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LG G Watch R im Test: Keine ganz runde Sache

Mit der G Watch R stellt LG eine Android-Smartwatch vor, die an eine klassische Armbanduhr erinnert. Der koreanische Hersteller macht aber zu wenig aus dem Konzept.
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LG neue runde Smartwatch G Watch R (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)
LG neue runde Smartwatch G Watch R Bild: Fabian Hamacher/Golem.de

In der Gerätekategorie Smartwatch sind alle Hersteller noch in der Phase des Ausprobierens. Wie soll eine Smartwatch aussehen, wozu soll sie gut sein? Versuch und Irrtum eben. Vor allem Irrtum.(öffnet im neuen Fenster)

Nun bringt LG die G Watch R auf den Markt, für 269 Euro. So viel vorweg: Für diesen Preis ist das Gerät eher unterwältigend, auch wenn es dem Vorgängermodell G Watch(öffnet im neuen Fenster) deutlich überlegen ist. LG versucht, die G Watch R wie eine richtige Armbanduhr aussehen zu lassen, bekommt das aber nicht ganz hin.

LG G Watch - Test
LG G Watch - Test (01:44)

Im Begleitschreiben für die Presse steht etwas von Style und Eleganz und brillantem Design. Aber das Unternehmen verspricht mehr, als es halten kann. Das mitgelieferte Kalbslederarmband sieht billig aus und ist zu steif, lässt sich aber immerhin gegen jedes beliebige, 22 Millimeter breite Armband austauschen. Das kreisrunde, schwarze Gehäuse ist aus Edelstahl, sieht aber aus wie Plastik ( zugegeben: andere Tester sind in ihrem Urteil gnädiger(öffnet im neuen Fenster) ) und ist ziemlich groß. Noch ein bisschen größer als das ebenfalls runde Gehäuse von Motorolas Moto 360, dem aufgrund von Form, Ausstattung und Preis naheliegendsten Konkurrenzprodukt(öffnet im neuen Fenster) . Wer große Herrenarmbanduhren mag, wird die G Watch R vielleicht mögen. Allen anderen dürfte sie zu klobig sein - wie die meisten anderen Smartwatches allerdings auch, die Moto 360 eingeschlossen.

Der Knopf an der Seite soll an die Krone einer klassischen Armbanduhr erinnern, ist aber eine Art Startbutton. Er weckt das Display und ruft bei längerem Druck die Einstellungen der Uhr auf, was deutlich bequemer ist, als sich durch das Menü des Betriebssystems Android Wear dorthin wischen zu müssen.

Die Lünette, also der Ring um das Zifferblatt, ist dagegen nur angedeutet, aber nicht drehbar. Eine verschenkte Gelegenheit: Sie würde sich bestens eignen, um - im Optimalfall individuell definierbare - Aktionen auszuführen, also zum Beispiel bei einer Vierteldrehung nach links den Schrittzähler anzuzeigen. Das würde nebenbei das ständige Wischen auf dem recht verschmutzungsanfälligen Display überflüssig machen. Technisch wäre die Umsetzung wahrscheinlich nicht ganz einfach, weil LG den Platz unter der falschen Lünette benötigt. Aber es wäre ein Konzept, das praktischer sein könnte als die Bedienung über die Krone in der kommenden Apple Watch(öffnet im neuen Fenster) . Und es wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Hardware ist der Moto 360 qualitativ überlegen

Das nämlich fehlt der G Watch R. Sie hat neben dem Schrittmesser auch einen Pulsmesser, einen Kompass und ein Barometer sowie einen Vibrationsmotor für eingehende Benachrichtigungen. Außerdem ist sie staub- und wassergeschützt nach der Schutzklasse IP67(öffnet im neuen Fenster) . Aber das hat und kann die Moto 360 fast alles auch.

Für die G Watch R sprechen das deutlich bessere Display und der stärkere Akku. Im Test hielt die Uhr problemlos zwei Tage durch, ohne dass sie aufgeladen werden musste. Das P-OLED-Display bietet im Vergleich zum LC-Display der Moto 360 die satteren Farben und die höhere Auflösung.

In den einzelnen Funktionen unterscheiden sich die beiden Konkurrenzmodelle nicht. Das liegt zum einen daran, dass sie kein WLAN- oder Mobilfunkmodul haben, im Gegensatz zu Samsungs 400 Euro teurer Gear S(öffnet im neuen Fenster) . Für alle Funktionen, die eine Internetverbindung voraussetzen, brauchen sie ein per Bluetooth verbundenes Android-Smartphone.

Zum anderen laufen beide mit Googles Betriebssystem Android Wear. Das hat gerade ein Update bekommen, ist aber immer noch weit davon entfernt, die Bedienung einer Smartwatch annähernd vergnüglich zu machen.

Musikdateien auf die G Watch R zu bekommen, ist kompliziert

Die Navigation über eine Smartwatch wie die G Watch R ist mit Android Wear noch vergleichsweise gut gelöst. Die Hinweise auf dem Ziffernblatt sind hilfreich und ersparen Nutzern den ständigen Griff zum Smartphone. Das Gleiche gilt für eingehende Kurznachrichten. Die Menüführung dagegen ist umständlich, die Sprachsteuerung in der Öffentlichkeit gesellschaftlich vollkommen zu Recht geächtet und die Auswahl nützlicher Apps begrenzt.

Ein Beispiel dafür, wie kompliziert Google sein Wearable-Betriebssystem mitunter gestaltet hat, ist die neue Offline-Musikwiedergabe. Die soll es ermöglichen, Musik direkt von der Smartwatch über Bluetooth-Kopfhörer zu hören, ohne ein Smartphone dabeihaben zu müssen. Beim Joggen etwa wäre das praktisch, Betonung auf wäre.

Zwar hat die G Watch R vier Gigabyte internen Speicher und dementsprechend viel Platz für Musik. Aber um die MP3-Dateien auf die Uhr zu bekommen, müssen Nutzer sowohl in der Android-Wear-App als auch in der Play-Music-App auf dem Smartphone bestimmte Einstellungen vornehmen(öffnet im neuen Fenster) - und können dann doch nur die Dateien übertragen, die aus Googles Streamingdienst Play Music kommen. Das heißt, man muss seine eigenen Musikdateien erst bei Google Play Music hochladen, um sie anschließend auf die Smartwatch herunterladen zu können.

Solche Einschränkungen kann man LG nicht vorwerfen. Aber das Gesamtpaket der G Watch R stimmt eben nicht: Die Software ist noch nicht ausgereift und die Hardware nur mäßig attraktiv. Auf einer Skala von Versuch bis Irrtum ist die G Watch R höchstens in der Mitte angekommen.


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