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Was ist mit der viel beschworenen Eigenverantwortung?

➤ Bei jeder Gelegenheit wird die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer ins Feld geführt – aber hier gelten plötzlich andere Prioritäten. Klar ist die Organisation in einem Team mit Teilzeitkräften gelegentlich anstrengend, aber auf der anderen Seite gewinnt man so motivierte Mitarbeiter, die ihre Zeit produktiv nutzen und dem Betrieb langfristig erhalten bleiben, ohne auszubrennen.

➤ Wenn man auf optimale Kinderbetreuung und solide und bezahlbar organisierte Altenbetreuung bauen könnte, wäre Teilzeit kaum nötig. Wer zu viel verdient, kommt nur durch Teilzeit aus der privaten Krankenversicherung raus. Wer lange pendeln muss, braucht einen Tag mehr Wochenende, um Erholung zu finden. Alles Faktoren, die man mittels Teilzeit kontern muss, weil es in Deutschland mies organisiert ist. Daran sollten die CDU-Dullies arbeiten, anstatt wieder so eine Sau durchs Dorf zu jagen.

➤ Ich finde es richtig, dass alle ihren Beitrag zum Sozialstaat leisten müssen. Was mich stört, ist die polarisierende Polemik. Jeder sollte entscheiden können, ob er weniger arbeiten möchte. Die Sozialabgaben sollten sich bei freiwilliger Teilzeit jedoch immer auf ein projiziertes Vollzeitgehalt beziehen.

➤ Guter Vorschlag, standardmäßig nur noch einen Rechtsanspruch auf Teilzeit bei besonderen Gründen zuzulassen. Aus meiner Sicht reden wir hier noch immer von einem Rechtsanspruch. Nichts spricht dagegen, dass einzelne Firmen aus Gründen des Employer Brandings weiterhin flexibel mit Teilzeit umgehen oder, um gute Mitarbeitende zu halten, Einzelvereinbarungen zu treffen. Zusätzlich sollten aber auch die Gründe für hohe Teilzeitzahlen wie mangelnde Kapazitäten in der Kinderbetreuung angegangen werden.

➤ Grundsätzlich arbeitet Deutschland zu wenig, wir sind wohlstandsübersättigt. Dennoch sollte die Arbeitszeit weiter zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden können. Den Rechtsanspruch auf Teilzeit lehne ich als zu einseitig ab, auch hier sollte die Ausgestaltung den Vertragsparteien überlassen werden.

"Großteil der Jugend will eher chillen als arbeiten"

➤ Guter Ansatz. IMHO will ein Großteil der heutigen Jugend eher chillen als arbeiten. Da die Aussicht auf eine wirkliche Rente trübe ist, wird die Altersversorgung als eine Pflichtleistung vom Staat angesehen. Schuld an allem sind die vergangenen Regierungen. Eine Überarbeitung des Rentensystems wurde 50 Jahre verpennt.

➤ Eigentlich müsste man das Problem von hinten heraus aufrollen. Wie sollen Eltern in der heutigen Zeit in Vollzeit arbeiten gehen, wenn es unter anderem nicht genügend Kita- oder OGS-Plätze gibt? Die aktuelle Anfrage ist höher als das tatsächliche Angebot. Zumal ein Kind heutzutage auch unfassbar viel Geld kostet.

Das soll nicht heißen, dass es früher "besser" war. Früher gab es kein Internet, keine hohe Inflation, keine Shrinkflation und so weiter – die Lebensumstände haben sich klar geändert. Leider passt das aktuelle Gehalt nicht proportional zu den aktuellen Kosten (Strom, Wasser, Heizung, Lebensmittel).

Und wenn man alleinerziehend ist, wird das Ganze noch einmal schwieriger. Ein Beispiel: Meine Wohnung (Innenstadt) hat vor 15 Jahren mit 80 qm nur 480 Euro warm gekostet. Die gleiche Wohnung kostet nun knapp unter 1.000 Euro warm. Finde den Fehler...

➤ Absolut richtig, wir haben Bewerber, die eine Ausbildung in Teilzeit auf sechs Jahre machen wollen.

➤ Ab wann beginnt denn die Lifestyle-Teilzeit? Ich arbeite 37,5 Stunden statt 40. Bei uns ist das Teilzeit, in einem tarifgebundenen Konzern ist das Vollzeit.

Aber warum sollte ich als AN auf mein Recht auf Teilzeit verzichten wollen? Nene, das Gesetz bleibt mal schön so, wie es ist. Die CDU hat mit ihrer Wohnungspolitik ja ohnehin den Zwang zur Mehrarbeit geschaffen, damit nach der Miete noch was übrig bleibt.

Da sind genug externe Zwänge. "Wirtschaftsexperten" sind das mitnichten. Die Mittelstandsunion ist eine Lobbygruppe, die sich dem Namen nach an die CDU angliedert. Habt ihr die Anstalt nicht geschaut? Die hatten eine wunderbare Tafelnummer. Wieso denn dieser Euphemismus in der Fragestellung, statt einfach Mittelstandsunion?


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