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Let's Player: "Es gibt Spiele, für die man bezahlt wird"

Gronkh und eine Handvoll anderer Let's Player gelten bei vielen Spielern als Stars. Aber längst nicht alle Youtuber sind so authentisch, wie sie sich geben – einige lassen sich für das Kommentieren von Gameplay-Szenen von Publishern bezahlen. Golem.de hat sich in der deutschen Szene umgehört.
/ Peter Steinlechner
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Let's Player in einem Video der Gamescom 2013 (Bild: Koelnmesse / Gamescom)
Let's Player in einem Video der Gamescom 2013 Bild: Koelnmesse / Gamescom

Brummige Stimme, Zauselbart und immer einen flapsigen Spruch auf den Lippen: Mit diesem Auftreten hat sich Erik Range innerhalb von ein paar Jahren ein Millionenpublikum erspielt. Range ist der unbestrittene Star der deutschen Let's-Player-Szene – Spieler kennen ihn unter dem Namen Gronkh. Er tritt immer wieder im Fernsehen auf, sein Konterfei wirbt auf Plakaten für die Gamescom. Vor allem aber hat sein Youtube-Kanal mittlerweile über drei Millionen Abonnenten – eine Wahnsinnszahl.

Mit der kann zwar keiner seiner Kollegen mithalten, aber auch viele andere sind mit ihrem Video-Channel erfolgreich: Rund 1,4 Millionen Abonnenten hat Gronkh-Kumpel Sarazar. Pietsmiet kommt auf 1,6 Millionen, Commander Krieger auf knapp 700.000 Abonnenten. Allein diese Zahlen zeigen, welche Bedeutung den Let's Playern in der deutschen Spieleszene inzwischen zukommt – und welche Marktmacht. Nur mal zum Vergleich: Das größte gedruckte Spielemagazin, die Computer Bild Spiele, hat zuletzt eine verbreitete Auflage von gerade mal 111.172 Stück gemeldet.

Luxus für die Stars

Das weckt Neid – auch bei dem ein oder anderen Print- oder Onlinejournalisten aus dem Spielebereich. Unter der Hand sind Geschichten zu hören über Let's-Play-Macher, die bei Veranstaltungen nur in den teuersten Luxushotels absteigen und sich auf Branchenpartys im VIP-Bereich hofieren lassen. Let's Player hat aber noch andere Auswirkungen: Auch in Deutschland kommt es offenbar immer wieder vor, dass Publisher oder Entwickler sich die Gunst der Szene kaufen: "Es gibt Spiele, für die man bezahlt wird" , sagte einer der bekannteren Let's Player Golem.de.

Nach seinen Angaben laufe das so ab, dass "der Publisher oder die Marketingfirma" ihn ganz unkompliziert anschrieben und fragten, ob Interesse bestehe. Eine kurze Liste mit einigen betroffenen Spielen aus allen Genres und von bekannten Herstellern liegt Golem.de vor. Die so entstandenen Videos sind nicht mit den eigentlich nötigen Hinweisen wie "Anzeige", "Product Placement" oder "Sponsored" gekennzeichnet, wie sie laut dem Telemediengesetz spätestens bei größeren Beträgen nötig sind.

Bezahlte Let's Player in den USA

Um es an dieser Stelle klar zu sagen: Bei dem zitierten Youtuber handelt es sich nicht um Erik "Gronkh" Range oder um einen der Let's Player, die bei seiner Firma Play Massive unter Vertrag stehen. Gronkh hat Golem.de gesagt, er habe nie Geld für die Auswahl angenommen und alle Angebote dieser Art abgelehnt. Sein einziges Kriterium sei, dass ihm das Spiel tatsächlich Spaß mache. Er sei dafür, dass Videos, bei denen die Auswahl der Games gegen Geld erfolgt ist, klar gekennzeichnet werden.

Das ist weltweit noch nicht selbstverständlich in der Branche. Eine Untersuchung des US-Magazins Gamasutra.com(öffnet im neuen Fenster) hat gezeigt, dass sich in den USA 21 Prozent der Let's Player mit mehr als 5.000 Abonnenten für die Auswahl bestimmter Spiele bezahlen lassen. Viele machen das in ihren Videos nicht kenntlich, was rechtlich aber auch in den USA nötig ist.

Wie groß der Einfluss der Publisher auf die Inhalte und Kommentare der Youtuber hierzulande tatsächlich ist, ist unklar. Im Let's-Play-Bereich ist aber im Grunde die Auswahl der Spiele schon entscheidend. Es macht einen Unterschied für die Verkaufszahlen, ob eine Branchengröße das packende Indiegame vorstellt, das sie privat am liebsten spielt, oder den eigentlich eher langweiligen Multi-Millionen-Euro-Titel. Zumal viele Let's-Play-Videos im Vergleich zu den Tests in klassischen Medien grundsätzlich eher wohlwollend und kritische Töne eher die Ausnahme sind.

Let's Player und die Mauer des Schweigens

So deutliche Worte findet nicht jeder in der Branche. Im Laufe unserer Recherchen haben wir andere bekannte und unbekannte Youtuber, aber auch große und kleine Publisher kontaktiert. Auffallend viele schwiegen: Statt die Chance zu nutzen, sich und ihre Arbeit transparent in der Öffentlichkeit darzustellen, will sich niemand so recht äußern.

Einer der mutmaßlichen Gründe: Obwohl zumindest seriöse Let's Player letztlich kaum anderes als Journalisten sind, die in einem neuen Format arbeiten, gehen die Publisher derzeit meist noch anders mit ihnen um. Während klassische Redaktionen – auch Golem.de – im Kontakt mit den PR-Managern stehen, aber keinerlei Verbindung zu den Marketing- und Werbeverantwortlichen haben, fließen Informationen bei vielen mittleren und kleinen Let's-Playern anders.

Viele sind Privatpersonen, die sowohl die redaktionelle Arbeit erledigen als auch für das Business zuständig sind. Das gilt insbesondere für Amateure, deren Videos oft nur ein paar Dutzend oder ein paar hundert Mal abgerufen werden. Im Grunde handelt es sich bei diesem Personenkreis um eine eigene Szene, die inzwischen fast nichts mehr mit den Branchenpromis zu tun hat – und auch wenig mit den großen und bekannten Blockbustern.

Wer sich in den entsprechenden Kanälen auf Youtube umsieht, findet übrigens erstaunlich viele Personen, die offensichtlich vor allem am schnellen Geldverdienen interessiert sind. Fans, die einfach nur über ihr Lieblingsspiel im Video reden wollen, sind zumindest nach unserem Eindruck in der Minderheit.

Geschäfte mit der kleinen Browsergame-Insel

Statt um spannende Indiegames oder um spektakuläre Actiontitel geht es deshalb sehr oft um Free-to-Play-Spiele oder um Browsergames. Ein Beispiel dafür ist Tiny Island des Hamburger Entwicklerstudios Playa Games(öffnet im neuen Fenster) . "Unsere Spiele werden über Advertising-Netzwerke vermarktet. Dazu gehört, dass Youtuber gefragt werden, ob sie über unsere Spiele berichten möchten" , sagt Marketingchef Thorsten Rohmann. Für die Videos bekommen die Youtuber eine "Aufwandsentschädigung" – um welche Beträge es geht, verrät Rohmann uns nicht. Er sagt, damit seien "keine inhaltlichen Auflagen verbunden und auf die redaktionelle Darstellung des Spiels nehmen wir keinen Einfluss" .

Ein Sprecher von Playa Games sagt im Gespräch mit Golem.de, dass das Unternehmen im Grunde nichts gegen die Kennzeichnung der Youtube-Videos als Werbung habe. Aber dafür sei die Agentur zuständig, die den direkten Kontakt zu den Let's Playern hält.

Diese Vermittlungsagenturen spielen eine wichtige Rolle in der Szene, allerdings vor allem bei der Masse an kleineren Youtubern – die Stars der Branche arbeiten inzwischen meist direkt mit den Spieleherstellern. Auch große Firmen greifen inzwischen auf halbautomatisiert ablaufende und abgerechnete Deals zurück. Electronic Arts etwa hat ein Programm namens Ronku(öffnet im neuen Fenster) , über das unter anderem Let's-Play-Videos für Battlefield 4 generiert wurden.

Electronic Arts und Microsoft

Wer daran teilnimmt, erhält für 1000 Videoabrufe auf seinem Kanal rund 10 US-Dollar; die Maximalsumme ist allerdings begrenzt. Auch Microsoft hatte für die Vermarktung seiner Xbox One zu einem ähnlichen Verfahren gegriffen. Beide Firmen achten inzwischen zumindest offiziell darauf, dass die Teilnehmer ihre Filme als bezahlt kennzeichnen.

Derlei Transparenz ist vielleicht das wichtigste Ziel der Szene, die ihren guten Ruf verteidigen muss. Langfristig sollten für die Let's Player die gleichen Regeln gelten wie für klassische Medien, bei denen es grundsätzlich die strikte Trennung von Redaktion und Anzeigengeschäft gibt.


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