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LGPL: Unity schmeißt VLC-Integration raus

Seit einem Jahrzehnt sieht die VLC -Community immer wieder Probleme mit Appstores. Nun wirft das VLC-Team den Unity-Entwicklern eine "Doppelmoral" vor.
/ Sebastian Grüner
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Das VLC-Logo ist ein Verkehrsleitkegel. (Bild: Pixabay)
Das VLC-Logo ist ein Verkehrsleitkegel. Bild: Pixabay

Die VLC-Integration für die Unity-Engine ist durch den Hersteller der Engine aus dem dazugehörigen Asset Store entfernt worden und die Entwickler des freien VLC-Players sind künftig nicht mehr als Beteiligte für das Unity-Erweiterungssystem willkommen. Das schreibt der für die .NET- und C#-Anbindungen von VLC zuständige Entwickler Martin Finkel in seinem Blog(öffnet im neuen Fenster) . Der Grund für die Auseinandersetzung mit Unity ist demnach die Copyleft-Lizenzierung des VLC-Codes.

Über den sogenannten Unity-Asset-Store können unabhängige Drittanbieter eigene Projekte und Zusätze für die Game-Engine vertreiben, so dass etwa Spielentwickler diese in ihren Spielen leicht nutzen können. Laut dem Blogeintrag vertreibt das VLC-Team seit Dezember 2019 ein entsprechendes Plugin, das es ermöglicht, einen auf VLC-Code basierenden Multimedia-Player in Unity-Projekten zu verwenden. Im Sommer 2023 hat das Unity-Team den VLC-Entwicklern jedoch erstmals verboten, ihre Integration weiter über den Asset Store zu vertreiben.

Begründet wird dies von dem Unity-Team mit Verweis auf die eigenen Nutzungsbedingungen, die den Vertrieb von Inhalten verbieten, die GPL- oder LGPL-Code verwenden. Finkel schreibt dazu: "Nach Monaten des langsamen Hin und Her per E-Mail, bei dem versucht wurde, einen Kompromiss zu finden, einschließlich des Angebots, LGPL-Code aus den Assets auszuschließen, teilte uns Unity im Grunde mit, dass wir nie wieder in ihrem Store willkommen seien. Selbst wenn wir den gesamten LGPL-Code aus dem Unity-Paket entfernen würden."

Weiter wirft Finkel dem Team von Unity eine "Doppelmoral" vor, da über den Asset Store offenbar unbeanstandet weiterhin andere Plugins vertrieben würden, die LGPL-Abhängigkeiten aufweisen. Darüber hinaus nutzten sowohl der Unity-Editor als auch die Laufzeitumgebung zahlreiche LGPL-Projekte. Finkel stellt deshalb die Frage: "Unity kann also LGPL-Open-Source-Bibliotheken nutzen und davon profitieren, mit Unity erstellte Spiele sind standardmäßig auf LGPL-Code angewiesen (Hallo Glibc!), aber Publisher und Unity-Benutzer dürfen dies nicht über den Unity Store tun?"

Probleme mit Appstore-Ökosystemen

Vor mehr als einem Jahrzehnt hat das VLC-Projekt seine Lizenz für die wichtigsten Code-Bestandteile geändert und ist dazu von der GPLv2 auf die LGPLv2.1 gewechselt. Das ermöglicht prinzipiell, dass der Code auch in proprietären Anwendungen genutzt werden kann. Viel wichtiger ist dem Team aber gewesen, dafür zu sorgen, den Code auch in Appstores vertreiben zu können. Denn kurz zuvor war der VLC-Player aus dem App Store entfernt worden. Die grundlegenden Probleme mit den Appstores hat das aber auch nicht gelöst, wie ein Vortrag des VLC-Chefentwicklers Jean-Baptiste Kempf nur einige Jahre später zeigt, in dem er sagte: "Appstores machen Kopfschmerzen."

Das konkrete Problem für die Unity-Integration löst das VLC-Team nun damit, dass der Code dafür über einen eigens erstellten Assets-Store(öffnet im neuen Fenster) selbst vertrieben wird. Diesen betreibt das von VLC-Mitgliedern gegründete und geführte Beratungsunternehmen Videolabs.


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