Liberty Networks: Erster neuer Glasfaserbetreiber in Deutschland gibt auf

Der US-Konzern Liberty Global stellt seinen begonnenen Glasfaserausbau in Deutschland wieder ein. Das berichtete die Nürtinger Zeitung unter Berufung auf eine Mitarbeiterin der Firma(öffnet im neuen Fenster) . Liberty Networks Germany war mit der Marke Hello Fiber erst Ende September 2021 an den Start gegangen.
Die Beschäftigten hätten ihre Kündigungen zwei Tage vor Weihnachten erhalten, meldete Broadband TV News(öffnet im neuen Fenster) aus mit der Angelegenheit vertrauten Quellen. Der Insolvenzverwalter habe dem Unternehmen bereits einen Besuch abgestattet.
Anfragen von Golem.de an Liberty Networks Germany und den Mutterkonzern wurden in der Nacht bislang nicht beantwortet. Liberty Global war bis zum Verkauf an Vodafone der Besitzer des Kabelnetzbetreibers Unitymedia in Deutschland.
Laut Unternehmensangaben sollte im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg in Grafenberg, Beuren, Frickenhausen, Großbettlingen und Kohlberg für die Haushalte Fiber To The Home (FTTH) ausgebaut werden. Bis zum Jahr 2024 wollte man dort mehr als 15.300 Haushalte versorgen.
Vor etwa einer Woche sagten Vertreter von Liberty Networks Germany laut Nürtinger Zeitung im Frickenhäuser Gemeinderat, im Sommer 2023 sollten die ersten Kunden FTTH bekommen. Im Mai 2022 betonte Liberty Networks demnach, dass das Unternehmen den Ausbau nicht von der Vermarktung abhängig mache. Auch bei wenig Interesse solle das Netz ausgebaut werden. Die Bürgermeister wollten nun in einem Krisentreffen das weitere Vorgehen besprechen, erfuhr die Nürtinger Zeitung.
Neben Esslingen sollten Glasfasernetze in Feldafing und Tutzing im oberbayerischen Landkreis Starnberg und im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis in Althütte, Berglen und Rudersberg errichtet werden.
Liberty: Viele Ausbauprojekte sind gescheitert
Andere Projekte waren gescheitert, etwa der angekündigte Ausbau im brandenburgischen Petershagen/Eggersdorf für 7.000 Haushalte mit FTTH. Mit DNS:Net setzte sich ein anderer Anbieter durch. Auch in den Gemeinden Burkhardtsdorf und Thalheim im sächsischen Erzgebirgskreis schaffte Liberty Networks Germany es nicht, genügend Kunden zu gewinnen. Grundlage für den Ausbau war dort immer eine Vorvermarktungsquote in Höhe von 35 Prozent.
Der Investmentbereich Liberty Global Ventures hatte mit der französischen Infravia Capital Partners das Gemeinschaftsunternehmen Liberty Networks Germany gegründet . Angaben zum Investitionsvolumen des 50:50-Joint-Venture-Unternehmens wurden nicht gemacht. Infravia Capital Partners sprach im Dezember 2022(öffnet im neuen Fenster) von Transaktionen mit einem Volumen "von jeweils Hunderten Millionen Euro in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Irland" für den FTTH-Ausbau. Laut Handelsregister hat Liberty Networks Germany seinen Sitz in Frankfurt am Main.
Nachtrag vom 5. Januar 2023, 12:14 Uhr
Der Chef von Liberty Networks Germany, Christian Böing, bestätigte Broadband TV News,(öffnet im neuen Fenster) dass das Unternehmen Insolvenz angemeldet hat und ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde. Gründe seien "veränderte gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen" wie Inflation, Zinsniveau und Zugang zu Fremdkapital. Weitere Gründe seien die steigenden Kosten für den Glasfaserausbau bei knapper Baukapazität und die zunehmende Herausforderung, geeignete Gemeinden als Partner zu gewinnen.



