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"Letzter Funke Hoffnung": Musk begründet Wahlaufruf für die AfD

In seiner Werbung für die AfD legt Elon Musk nach. Ein Gastbeitrag in der Welt am Sonntag führt zu internem Protest und der Kündigung der Meinungschefin.
/ Friedhelm Greis , dpa
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Tesla-Chef Elon Musk zeichnet ein merkwürdiges Bild der AfD. (Bild: Allison Robbert/Reuters)
Tesla-Chef Elon Musk zeichnet ein merkwürdiges Bild der AfD. Bild: Allison Robbert/Reuters

Der US-Milliardär Elon Musk hat seinen Wahlaufruf für die AfD bei der Bundestagswahl erneuert. "Die Alternative für Deutschland (AfD) ist der letzte Funke Hoffnung für dieses Land" , schreibt Musk in einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag. Musk lobt in dem Beitrag, der online zusammen mit einer Replik zugänglich ist(öffnet im neuen Fenster) , die Partei für ihre politischen und ökonomischen Pläne. Die Politik der traditionellen Parteien hätten "zu wirtschaftlicher Stagnation, sozialen Unruhen und einer Aushöhlung der nationalen Identität geführt".

So schreibt Musk unter anderem: "Die AfD vertritt in der Energiefrage einen pragmatischen Ansatz und setzt sich für ein ausgewogenes Vorgehen ein. Ich hoffe, dass sie den Ausbau der sicheren Kernenergie, kombiniert mit Batteriespeichern zur Abfederung großer Schwankungen im Stromverbrauch, in Erwägung zieht, denn das ist die offensichtliche Lösung."

Nach Ansicht Musks setzt sich die Partei, die im Entwurf ihres Wahlprogramms(öffnet im neuen Fenster) (PDF) von "unwissenschaftlicher Klima-Hysterie" spricht, "für Bildungsreformen ein, die kritisches Denken anstelle von Indoktrination fördern" . Obwohl die AfD die E-Mobilität nicht mehr fördern will , unterstützt sie laut Musk "die Technologiebranchen, die die Zukunft der globalen wirtschaftlichen Führerschaft darstellen" .

Musk verweist auf Weidels Lebensgefährtin

Laut Musk kann die AfD "das Land in eine Zukunft führen, in der wirtschaftlicher Wohlstand, kulturelle Integrität und technologische Innovation nicht nur Wunschvorstellungen, sondern Realität sind" . Die Einstufung der AfD als rechtsextrem hält Musk für "eindeutig falsch, wenn man bedenkt, dass Alice Weidel, die Vorsitzende der Partei, eine gleichgeschlechtliche Partnerin aus Sri Lanka hat! Klingt das für Sie nach Hitler?" Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall.

Einem Bericht des Spiegel zufolge(öffnet im neuen Fenster) fädelte der Chef des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, den Gastbeitrag ein. Anlass für die Anfrage war ein Beitrag auf X , in dem Musk vor Weihnachten schrieb: "Nur die AfD kann Deutschland retten."

Unmut in der Redaktion wegen Musk-Beitrag

In der Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) widersprach der künftige Chefredakteur der Welt-Gruppe, Jan Philipp Burgard, den Ausführungen des Milliardärs: "Musks Diagnose ist korrekt, doch sein Therapieansatz, nur die AfD könne Deutschland retten, ist fatal falsch." Laut Burgard ist die Partei "eine Gefahr für unsere Werte und unsere Wirtschaft; auch ein Genie kann sich irren" . Beide Beiträge – der von Musk und der von Burgard – waren in der gedruckten Zeitung direkt nebeneinander platziert.

Innerhalb der Redaktion führte der Musk-Beitrag zu Ärger. Eva Marie Kogel, die Ressortleiterin Meinung von Welt und Welt am Sonntag, postete auf X(öffnet im neuen Fenster) , sie habe als Konsequenz aus dem Musk-Text "nach Andruck meine Kündigung eingereicht" . Auch andere Welt-Journalisten posteten öffentlich auf X ihren Unmut.

Medienberichten zufolge soll der Abdruck des Gastbeitrages von Musk bereits vor Heiligabend eine heftige Kontroverse innerhalb der Redaktion ausgelöst haben. So habe der Redaktionsausschuss schon damals vor der Veröffentlichung gewarnt, schreibt der Branchendienst Medieninsider(öffnet im neuen Fenster) ; der Spiegel berichtet von weiterem Streit in der finalen Redaktionskonferenz am Freitag.

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zu der Genese des Beitrags und zum Umgang mit der internen Kritik antwortete der Medienkonzern Axel Springer mit einem gemeinsamen Statement des noch aktuellen Welt-Gruppe-Chefredakteurs Ulf Poschardt und seines Nachfolgers Burgard: "Die aktuelle Diskussion um den Text von Elon Musk ist sehr aufschlussreich. Demokratie und Journalismus leben von Meinungsfreiheit." Dazu gehöre es, sich auch mit polarisierenden Positionen auseinanderzusetzen und diese journalistisch einzuordnen.

Musk mischt sich schon seit Längerem ein

Musk gilt als enger Berater des designierten US-Präsidenten Donald Trump und wurde von ihm beauftragt, gemeinsam mit dem Unternehmer Vivek Ramaswamy in einem neu geschaffenen Gremium namens DOGE ( "Department of Government Efficiency" ) Vorschläge zur Kürzung der Regierungsausgaben zu erarbeiten. Der Tech-Milliardär, der als Tesla-Chef zu den großen Arbeitgebern in Brandenburg gehört, mischt sich seit Monaten auch in die britische Politik ein. So versicherte er der rechtspopulistischen britischen Partei Reform UK seine Unterstützung.

Auf die Anfrage von Golem.de, ob die AfD ebenfalls das Gespräch mit Musk suche, um eine Unterstützung im anstehenden Bundestagswahlkampf zu erhalten, reagierte die Partei bislang nicht. Vor der geplanten Bundestagswahl am 23. Februar 2025 liegt die AfD in Umfragen mit etwa 19 Prozent auf Platz zwei, hinter der Union mit mehr als 30 Prozent. Alle im Bundestag vertretenen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der Rechtsaußenpartei aus.

Nachtrag vom 2. Januar 2025, 23:23 Uhr

Nach zwischenzeitlichen Spekulationen und anderslautenden Äußerungen der Welt-Chefredaktion teilte das Springer-Aufsichtsratsmitglied Martin Varsavsky auf X mit(öffnet im neuen Fenster) , den Gastbeitrag Musks angestoßen zu haben. "Ich wandte mich an Jennifer Wilton, die Chefredakteurin der Welt, ob sie Interesse an einem Gastbeitrag von Elon zu diesem Thema habe. Nach reiflicher Überlegung stimmte sie zu, dass ein solcher Artikel von erheblichem Nachrichtenwert und einer Veröffentlichung würdig wäre" , schrieb Varsavsky, der seit den 1990er Jahren mehrere Telekommunikations- und Internetunternehmen gegründet hat , darunter Viatel, Fon und Ya.com.


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