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Letzte Folge von Picard: Ein Star-Trek-Fanfest zum Abschied

Mit der letzten Folge der dritten Staffel endet Star Trek : Picard fulminant – und wirft grundsätzliche Fragen auf, wie Serien-Reboots sein sollten. Achtung, Spoiler!
/ Tobias Költzsch
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Die dritte Staffel von Picard ist die letzte. (Bild: Startrek.com)
Die dritte Staffel von Picard ist die letzte. Bild: Startrek.com

Achtung! Wir besprechen in dieser Rezension nicht nur Details aus der dritten Staffel von Star Trek: Picard, sondern auch Inhalte der anderen beiden Staffeln. Wer sich nicht spoilern lassen will, sollte ab hier nicht mehr weiterlesen.

Am Ende könnte man denken, sich im nie gedrehten Nachfolger des letzten Films mit der Next-Generation-Crew, Star Trek Nemesis, zu befinden: Die vereinte Brücken-Crew der Enterprise im Kampf gegen einen alten Feind. Der Abschluss der dritten und letzten Staffel von Star Trek: Picard endet fulminant und bietet vor allem für Fans von Next Generation tolle Unterhaltung.

In der dritten Staffel haben sich die Macher von Picard um den Produzenten Alex Kurtzman auf die Wurzeln der Hauptfigur Jean-Luc Picard besonnen. Dies steht im Gegensatz zu den ersten beiden Staffeln der Serie, die zwar bereits bekannte Charaktere eingebunden hatten, sich aber auf das Erzählen völlig neuer Inhalte konzentrierten.

Die ersten beiden Staffeln sind für die dritte unwichtig

Entsprechend gab es eine Reihe von neuen Charakteren, die bis auf eine Ausnahme in der dritten Staffel nicht mehr vorkamen. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass die Macher bei der finalen Staffel andere Prioritäten gesetzt haben. Von der Idee, alte Fans zu bedienen und neue Zuschauer zu gewinnen, verabschiedete sich Kurtzman. Stattdessen wurde die dritte Staffel ein Retrofest für TNG-Fans .

Schlecht ist das Ergebnis definitiv nicht: Die Story rund um alte Feinde der Föderation und einen doch überraschenden, aber gut eingebauten Erzfeind am Ende ist unterhaltsam, verfügt über eine gute Portion Humor und eine wesentlich bessere Einbindung neuer Charaktere als in den beiden Staffeln zuvor. Auch gibt es wieder eine Reihe an Anspielungen an Ereignisse, die in Next Generation vorkamen.

Wirkten Figuren wie der Space-Legolas Elnor und in der zweiten Staffel auch Soji immer etwas fehl am Platz, geben Brückenoffiziere wie die von Ashlei Sharpe Chestnut gespielte Sidney Laforge und Todd Stashwick als Captain Liam Shaw eine wesentlich bessere Figur ab. Aber auch Altstars wie Gates McFadden als Dr. Beverly Crusher, Brent Spiner als Data, Michael Dorn als Worf, LeVar Burton als Geordi La Forge und auch Michelle Forbes als Ro Laren werden besser eingesetzt als die Stars in den vorigen Staffeln.

Es menschelt angenehm

Will Riker, gespielt von Jonathan Frakes, bekommt in der dritten Staffel auch endlich wieder wirklich etwas zu tun. Seine persönlichen Probleme werden ebenso wie die Konflikte Jean-Luc Picards gut in die Geschichte eingebaut. Den Machern der Serie gelingt das wesentlich besser als in der zweiten Staffel, wo die persönlichen Probleme Picards einen sehr großen Rahmen einnehmen.

Gute Geschichte lässt Logiklöcher vergessen

Die positiven Punkte der dritten Staffel lassen uns über einige Logiklöcher hinwegsehen – etwa den Umstand, wie sinnvoll es für eine Weltraumarmee ist, alle verfügbaren Raumschiffe für eine Parade an einem Ort zusammenzuziehen und den Rest des Herrschaftsgebietes ungeschützt zu lassen. Auch die Zuschauer scheint das nicht zu stören: Bei Rotten Tomatoes hat die dritte Staffel von Picard einen Audience Score von hohen 90 Prozent erreicht.

Dies steht im starken Gegensatz zu den ersten beiden Staffeln: Staffel 1 erreicht 52 Prozent im Zuschauer-Score, Staffel 2 sogar nur 29 Prozent. Das Beispiel Star Trek: Picard zeigt, was für ein Tanz auf dem Fan-Vulkan ein Serien-Reboot sein kann. Zum einen wollen die Macher vom Nimbus und den alten Fans derartiger Serien profitieren, zum anderen sollen natürlich auch neue Fans gewonnen werden – die sich dann vielleicht sogar noch die Folgen der ursprünglichen Serie anschauen.

Bei Picard führte das in den ersten beiden Staffeln zu einer grundsätzlich unterhaltsamen Storyline, viele Fans beklagten aber die fehlenden Gemeinsamkeiten zu TNG. Die letzte Folge von Next Generation lief im Jahr 1994 – manche Fans dürften den alten Picard vor Augen haben und könnten möglicherweise gefühlsreiche Story-Ansätze wie den aus der zweiten Staffel nicht so gut finden.

Für welche Zielgruppe ist ein Serien-Reboot gedacht?

Für die Macher von Serien-Reboots ist das Abwägen zwischen den Zuschauergruppen existenziell, was den Erfolg der Serie angeht. Mit der dritten Staffel scheint sich das Picard-Team vollkommen den alten Fans hingegeben zu haben – möglicherweise auch, weil bereits feststeht, dass es keine vierte Staffel geben soll. Nach dem Motto: Wenn wir nicht um eine Verlängerung kämpfen müssen, können wir auch Fanservice machen und neuere Zuschauergruppen außer Acht lassen.

Natürlich ist das nur Spekulation: Wir wissen schlicht nicht, ob Alex Kurtzman und sein Team die dritte Staffel nicht vor Jahren bereits genauso geplant haben. Etwas zweifeln wir aber daran, angesichts der Mühe, die sich die Autoren mit den neuen Geschichten der ersten und zweiten Staffel gemacht zu haben scheinen.

Am Ende überwiegt bei uns als alte TNG-Fans zugegebenermaßen auch das wohlige Gefühl, wenn wir die Crew um Jean-Luc Picard auf der Brücke der Enterprise-D stehen sehen. Die dritte Staffel ist für Fans von Next Generation tatsächlich das Fest, das sich in den ersten Folgen angedeutet hatte.

Eine neue Next Generation?

Ganz aufgeben wollen die Serienmacher die Enterprise übrigens wohl nicht: Am Ende der letzten Folge, und jetzt wird es extra-spoilerig, übernimmt eine neue Crew aus altbekanntem Captain und der Brückencrew der USS Titan aus der dritten Staffel eine neue Enterprise. Auch das Weiterschauen nach dem Abspann lohnt sich – zeigt sich dort doch, dass tot im Star-Trek-Universum nicht zwingenderweise tot bedeutet. Star Trek: Picard wurde zu einem guten Ende geführt, wir hoffen aber auch neue Inhalte, die den eingeschlagenen Story-Pfad weiter beschreiten.


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