auch könne er nicht verraten, ob es öffentliche Hosting-Provider geben werde, die Libreoffice-Online anbieten. Einige Firmen seien wohl aber daran interessiert.
Die Onlinefunktion sei auch vielmehr für Firmen gedacht, deren Angestellte nur selten eine Office-Suite benötigen und eine Installation auf allen Rechner entsprechend wenig sinnvoll ist. In einem Vortrag auf dem Linuxtag sprach Meeks auch an, dass in ersten Versuchen ein Libreoffice-Server bis zu 200 Clients bedienen könne.
Technik von Libreoffice-Online
Um Libreoffice in den Browser zu bringen, wird das GDK-Backend Broadway(öffnet im neuen Fenster) verwendet. Broadway selbst ist ein minimaler HTTP-Server und in C implementiert. Dieser sendet die Änderungen des Fensterinhalts einer Anwendung als PNG-Bild komprimiert an den Webbrowser, in dem das Fenster mittels Javascript im HTML-Canvas neu gerendert wird.
Zur Kommunikation zwischen Client und Server dienen dabei Websockets(öffnet im neuen Fenster) . Künftig möchte Meeks gemeinsam mit seinen Mitstreitern mehr Funktionen der Benutzeroberfläche in den Client integrieren. Dazu soll Javascript verwendet werden.
Die aktuelle Version Libreoffice 3.5.3 steht für Windows, Mac OS X und Linux zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit. Im August 2012 soll Libreoffice 3.6 folgen.



