LG Rolly Keyboard im Hands on: Gut gedacht, aber nicht ganz so gut gemacht

Zwei schwer zu erfüllenden Anforderungen muss eine mobile Tastatur genügen: Sie muss beim Transport möglichst wenig Platz einnehmen und trotzdem einer herkömmlichen Tastatur möglichst ähnlich sein, damit ohne viel Eingewöhnungszeit darauf getippt werden kann. Beides will LG mit seiner faltbaren Bluetooth-Tastatur Rolly Keyboard erreicht haben, die wir uns auf der Ifa mit einer englischsprachigen Tastenbelegung angesehen haben.

Die Tastatur besteht aus vier Tastenreihen, die für den Transport der Länge nach um einen viereckigen Kern gefaltet werden, so dass die Tastatur die Form eines Stabes bekommt. Dadurch nimmt sie ausgesprochen wenig Platz ein und passt gut in eine Handtasche, einen Rucksack oder einen Aktenkoffer.
Eingerollt platzsparend, ausgerollt praktisch
Im geschlossenen Zustand macht die Tastatur einen soliden Eindruck, so dass sie sich unterwegs nicht ohne weiteres öffnen sollte. Wird sie ausgerollt, schaltet sie sich sofort ein und verbindet sich per Bluetooth mit dem Gerät, mit dem sie gekoppelt wurde. Die Tastatur kann mit zwei Geräten gekoppelt werden, so dass ein unkomplizierter Wechsel zwischen den Geräten möglich ist.







Ist die Tastatur ausgerollt, kann im hinteren Bereich ein Standmechanismus ausgeklappt werden. In diesen kann ein Tablet oder ein entsprechend großes Smartphone hineingestellt werden, damit der Nutzer beim Schreiben bequem auf das Display schauen kann. Das ist immer nur im Querformat möglich, weil ein Smartphone im Hochformat zu schmal für den Standmechanismus ist und ein Tablet dann zu schwer wird, so dass die gesamte Konstruktion nach hinten kippt.
Zum Schreiben verlangt die Tastatur aufgrund des Falt- und Standmechanismus nach einem stabilen Untergrund. Tippen auf dem Schoß funktioniert mit dem Rolly Keyboard nicht ohne weiteres. Aber wie tippt es sich überhaupt?
Eingewöhnungszeit ist zu lang
Unter den vier Tastenreihen des Rolly Keyboards ist keine separate Zahlenreihe. Zum Schreiben von Zahlen muss eine Umschalttaste bemüht werden, was nicht sonderlich komfortabel, für eine mobile Tastatur aber tolerabel ist. Beim Schreiben fällt schnell der ungewöhnlich große Abstand zwischen den einzelnen Tastenreihen auf. Dieser ist erforderlich, weil sich die Tastatur ansonsten nicht zusammenrollen lassen würde.







Das führt leider dazu, dass Zehnfingerschreiber auf dem Rolly Keyboard nicht ganz problemlos mit dem Schreiben loslegen können. Da die Finger andere Wege zurücklegen müssen als bei einer herkömmlichen Tastatur, landen sie beim Zehnfingerschreiben immer wieder an der falschen Stelle. Die Umgewöhnung ist nicht leicht.
Cursortasten ungünstig angeordnet
Abseits davon fühlt sich das Tippen auf der Tastatur mit einem deutlich spürbaren Tastenanschlag angenehm an. Negativ fällt die Positionierung der Cursortasten auf, die nicht sonderlich intuitiv angeordnet sind. Dadurch kann sich der Nutzer nur unkomfortabel mit der Tastatur in Texten bewegen.







Die ungewöhnliche Anordnung der Cursortasten dürfte ein Folge davon sein, dass auf der Tastatur nicht sonderlich viel Platz ist. Umso spannender ist die Frage, wie LG noch die fehlenden deutschen Umlauttasten unterbringen will – auf der Messe wurde die Tastatur nur mit einer englischsprachigen Tastenbelegung ohne Umlauttasten gezeigt.
Irgendwann im vierten Quartal 2015 will LG das Rolly Keyboard in Europa auf den Markt bringen. Wie viel es dann in Deutschland kosten wird, hat LG noch nicht bekanntgegeben.
Fazit
Das Konzept des Rolly Keyboards ist vielversprechend, aber in der Praxis erfüllt das Produkt nicht alle Anforderungen an eine mobile Tastatur. Die Bluetooth-Tastatur lässt sich platzsparend zu einem länglichen Stab zusammenfalten und passt dann gut in Handtasche oder Rucksack.
Angenehmerweise hat LG auch an einen Standmechanismus gedacht, mit dem das Tablet oder Smartphone so aufgestellt werden kann, dass der Nutzer beim Schreiben auf das Display schauen kann. Dass sich Smartphones und Tablets nur im Querformat verwenden lassen, ist nur für Besitzer von Smartphones ärgerlich, die einen Startbildschirm haben, der nicht ins Querformat wechselt.
Die Tastatur hat einen angenehmen Druckpunkt. Leider bedarf es einer zu langen Eingewöhnungsphase, um problemlos im Zehnfingersystem auf der Tastatur schreiben zu können. Der Abstand zwischen den Tastenreihen ist so groß, dass die Finger andere Wege nehmen müssen als gewohnt, um den gewünschten Buchstaben zu erreichen. Das dürfte alle stören, die nicht nach dem Adlersuchsystem tippen.



