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Lesermeinung zur Teilzeiteinschränkung: "Völliger Quatsch" und "reine Symbolpolitik"

Wir haben euch gefragt, was ihr von dem CDU-Vorstoß, das Recht auf Teilzeitarbeit zu beschneiden, haltet. Eure Meinung ist ziemlich deutlich.
/ Andrea Pawlowski
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Work-Life-Balance ist bei Vollzeitarbeit schwer einzuhalten. (Bild: Pixabay Macdongtran)
Work-Life-Balance ist bei Vollzeitarbeit schwer einzuhalten. Bild: Pixabay Macdongtran

Die Aufregung um den Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels, die Möglichkeiten von Teilzeitarbeit einzuschränken, hat sich bis heute nicht gelegt. Es gibt viel Empörung und inzwischen haben sich auch CDU-Regierungsmitglieder gegen den Antrag in dieser Form ausgesprochen(öffnet im neuen Fenster).

Natürlich haben wir auch in der Redaktion Meinungen zu dem Thema. Einer unserer Autoren, Florian Bottke, hat seiner in diesem IMHO Ausdruck verliehen.

Darüber hinaus wollten wir aber auch wissen, was ihr darüber denkt. Die Beteiligung hat uns etwas überwältigt. Tausend Dank für eure vielen und interessanten Beiträge.

Bitte habt Verständnis, dass wir hier nur eine Auswahl präsentieren können. Wir können euch aber sagen, dass sich die Meinungen sehr deutlich gegen eine Änderung des Teilzeitgesetzes ausgesprochen haben. Nur ein sehr geringer Anteil hat sich dafür ausgesprochen - und das, obwohl über 70 Prozent von euch angegeben haben, Vollzeit zu arbeiten.

Nun wollen wir aber endlich euch zu Wort kommen lassen.

➤ Teilzeit gehört prinzipiell abgeschafft, Einzellösungen möglich.

➤ (...) Es sollte jedem freigestellt sein, wie viel er arbeitet, wenn er mit dem Geld auskommt. Etwas anderes wäre es, wenn er dann zusätzlich staatliche Hilfe benötigen würde. Bei mir sind es gesundheitliche Gründe, weswegen ich seit einem Jahr in Teilzeit arbeite, weil ich mental einfach nicht mehr schaffe.

➤ Zu tiefer Einschnitt in Persönlichkeitsrechte.

➤ Rückwärts gewandte Symbolpolitik auf dem Rücken der letzten Leistungswilligen.

Gute Gründe für Teilzeit

➤ Ich halte von dem Vorstoß nichts. Vor allem nicht, weil die CDU glaubt, uns (das Volk, den Souverän) dazu bewegen zu müssen, mehr zu arbeiten. Sonst ist doch auch immer der Markt gefragt, oder? Bei Mietpreisen etwa, die in Großstädten von Normalverdienern in der IT kaum noch zu bezahlen sind.

Es gibt Gründe, die Menschen dazu bringen, in Teilzeit zu arbeiten. Zwei Jobs zum Beispiel, Pflege und Care-Arbeit, die sonst nicht koordinierbar ist. Und jetzt durch den notwendigen Nachweis die Menschen in eine Rechenschaftspflicht zu drängen, halte ich für skandalös.

''Das ist nichts anderes als Bevormundung''

➤ Ich halte von dem Vorschlag so rein gar nichts. Die meisten Teilzeitstellen existieren, weil die Vertragspartner sich darauf geeinigt haben. Wenn dieses Recht abgeschafft wird, bekommen wir nur mehr Krankschreibungen und DnV.

➤ Wenn jemand in Teilzeit arbeiten möchte und sich die Stelle für eine Arbeitszeitreduktion eignet, finde ich, sollte es auch rechtlich weiterhin so gehandhabt werden, wie es gerade ist. Natürlich ist es schwierig, in einem Gesetz festzuschreiben, ob die Arbeit für Teilzeit "geeignet" ist; der Arbeitgeber kann sich dann wieder irgendwie rauswinden, wenn er das nicht ermöglichen möchte. Daher bin ich zwiegespalten, ob das gut oder schlecht ist.

➤ Das ist nichts anderes als Bevormundung. 2026 sollte es zudem ein Recht auf Homeoffice geben.

➤ Wenn sich die CDU damit beschäftigt, ist das traurig. Die Frage ist hier eher, und damit auch spannender: Wovon wollen sie ablenken? Sehe das eher als Nebelkerze. Aber große Menschen brauchen auch kleine Dinge, um sich an ihnen zu messen.

➤ Die Ursache für den hohen Teilzeitgrad in Deutschland ist doch, dass die Abgabenlast schon ab einem relativ mittelmäßigen Einkommen steil ansteigt. Kein Wunder, dass Leute lieber in Teilzeit arbeiten, wenn sie zum Beispiel für 100 Prozent mehr Arbeit nur 10 Prozent mehr Netto bekommen. Da sollte man ansetzen.

➤ Offenbar hat die "C"DU inzwischen alle Scham verloren und führt ganz offen Krieg gegen den nicht oder weniger vermögenden Teil der Bevölkerung, siehe die Themen Krankmeldungen oder Bürgergeld. Widerlich. (Und nein, keine "Neiddebatte", laut statistischem Bundesamt liegt mein Einkommensniveau innerhalb der Top 10 hierzulande).

Auf Teilzeitkräfte angewiesen

➤ Ich halte von dem Vorschlag: Nichts! Und bitte verwendet nicht den Begriff "Wirtschaftsexperten" für solche "Vordenker". Ich arbeite in einer Branche, die auf Teilzeitarbeitskräfte angewiesen ist (mehr als 50 Prozent arbeiten bei uns so). Darüber hinaus leben wir immer noch in einem freiheitlichen Staat, wo jeder nach seiner Fasson leben und arbeiten darf.

➤ Der Antrag ist völliger Quatsch. Das Recht auf Teilzeit wieder abzuschaffen, wäre ein ungerechtfertigter Eingriff in den Markt. Ist selbst mit der aktuellen Gesetzeslage häufig schwierig genug, die richtige Anstellung zu finden, und eine solche Regelung würde viele Leute vor die Wahl stellen, dann eben doch gar nicht mehr arbeiten zu gehen, weil sie die Mehrarbeit nicht leisten können.

➤ Als Hochsensibler ist es für mich nicht möglich, Vollzeit zu arbeiten. Arbeite in der Pflege, die Arbeitsbelastung führt dazu, dass nur noch sehr wenige Kollegen Vollzeit arbeiten.

''Ich sehe mich nicht als Knecht welcher Macht auch immer''

➤ Da zeigt sich wieder, dass jeder Spinner sich einfach Experte nennen darf. Nichts Brauchbares für die Gesellschaft geleistet, aber rumschreien. Die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, ist eine gute Sache. Auch wenn Studien immer wieder belegt haben, dass viele Teilzeitkräfte auch gerne Vollzeit arbeiten würden.

Das Problem ist ja nicht, dass Teilzeit gearbeitet wird, sondern dass diese Personen oftmals keine Wahl haben. Die Politik versäumt es seit Jahrzehnten, eine vernünftige Daseinsvorsorge zu schaffen. Es gibt keine vernünftige Kinderbetreuung, und das Wenige, was da ist, wird dann meist noch von den Kirchen gestemmt.

Aber selbst das Wort "marode" trifft es nicht mal im Ansatz. Da soll ein Ganztagesbetreuungsplatz für jedes Kind da sein. In der Realität können die Einrichtungen das nicht mal im Ansatz durchsetzen. Wenn von der Regelzeit 60 Prozent im Jahresdurchschnitt erreicht werden, sind viele Eltern schon froh. Wie sollen Eltern denn Vollzeit arbeiten, wenn sie nicht mal wissen, wie ihre Kinder betreut werden sollen? Das gleiche Bild in der Pflege.

➤ Ich finde den Vorschlag gut. Nur die sollten TZ arbeiten, die es Betreuungs- oder Gesundheitsgründen müssen.

➤ Die letzten drei Jahre vor meinem Ruhestand (bin zum frühestmöglichen Zeitpunkt in Rente gegangen, trotz Abschlägen, zum 1.Juli 2025) habe ich nur noch vier Tage pro Woche gearbeitet. Natürlich mit entsprechenden Einbußen beim Gehalt. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich nie wieder Vollzeit arbeiten wollte.

Ich habe letztlich für meinen Lebensunterhalt gearbeitet, für nicht mehr und nicht weniger. Ich sehe mich nicht als Knecht welcher Macht auch immer. Wenn die Miete bezahlt ist und der Kühlschrank voll und bei Bedarf ein Paar Schuhe drin sind, dann genügt mir das.

➤ Ich finde es wirklich problematisch, dass ein Teil der Union immer stärker das Problem auf die Arbeitnehmer abwälzt, anstatt mal kritisch zu hinterfragen, warum wir vielleicht wirtschaftliche Probleme haben: Fachkräftemangel, fehlende Digitalisierung, schlechte Strukturen, fehlende Führungkräftekompetenzen, fehlende Betreuungsplätze etc.

Anstatt diese Themen mit den Behörden und den Firmen anzugehen, werden alle Menschen unter Generalverdacht gestellt, laut Merz sind wir ja zu faul und machen zu häufig krank. Diese faktenfernen Aussagen finde ich wirklich problematisch und am Ende wird nur die AfD davon stark. Soll doch die Politik erstmal ihre Hausaufgaben machen!

Kein pauschales Recht auf Teilzeit

➤ Richtiger Ansatz. Es sollte kein pauschales Recht auf Teilzeit geben.

➤ Absolut sinnbefreit. Die meisten werden einen Grund haben, warum sie nur Teilzeit arbeiten können. Es gibt sicher mehr, bei denen der Arbeitgeber keine Aufstockung ermöglicht. Ansonsten können auch zwei Leute mit 50 Prozent auf einer Planstelle arbeiten.

➤ Populismus wie immer: Teilzeit hat dabei geholfen, die Erwerbstätigkeit von Frauen und ganz allgemein pro Kopf zu erhöhen. Es ist volkswirtschaftlich besser, wenn 80 Prozent durchschnittlich 35 Stunden arbeiten, als wenn 50 Prozent 40 Stunden arbeiten. Wie wär's denn mal damit, echte Probleme wie Kinderbetreuung und Pflege anzugehen? Dann können vielleicht auch mehr aus der Teilzeit raus.

➤ Gegen seinen Willen zu mehr Arbeit gezwungen zu werden, führt sicherlich nicht zu einem produktiverem Arbeitsklima, sondern ist im großen Maße für alle Beteiligten demotivierend.

➤ Die Frage ist, welches Problem hier gelöst werden soll. Wenn es der Fachkräftemangel ist, wird es nicht helfen. Dafür fehlen zu viele Fachkräfte. Über Burn-out und Jobwechsel könnte es tatsächlich einen solchen Mangel noch verschlimmern. Die meisten Menschen machen Teilzeit nicht, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil es in ihrer aktuellen Lebenssituation nicht anders möglich ist.

Das geht über die aufgelisteten Fälle hinaus, Beispiel Fernbeziehung. Da mehr Druck zu machen, wird höchstens zu einem Wechsel oder Burn-out führen. Die Menschen, die Teilzeit aus Spaß machen, werden sich eine Firma suchen, die ihnen Teilzeit gibt. Druck wird man nur auf die Leute erhöhen, die vom Gesetz her ausgenommen sein sollten. Also vor allem Eltern und speziell Mütter. Und Leute mit Behinderungen, die gar nicht Vollzeit arbeiten können, sind natürlich auch nicht erwähnt.

➤ Der Vorschlag ist Blödsinn. Es gibt genug Leute, die in Teilzeit arbeiten müssen (Pflege der Eltern, Kinder etc.). Und selbst diese Leute arbeiten oft viel mehr als vereinbart. Ich kenne persönlich einige, die in der Pflege "nur" 50 bis 80 Prozent arbeiten, aber mehrere Hundert Überstunden haben. Noch dazu stellen viele Altenheime lieber Teilzeit- als Vollzeitkräfte ein. Es wird versucht, einfach die "Schuld" dem Arbeitnehmer zu geben.

➤ Die CDU hat schon lange den Pfad der Demokratie verlassen. Solange sich die Politiker nicht wie vom Volk eingesetzte Vertreter des Volkes, sondern wie gewählte Herrscher verhalten, ist es mit der Demokratie nicht weit her. Wieso gibt es kein Recht auf Vollzeit? Wieso dürfen Arbeitgeber weiterhin bei Teilzeitbeschäftigten ein Weisungsrecht haben, gerade bei Arbeitgebern, die einem Arbeitnehmer keine Vollzeitstelle anbieten?

Eventuell will jemand, der in der Teilzeitfalle hängt, Vollzeit arbeiten oder dann wenigstens in einem Zweitjob. Das wird aber verbaut, weil der Arbeitgeber den Mitarbeiter flexibel in seiner Teilzeit in Schichten einteilen will. (...)

➤ Es ist erschreckend, wie realitätsfremd die derzeitige Politik unser Leben vom bequemen Mahagoni-Schreibtisch aus plant! Mit zwei Kindern ist es erstens gar nicht möglich, in doppelter Vollzeit zu arbeiten, und zweitens habe ich auch keine Kinder bekommen, um sie dann 10 Stunden am Tag wegzuorganisieren!

1,3 Milliarden Überstunden, von denen über die Hälfte nicht bezahlt werden

➤ Deutschland ist eine pluralistische Gesellschaft. Das heißt auch, dass ich frei darüber entscheiden kann, wie lange und wie viel ich arbeiten kann und will. Der Staat hat sich da nicht einzumischen. Das möchte die Union wohl weiter einschränken - vielleicht sogar abschaffen.

Dabei gibt es Hunderttausende Stellen, die gar nicht für Vollzeit geeignet sind. Zum Beispiel fällt mir die Buchhalterin in kleinen Unternehmen ein, die gar nicht genug Arbeit hat, um arbeitstechnisch auf eine volle Stelle zu kommen.

Seit über einem Jahr nun müssen wir uns anhören, dass wir zu wenig arbeiteten, faul seien. Erst wurde auf Flüchtlingen herumgehackt, dann waren es Arbeitslose, dann Rentner, dann kranke Menschen und nun Arbeitnehmer in Teilzeit.

Gleichzeitig sind wir die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit knapp 84 Millionen Bürgern – hinter den USA und China. Es wird uns erzählt, unser Wohlstand sei in Gefahr. Die (Super-)Reichen haben ihre Vermögen in der Coronapandemie und danach verdoppelt/verdreifacht, während Arbeitnehmer seitdem in der Regel einen Reallohnverlust haben hinnehmen müssen.

Dabei werden in Deutschland rund 1,3 Milliarden Überstunden geleistet, wovon über die Hälfte nicht mal bezahlt werden. Was ich also davon halte: Wenn ich dies ausformulierte, könnte Golem das nicht unzensiert veröffentlichen. Aber wer meinen Text liest, der kann es sich denken.

''Diese Nonsens-Debatte macht mich sprach- und fassungslos''

➤ Die Entscheidung zum eigenen Arbeitsumfang sollte jede Person selbst treffen dürfen, unabhängig von den persönlichen Gründen. Positive Anreize können gerne geschaffen werden, wie eine geringere Steuerlast auf die oberen Prozent der Arbeitszeit oder Ähnliches. CDU/CSU sprechen gerne davon, dass andere Parteien "Verbotsparteien" seien, dabei sind sie ironischerweise selbst diejenigen, die den Menschen Dinge vorschreiben beziehungsweise verbieten.

Für Menschen in gut bezahlten Jobs würde sich trotz veränderter Gesetzeslage nichts ändern, denn die Reduzierung der Arbeitszeit ist dann wieder reine Verhandlungssache. Arbeitgebende werden also eher keiner gut ausgebildeten Fachkraft den Job mit "nur" 80 Prozent verweigern, nur um dann ganz ohne dazustehen.

Problematisch wird es, aus meiner Sicht, dann wieder mal für "eher prekäre" Arbeitsverhältnisse, wo Arbeitsbedingungen sowieso oft schon schlechter sind. Weiterbildung, Abendschule etc. werden somit gerade für diese Menschen schwieriger. Das wird den Zulauf zu den gesichert rechtsextremen Parteien nicht stoppen – im Gegenteil. Mal wieder eine absolut unnötige Diskussion, die sicher nicht dazu führen wird, den Wohlstand in Deutschland zu sichern.

Diese Nonsens-Debatte macht mich mehr und mehr sprach- und fassungslos. Die wirklich wichtigen Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz und Europas Stellung in der veränderten Weltlage rücken dadurch mal wieder in den Hintergrund.

➤ Das Recht auf Teilzeit ist notwendig. Eine transparente Begründung mit allen Konsequenzen geht den Arbeitgeber gar nichts an. Der Arbeitgeber darf ja Gründe wegen Arbeitsplanung dagegen aufbringen, aber die Einschränkung der CDU geht zu weit.

➤ Halte ich für sinnvoll. Allerdings finde ich auch die berücksichtigten Ausnahmen gut.

➤ (...) Wenn sich Vollzeit lohnen würde (Wohneigentum für Normalverdiener oder Ähnliches), dann gäb's auch weniger Teilzeit.

➤ Ich bin vor einiger Zeit in Teilzeit gegangen, weil die Arbeitsbelastung mich kurz vor den Burn-out gebracht hat. Für mich war die Entscheidung damals, die Arbeitszeit zu reduzieren, oder komplett hinzuschmeißen. Seit ich die Arbeitszeit angepasst habe, habe ich wieder Spaß am Job.

Die freie Zeit nutze ich häufig für eigene kleinere Projekte, wodurch ich auch schon einiges gelernt habe, was mir im Job weiterhilft. Entsprechend halte ich von der Einschränkung nicht viel, auch wenn ich selbst mittlerweile plane, wieder in Vollzeit zu gehen. Der Vorschlag ist für mich symptomatisch für eine Regierung, die keinen Plan hat, wie sie das Land voranbringen kann, keine Vision für die Zukunft kennt und deshalb nur mit Druck, Zwang und Schikane arbeitet, anstatt ein Ziel auszugeben, für das es sich zu arbeiten lohnt.

Gerechtere Verteilung von Arbeit

➤ Es geht nicht darum, dass Menschen, die arbeiten, noch mehr arbeiten, sondern es sollte um die gerechtere Verteilung von Arbeit gehen. Es gibt viele Menschen, die gar nicht arbeiten. Daran sollte man etwas ändern.

➤ Das Recht kann man durchaus abschaffen, wenn es betrieblich nicht klappt mit Teilzeit, dann sollte man sich halt etwas anderes suchen.

➤ Wieder mehr Bürokratie, wenn die Teilzeit-Anträge zusätzlich geprüft werden müssen und bei Ablehnung jemand den Klageweg nutzt.

''Es macht mich wütend''

➤ Es macht mich wütend. Zum einen das Menschenbild, das dahinter steht: Alle (abgesehen von uns natürlich) sind faul und müssen gezwungen werden. Zum anderen aus meiner Alltagserfahrung heraus: Zwei Eltern in Vollzeit, da darf nix schiefgehen. Unsere Kita ist 4 km entfernt, weil man zwischen den regulären Wechseln um den Schulstart gar keine Plätze findet in Berlin...

Kita ist regelmäßig zu, Bahnen fahren nicht, Oma und Opa arbeiten selbst noch. Einer hat Büropflicht mit strenger Kernarbeitszeit. Ich kann jeden verstehen, der da reduziert, das ist anstrengend. Man wird weder dem Job noch dem Kind noch dem Partner gerecht, und ich bin froh, dass wir die Energie, die Gesundheit und den Spaß haben, das durchzuziehen. Mir tun die Menschen leid, die (zum Beispiel finanziell) gar keine Wahl haben und einfach müssen. (...)

➤ In meinen Augen sind das selbsternannte Experten. Außerdem kommt mir der gesamte Vorschlag eher arbeitgebernah vor. Ich denke, wenn das kommen würde, würde die Arbeitslosenzahl steigen, weil dann aus zwei Teilzeitstellen eine Vollzeitstelle würde.

➤ Ich denke, es sollte jedem selbst überlassen sein, wie viel/wenig er arbeiten möchte. Sollte staatliche Unterstützung notwendig sein, mag es davon gegebenenfalls Ausnahmen geben. Aber wer regulär beschäftigt ist, sollte die Entscheidung selbst treffen sollen. Es kann ja auch Gründe geben wie extrem hohen Stress oder mehr Zeit für Projekte oder Ehrenamt.

Wenn der Staat Vollzeit fördern will, sollte er überlegen, ob er Stunden über 30 pro Woche steuerlich/sozialabgabentechnisch fördert, über Abschläge.

➤ Anhand der Berichterstattung hatte ich eine andere Erwartung, als die Fakten tatsächlich hergeben. Den Antrag der CDU finde ich von der Grundidee her nicht schlecht, Details müssten noch besser definiert werden. Persönlich bin ich immer der Meinung, dass für Teilzeit zwingende Gründe vorliegen müssen, entweder auf AG- oder AN-Seite (mehr Freizeit zählt für mich nicht darunter, das hätte man vorher vertraglich verhandeln können).

➤ Mein Eindruck ist der gleiche: Es gibt einige Kollegin*innen, die das als Lifestyle-Teilzeit handhaben. Viele mit Pflege, Kindererziehung (völlig ok/verständlich), aber eben auch einige, die arbeiten könnten und es nicht tun.

Was ist "Lifestyle" und was nicht?

➤ Die Abschaffung der Teilzeit wäre ein illegitimer Eingriff in die Freiheit, mein Leben zu gestalten. Sie kann zudem ein Vehikel sein, um Menschen einen Platz im Arbeitsleben zu schaffen, die aus privaten Gründen nicht Vollzeit arbeiten können. Die Entscheidung, welche Teilzeit "Lifestyle" ist und welche aus Notwendigkeit entsteht, ist realitätsfern und kaum umsetzbar.

Wo soll die Grenze gezogen werden? Wer körperlich oder psychisch nicht nachhaltig mehr leisten kann, aber keine ärztliche Diagnose hat oder will, findet in der Teilzeit eine Lösung. Wer schwierig erziehbare Kinder oder Angehörige mit kleinem Pflegebedarf hat, kommt in Teilzeit gut unter.

Wer nebenher eine kleine Selbstständigkeit betreibt, für den bleibt nur Teilzeit möglich. Wer eine sehr belastende Arbeit macht, der kann mit Teilzeit eine Möglichkeit zum Ausgleich schaffen. Wir brauchen mit der Teilzeit eine einfache Lösung, um Schwankungen in der Leistungsfähigkeit und im Zeitbudget auszugleichen.

''Leistungsgesellschaft kann keine Erbengesellschaft sein''

➤ Sehr guter Ansatz. Viele machen einfach Teilzeit und lassen ihre 100-Prozent-Kollegen einen Teil ihrer Arbeit übernehmen. Mache ich auch und es funktioniert.

➤ Der Antrag ist unnötig. Bevor die Menschen damit zeitlich und psychisch belastet werden, sollte zuerst geprüft werden, wie viele Menschen so ein Eingreifen überhaupt betrifft und ob es dann überhaupt noch notwendig ist, so viel Geld zu investieren, ohne entsprechenden Outcome.

➤ Ich halte nichts von den CDU-"Wirtschaftsexperten". Es wird einem ja nichts geschenkt, sondern man bezahlt mit Einkommensverzicht. Lasst doch die ausgebeuteten Minijobber mit einer ordentlichen Anstellung richtig arbeiten.

➤ Es ist ganz großer Quatsch, Zwangsarbeit einzuführen. Allerdings muss man sich schon fragen, ob es fair ist, die Last der Krankenkasse nur auf die Angestellten knapp unterhalb der Bemessungsgrenze und Vollzeitarbeitenden abzuwälzen.

Das bedeutet aber, dass der Mindestbeitrag zur KV höher werden müsste, statt mit der Peitsche zur Zwangsarbeit zu nötigen. Auf der anderen Seite hat die CDU nicht begriffen, dass Leistung Arbeit pro Zeiteinheit ist und die Leistungsgesellschaft eben keine Erbengesellschaft sein kann. Die Partei ist völlig plan- und hilflos und ein einziger Karnevalsverein mit schrägen Figuren an der Spitze.

"Total gegen Lifestyle-Teilzeit"

➤ Ich bin total gegen Lifestyle-Teilzeit. Also gegen den Begriff. Es ist unverschämt, dass Personen herabgewürdigt werden. Ich wette, jeder, der Teilzeit arbeitet, hat dafür seine Gründe, und niemand Außenstehendes hat das Recht, diese zu kritisieren.

Warum nennt ihr die denn "Wirtschaftsexperten"? Nur weil man unbegründete und undurchdachte Meinungen äußert, ist man doch kein Experte, und die sind sicher keine Wirtschaftsexperten, da ein wesentlicher Teil der Wirtschaft – nein, der Wesentliche – die Arbeiter und Konsumenten sind; und von denen haben sie offensichtlich keine Ahnung.

Vermutlich glauben die noch an Trickledown, unendliches Wachstum, Trump und dass der Klimawandel schlimmstenfalls bloß eine weitere Krise ist (und verkennen, dass es die Lösung des Planeten für das Problem Mensch ist).

➤ Es gibt viele Gründe für Teilzeit, zum Beispiel einen langen Arbeitsweg. Das im Vorhinein zu verhindern, halte ich für einen Irrweg.

''Es wird dann einfach mehr Pause gemacht''

➤ Ich könnte mir auch vorstellen, Teilzeit zu beantragen, sollte ich mich danach fühlen oder mehr Zeit für meine Hobbys oder allgemein Freizeit zu brauchen. Das ist eine Lebensqualität, die ich mir nicht wegnehmen lassen möchte, auch wenn ich es noch nicht nutze (die Option, Teilzeit zu arbeiten, ist an sich schon ein Teil Lebensqualität).

➤ Ich halte von dem Vorschlag wirklich gar nichts. Ich halte das für wirklichkeitsfremd und wieder für einen Versuch, Arbeitnehmerrechte zugunsten von rückständigen Unternehmen einzuschränken. Zumal: Von welcher Vollzeit reden die Wirtschaftsexperten überhaupt? 35, 40 oder 42 Stunden? Ich kenne genügend Menschen, die klar sagen, dass sie nicht 40 Stunden in der Woche arbeiten können (Stress, körperliche Belastung, Burn-out-Risiko etc.) – und die Krankenstatistiken geben ihnen da auch recht.

➤ Der Acht-Stunden-Tag wurde vor über 100 Jahren hart erkämpft. Auch wenn es die aktuelle Jugend noch nicht begreift, so ist jede Lockerung zugunsten des Arbeitgebers (also auch bei Teilzeit) eine schleichende Rückkehr zu den unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Industriellen Revolution.

➤ Ich halte von dem Vorschlag nichts. Es wird dann einfach langsamer gearbeitet oder mehr Pause gemacht.

➤ Der Fehler liegt nicht an der Einstellung der Leute, sondern am falschen Management vieler Firmen, siehe Autoindustrie, die nicht konsequent genug auf E-Mobilität gesetzt hat. Auch die Politik hat sich nicht genug unabhängig von Russland und den USA gemacht.

➤ Die Idee ist idiotisch. Wenn die Idee gerecht umgesetzt werden soll, dürften auch Arbeitgeber keine Teilzeit oder saisonalen Stellen anbieten. Wollen die Experten das wirklich?

Noch letztes Jahr hieß es bei der CDU: "Kern der Sozialen Marktwirtschaft ist das Vertrauen in die Menschen"

➤ Ich halte die Debatte für eine reine Nebelkerze. Es gibt viele individuelle gute Gründe für Teilzeit und der gesetzliche Anspruch sollte unbedingt erhalten bleiben. Diese Nebelkerze ist eine weitere Scheindebatte, die das Ziel hat, Arbeitnehmer*innenrechte zu reduzieren und auszuhöhlen.

Teilzeit ist nicht die Ursache für fehlende Produktivität in Deutschland. Würden wir unsere europäische Wirtschaft konsequent auf eine zukunftsgerichtete und nachhaltige Wirtschaft ausrichten und nicht ständig nur Despoten hinterherlaufen, würden wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Stabilisierung der Wirtschaft, Resilienz gegenüber Aggressoren, Klimaschutz und Klimaanpassung, Technologieführerschaft für grüne Technologien, Bildung stärken.

➤ Agenda 2030: Neuer Wohlstand für Deutschland, Beschluss des Bundesvorstandes der CDU Deutschlands, Hamburg, 10./11. Januar 2025, Seite 3:

[...] Das war politische Mikrosteuerung nach ideologischen Wünschen [...] Kern der Sozialen Marktwirtschaft ist das Vertrauen in die Menschen und ihre Eigenverantwortung, in ihre Talente und Fähigkeiten, in Anreize statt Verbote. Gerade in Zeiten wie diesen, in Zeiten großer technischer und wirtschaftlicher Umbrüche, brauchen wir Kreativität und Initiative eines jeden Einzelnen. Mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung, weniger Zwang und Staatsgläubigkeit – das ist der richtige Weg [...]

➤ Inhaltlich hanebüchen. Es gibt sehr viele Gründe, weshalb jemand Teilzeit arbeitet, neben den "erlaubten" wie Kinderbetreuung, Altenpflege oder Weiterbildung. Mal abgesehen davon, dass man das im Zweifelsfall ja anhand objektiver Kriterien irgendwie nachweisen müsste.

Zu weniger Bürokratie würde der Nachweis sicherlich nicht führen. In meinem Fall arbeite ich im Hauptjob "nur" 36 Stunden, in den verbleibenden 4 Stunden arbeite ich selbstständig. Unterm Strich sind es meistens deutlich mehr als nur 4 Stunden und damit deutlich mehr als die anvisierten 40 Stunden.

Aber Selbstständige werden ja insbesondere von CDU-geführten Regierungen gerne mal übersehen/ignoriert (Stichwort "Aktivrente"). Letztendlich lenkt die Debatte davon ab, dass man die nötigen Reformen seit Jahrzehnten verschläft und nicht wirklich etwas ändert.

➤ Ich halte den Vorschlag in Grenzen für sinnvoll. Frauen sollten mehr arbeiten. Allerdings ist das ohne Steuersenkungen für die arbeitende Bevölkerung nutzlos, und die falsche Partei wird weiter erstarken, wenn es sich nicht für alle mehr lohnt (zu arbeiten).

➤ Bei mir im Unternehmen arbeiten derzeit in einer Vertriebsabteilung zwei Drittel der Mitarbeiter in Teilzeit. Einige davon haben Kinder, andere einen Hund, wollen kürzertreten (nicht nahe der Rente!). Der Geschäftsbetrieb ist aufgrund verschiedenster Arbeitszeitmodelle der Teilzeitkräfte schwer aufrechtzuerhalten.

Ich als Vollzeitkraft bin daher dafür, Teilzeit nur begründet zu genehmigen, also wegen minderjähriger Kinder wie auch Pflege von Angehörigen. Gleichzeitig sollte jedoch auch ein Rückkehranspruch in Vollzeit in das Teilzeitbefristungsgesetz aufgenommen werden.

Es kann nicht sein, dass ein Anspruch auf Verkürzung der Arbeitszeit rechtlich durchsetzbar ist, eine Aufstockung, vor allem in Zeiten von Fachkräftemangel dann nicht. Auch sollte die Teilzeit auf Sachgrundbasis befristet sein, also: Sind die Kinder volljährig oder aus dem Haus, ist wieder Vollzeitpflicht gemäß ursprünglichem Arbeitsvertrag.

Ich glaube nicht, dass wir mit dem jetzigen Modell in Zukunft unseren Wohlstand aufrechterhalten oder ausbauen, wenn durch die Teilzeit eine zukünftige Verlagerung alleine der Gesundheits- und Rentenkosten in der Hauptsache von Vollzeitkräften erwirtschaftet wird.

Mehr gesellschaftliches Engagement bei Teilzeit

➤ Ich halte die komplette Diskussion (wie so häufig) für eine reine Nebelkerze, um von anderen Themen abzulenken. Das reale Einsparungspotenzial für den Sozialstaat ist gemessen an Haushalt und Ausgaben marginal und die Gründe für Teilzeitarbeit sind deutlich vielschichtiger, als Pflege, Kinder und "Lifestyle". Und am Ende einer wochenlangen Debatte, Dutzenden Talkshows und Horror-Schlagzeilen in der Boulevardpresse hat eigentlich keine der regierenden Parteien etwas gewonnen. Lediglich der rechte Rand lacht sich ins Fäustchen, weil die Union wieder einmal unfreiwillig den Steigbügelhalter gegeben hat.

➤ Wieso soll es gut sein, wenn von einem Paar einer 100 und der andere 0 Prozent arbeitet, aber schlecht, wenn sich beide dafür entscheiden, 70 Prozent zu arbeiten? Aus meiner persönlichen Erfahrung sind es gerade die, die freiwillig auf 70 oder 80 Prozent runtergehen, die sich in der dann frei gewordenen Zeit gesellschaftlich einbringen. Das würde man damit sehr effektiv verhindern.

''Arrogant, den Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben einzuteilen haben''

➤ Völliger Quatsch. Die CDU zeigt mal wieder, wie weit weg sie von der Lebensrealität der Menschen ist. Wer wirklich Vollzeitarbeit fördern will, sollte sie auch fördern, zum Beispiel durch bessere, längere und verlässlichere Kinderbetreuung, Abschaffung der Kita-Gebühren, flächendeckende Ganztagsschulen, entsprechende (finanzielle) Motivation der angeblichen "Lifestyle-"TeilzeiterInnen und vor allem durch moderne Arbeitsumgebungen und Aufgaben.

Stattdessen erweist sich die CDU seit 30 Jahren als Innovationsbremse: moderne Technologien (E-Autos, Batterien, Solar, Windkraft) werden erst teuer mit Forschungsmilliarden unterstützt entwickelt, sobald aber einsatzreif, durch CDU-Wirtschaftsminister (Altmeier, Gas-Kati...) kaputt reguliert, um alte Industrien zu schützen und den Strukturwandel aufzuhalten.

Das verhindert die Modernisierung unserer Industrie und Arbeitswelt und sorgt halt auch dafür, dass viele einfach keine Lust mehr haben. Besonders die Leute frisch von der Uni oder der Ausbildung haben dann erst mal den "Kulturschock" ihres Lebens nach Einstieg in einem typisch deutschen Industriebetrieb (oder einer Behörde): kaum Digitalisierung, Arbeit an den Produkten von vorgestern, kaum Durchhaltevermögen (obwohl in den deutschen Familienunternehmen genug Eigenkapital vorhanden wäre), um neue Produkte von der Entwicklung in den industriellen Reifegrad zu bringen; zu viel interne (Industrie-)Bürokratie und in den operativen Abteilungen (also da, wo das Geld verdient wird) andauernd Spar- und Kürzungsrunden und damit mehr Stress.

Dann doch lieber geplanten Stress. Jeder, der von Voll- auf Teilzeit geht, weiß, dass er nun sein bisheriges Arbeitspensum einfach in noch weniger Zeit leisten darf und gerade freiwillig sein Gehalt gekürzt hat, aber dafür früher nach Hause darf oder ein bis zwei Tage mehr Freizeit pro Woche hat.

➤ In der Regel sitzen die Menschen, die Teilzeit arbeiten, in der "freien" Zeit nicht herum und drehen Däumchen. Ich kenne Leute, die weniger arbeiten, um mehr Zeit für Open-Source-Projekte zu haben. Oder sie gehen einer Nebentätigkeit nach. Beides hilft der Wirtschaft. Es ist irgendwie arrogant, den Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben einzuteilen haben.

➤ Grundsätzlich ist meiner Einschätzung nach die Regelung zu Teilzeit in einigen wenigen Ausnahmen zu weit gegangen, zum Beispiel, wenn dies die Freiheit des Arbeitgebers einschränkt, in welcher Tätigkeit man eingesetzt wird, und es zu Klagen auf andere Tätigkeiten kommt, als jene, zu denen man eingestellt wurde. Dies ist aber die absolute Ausnahme und sollte mit kleineren Korrekturen lösbar sein. Im Großen und Ganzen funktioniert es und es sollte weiterhin nur bei sehr gutem Grund Ausnahmen geben dürfen.

"Absoluter Schwachsinn"

➤ Habe mich mit meiner Partnerin entschieden, dass wir beide zur Betreuung des Nachwuchs in Teilzeit gehen. Für uns und den Nachwuchs super. Auch dass wir nicht gezwungen sind, bis abends in Betreuung zu geben, sondern am frühen Nachmittag abholen.

Aus Arbeitgebersicht vermutlich eher nicht so toll, und er hätte es nicht gemacht, wenn er nicht gemusst hätte. Der AG hat ein Grundrauschen pro Mitarbeiter mit Schulungen, Allhandsmeetings, Scrum-Meetings etc. Außerdem ist der Nachwuchs auch mal krank, und da eben nicht Mama die ganze Zeit daheim ist, bleibt einer der beiden der Arbeit fern. Sollte man es deshalb abschaffen? Nein.

➤ Absoluter Schwachsinn. Anstatt mit Verboten zu agieren, sollte man lieber einen wirtschaftlichen Anreiz entwickeln, damit Leute in Vollzeit auch deutlich mehr davon haben. Der monetäre Abzug von Teilzeit ist oftmals zu gering im Vergleich zur gewonnenen Lebenszeit. An sich finde ich es eine Frechheit, dass gerade Politiker dafür abstimmen.

Was ist mit der viel beschworenen Eigenverantwortung?

➤ Bei jeder Gelegenheit wird die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer ins Feld geführt – aber hier gelten plötzlich andere Prioritäten. Klar ist die Organisation in einem Team mit Teilzeitkräften gelegentlich anstrengend, aber auf der anderen Seite gewinnt man so motivierte Mitarbeiter, die ihre Zeit produktiv nutzen und dem Betrieb langfristig erhalten bleiben, ohne auszubrennen.

➤ Wenn man auf optimale Kinderbetreuung und solide und bezahlbar organisierte Altenbetreuung bauen könnte, wäre Teilzeit kaum nötig. Wer zu viel verdient, kommt nur durch Teilzeit aus der privaten Krankenversicherung raus. Wer lange pendeln muss, braucht einen Tag mehr Wochenende, um Erholung zu finden. Alles Faktoren, die man mittels Teilzeit kontern muss, weil es in Deutschland mies organisiert ist. Daran sollten die CDU-Dullies arbeiten, anstatt wieder so eine Sau durchs Dorf zu jagen.

➤ Ich finde es richtig, dass alle ihren Beitrag zum Sozialstaat leisten müssen. Was mich stört, ist die polarisierende Polemik. Jeder sollte entscheiden können, ob er weniger arbeiten möchte. Die Sozialabgaben sollten sich bei freiwilliger Teilzeit jedoch immer auf ein projiziertes Vollzeitgehalt beziehen.

➤ Guter Vorschlag, standardmäßig nur noch einen Rechtsanspruch auf Teilzeit bei besonderen Gründen zuzulassen. Aus meiner Sicht reden wir hier noch immer von einem Rechtsanspruch. Nichts spricht dagegen, dass einzelne Firmen aus Gründen des Employer Brandings weiterhin flexibel mit Teilzeit umgehen oder, um gute Mitarbeitende zu halten, Einzelvereinbarungen zu treffen. Zusätzlich sollten aber auch die Gründe für hohe Teilzeitzahlen wie mangelnde Kapazitäten in der Kinderbetreuung angegangen werden.

➤ Grundsätzlich arbeitet Deutschland zu wenig, wir sind wohlstandsübersättigt. Dennoch sollte die Arbeitszeit weiter zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden können. Den Rechtsanspruch auf Teilzeit lehne ich als zu einseitig ab, auch hier sollte die Ausgestaltung den Vertragsparteien überlassen werden.

"Großteil der Jugend will eher chillen als arbeiten"

➤ Guter Ansatz. IMHO will ein Großteil der heutigen Jugend eher chillen als arbeiten. Da die Aussicht auf eine wirkliche Rente trübe ist, wird die Altersversorgung als eine Pflichtleistung vom Staat angesehen. Schuld an allem sind die vergangenen Regierungen. Eine Überarbeitung des Rentensystems wurde 50 Jahre verpennt.

➤ Eigentlich müsste man das Problem von hinten heraus aufrollen. Wie sollen Eltern in der heutigen Zeit in Vollzeit arbeiten gehen, wenn es unter anderem nicht genügend Kita- oder OGS-Plätze gibt? Die aktuelle Anfrage ist höher als das tatsächliche Angebot. Zumal ein Kind heutzutage auch unfassbar viel Geld kostet.

Das soll nicht heißen, dass es früher "besser" war. Früher gab es kein Internet, keine hohe Inflation, keine Shrinkflation und so weiter – die Lebensumstände haben sich klar geändert. Leider passt das aktuelle Gehalt nicht proportional zu den aktuellen Kosten (Strom, Wasser, Heizung, Lebensmittel).

Und wenn man alleinerziehend ist, wird das Ganze noch einmal schwieriger. Ein Beispiel: Meine Wohnung (Innenstadt) hat vor 15 Jahren mit 80 qm nur 480 Euro warm gekostet. Die gleiche Wohnung kostet nun knapp unter 1.000 Euro warm. Finde den Fehler...

➤ Absolut richtig, wir haben Bewerber, die eine Ausbildung in Teilzeit auf sechs Jahre machen wollen.

➤ Ab wann beginnt denn die Lifestyle-Teilzeit? Ich arbeite 37,5 Stunden statt 40. Bei uns ist das Teilzeit, in einem tarifgebundenen Konzern ist das Vollzeit.

Aber warum sollte ich als AN auf mein Recht auf Teilzeit verzichten wollen? Nene, das Gesetz bleibt mal schön so, wie es ist. Die CDU hat mit ihrer Wohnungspolitik ja ohnehin den Zwang zur Mehrarbeit geschaffen, damit nach der Miete noch was übrig bleibt.

Da sind genug externe Zwänge. "Wirtschaftsexperten" sind das mitnichten. Die Mittelstandsunion ist eine Lobbygruppe, die sich dem Namen nach an die CDU angliedert. Habt ihr die Anstalt nicht geschaut? Die hatten eine wunderbare Tafelnummer. Wieso denn dieser Euphemismus in der Fragestellung, statt einfach Mittelstandsunion?


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