''Arrogant, den Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben einzuteilen haben''
➤ Völliger Quatsch. Die CDU zeigt mal wieder, wie weit weg sie von der Lebensrealität der Menschen ist. Wer wirklich Vollzeitarbeit fördern will, sollte sie auch fördern, zum Beispiel durch bessere, längere und verlässlichere Kinderbetreuung, Abschaffung der Kita-Gebühren, flächendeckende Ganztagsschulen, entsprechende (finanzielle) Motivation der angeblichen "Lifestyle-"TeilzeiterInnen und vor allem durch moderne Arbeitsumgebungen und Aufgaben.
Stattdessen erweist sich die CDU seit 30 Jahren als Innovationsbremse: moderne Technologien (E-Autos, Batterien, Solar, Windkraft) werden erst teuer mit Forschungsmilliarden unterstützt entwickelt, sobald aber einsatzreif, durch CDU-Wirtschaftsminister (Altmeier, Gas-Kati...) kaputt reguliert, um alte Industrien zu schützen und den Strukturwandel aufzuhalten.
Das verhindert die Modernisierung unserer Industrie und Arbeitswelt und sorgt halt auch dafür, dass viele einfach keine Lust mehr haben. Besonders die Leute frisch von der Uni oder der Ausbildung haben dann erst mal den "Kulturschock" ihres Lebens nach Einstieg in einem typisch deutschen Industriebetrieb (oder einer Behörde): kaum Digitalisierung, Arbeit an den Produkten von vorgestern, kaum Durchhaltevermögen (obwohl in den deutschen Familienunternehmen genug Eigenkapital vorhanden wäre), um neue Produkte von der Entwicklung in den industriellen Reifegrad zu bringen; zu viel interne (Industrie-)Bürokratie und in den operativen Abteilungen (also da, wo das Geld verdient wird) andauernd Spar- und Kürzungsrunden und damit mehr Stress.
Dann doch lieber geplanten Stress. Jeder, der von Voll- auf Teilzeit geht, weiß, dass er nun sein bisheriges Arbeitspensum einfach in noch weniger Zeit leisten darf und gerade freiwillig sein Gehalt gekürzt hat, aber dafür früher nach Hause darf oder ein bis zwei Tage mehr Freizeit pro Woche hat.
➤ In der Regel sitzen die Menschen, die Teilzeit arbeiten, in der "freien" Zeit nicht herum und drehen Däumchen. Ich kenne Leute, die weniger arbeiten, um mehr Zeit für Open-Source-Projekte zu haben. Oder sie gehen einer Nebentätigkeit nach. Beides hilft der Wirtschaft. Es ist irgendwie arrogant, den Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben einzuteilen haben.
➤ Grundsätzlich ist meiner Einschätzung nach die Regelung zu Teilzeit in einigen wenigen Ausnahmen zu weit gegangen, zum Beispiel, wenn dies die Freiheit des Arbeitgebers einschränkt, in welcher Tätigkeit man eingesetzt wird, und es zu Klagen auf andere Tätigkeiten kommt, als jene, zu denen man eingestellt wurde. Dies ist aber die absolute Ausnahme und sollte mit kleineren Korrekturen lösbar sein. Im Großen und Ganzen funktioniert es und es sollte weiterhin nur bei sehr gutem Grund Ausnahmen geben dürfen.
"Absoluter Schwachsinn"
➤ Habe mich mit meiner Partnerin entschieden, dass wir beide zur Betreuung des Nachwuchs in Teilzeit gehen. Für uns und den Nachwuchs super. Auch dass wir nicht gezwungen sind, bis abends in Betreuung zu geben, sondern am frühen Nachmittag abholen.
Aus Arbeitgebersicht vermutlich eher nicht so toll, und er hätte es nicht gemacht, wenn er nicht gemusst hätte. Der AG hat ein Grundrauschen pro Mitarbeiter mit Schulungen, Allhandsmeetings, Scrum-Meetings etc. Außerdem ist der Nachwuchs auch mal krank, und da eben nicht Mama die ganze Zeit daheim ist, bleibt einer der beiden der Arbeit fern. Sollte man es deshalb abschaffen? Nein.
➤ Absoluter Schwachsinn. Anstatt mit Verboten zu agieren, sollte man lieber einen wirtschaftlichen Anreiz entwickeln, damit Leute in Vollzeit auch deutlich mehr davon haben. Der monetäre Abzug von Teilzeit ist oftmals zu gering im Vergleich zur gewonnenen Lebenszeit. An sich finde ich es eine Frechheit, dass gerade Politiker dafür abstimmen.



