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''Es wird dann einfach mehr Pause gemacht''

➤ Ich könnte mir auch vorstellen, Teilzeit zu beantragen, sollte ich mich danach fühlen oder mehr Zeit für meine Hobbys oder allgemein Freizeit zu brauchen. Das ist eine Lebensqualität, die ich mir nicht wegnehmen lassen möchte, auch wenn ich es noch nicht nutze (die Option, Teilzeit zu arbeiten, ist an sich schon ein Teil Lebensqualität).

➤ Ich halte von dem Vorschlag wirklich gar nichts. Ich halte das für wirklichkeitsfremd und wieder für einen Versuch, Arbeitnehmerrechte zugunsten von rückständigen Unternehmen einzuschränken. Zumal: Von welcher Vollzeit reden die Wirtschaftsexperten überhaupt? 35, 40 oder 42 Stunden? Ich kenne genügend Menschen, die klar sagen, dass sie nicht 40 Stunden in der Woche arbeiten können (Stress, körperliche Belastung, Burn-out-Risiko etc.) – und die Krankenstatistiken geben ihnen da auch recht.

➤ Der Acht-Stunden-Tag wurde vor über 100 Jahren hart erkämpft. Auch wenn es die aktuelle Jugend noch nicht begreift, so ist jede Lockerung zugunsten des Arbeitgebers (also auch bei Teilzeit) eine schleichende Rückkehr zu den unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Industriellen Revolution.

➤ Ich halte von dem Vorschlag nichts. Es wird dann einfach langsamer gearbeitet oder mehr Pause gemacht.

➤ Der Fehler liegt nicht an der Einstellung der Leute, sondern am falschen Management vieler Firmen, siehe Autoindustrie, die nicht konsequent genug auf E-Mobilität gesetzt hat. Auch die Politik hat sich nicht genug unabhängig von Russland und den USA gemacht.

➤ Die Idee ist idiotisch. Wenn die Idee gerecht umgesetzt werden soll, dürften auch Arbeitgeber keine Teilzeit oder saisonalen Stellen anbieten. Wollen die Experten das wirklich?

Noch letztes Jahr hieß es bei der CDU: "Kern der Sozialen Marktwirtschaft ist das Vertrauen in die Menschen"

➤ Ich halte die Debatte für eine reine Nebelkerze. Es gibt viele individuelle gute Gründe für Teilzeit und der gesetzliche Anspruch sollte unbedingt erhalten bleiben. Diese Nebelkerze ist eine weitere Scheindebatte, die das Ziel hat, Arbeitnehmer*innenrechte zu reduzieren und auszuhöhlen.

Teilzeit ist nicht die Ursache für fehlende Produktivität in Deutschland. Würden wir unsere europäische Wirtschaft konsequent auf eine zukunftsgerichtete und nachhaltige Wirtschaft ausrichten und nicht ständig nur Despoten hinterherlaufen, würden wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Stabilisierung der Wirtschaft, Resilienz gegenüber Aggressoren, Klimaschutz und Klimaanpassung, Technologieführerschaft für grüne Technologien, Bildung stärken.

➤ Agenda 2030: Neuer Wohlstand für Deutschland, Beschluss des Bundesvorstandes der CDU Deutschlands, Hamburg, 10./11. Januar 2025, Seite 3:

[...] Das war politische Mikrosteuerung nach ideologischen Wünschen [...] Kern der Sozialen Marktwirtschaft ist das Vertrauen in die Menschen und ihre Eigenverantwortung, in ihre Talente und Fähigkeiten, in Anreize statt Verbote. Gerade in Zeiten wie diesen, in Zeiten großer technischer und wirtschaftlicher Umbrüche, brauchen wir Kreativität und Initiative eines jeden Einzelnen. Mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung, weniger Zwang und Staatsgläubigkeit – das ist der richtige Weg [...]

➤ Inhaltlich hanebüchen. Es gibt sehr viele Gründe, weshalb jemand Teilzeit arbeitet, neben den "erlaubten" wie Kinderbetreuung, Altenpflege oder Weiterbildung. Mal abgesehen davon, dass man das im Zweifelsfall ja anhand objektiver Kriterien irgendwie nachweisen müsste.

Zu weniger Bürokratie würde der Nachweis sicherlich nicht führen. In meinem Fall arbeite ich im Hauptjob "nur" 36 Stunden, in den verbleibenden 4 Stunden arbeite ich selbstständig. Unterm Strich sind es meistens deutlich mehr als nur 4 Stunden und damit deutlich mehr als die anvisierten 40 Stunden.

Aber Selbstständige werden ja insbesondere von CDU-geführten Regierungen gerne mal übersehen/ignoriert (Stichwort "Aktivrente"). Letztendlich lenkt die Debatte davon ab, dass man die nötigen Reformen seit Jahrzehnten verschläft und nicht wirklich etwas ändert.

➤ Ich halte den Vorschlag in Grenzen für sinnvoll. Frauen sollten mehr arbeiten. Allerdings ist das ohne Steuersenkungen für die arbeitende Bevölkerung nutzlos, und die falsche Partei wird weiter erstarken, wenn es sich nicht für alle mehr lohnt (zu arbeiten).

➤ Bei mir im Unternehmen arbeiten derzeit in einer Vertriebsabteilung zwei Drittel der Mitarbeiter in Teilzeit. Einige davon haben Kinder, andere einen Hund, wollen kürzertreten (nicht nahe der Rente!). Der Geschäftsbetrieb ist aufgrund verschiedenster Arbeitszeitmodelle der Teilzeitkräfte schwer aufrechtzuerhalten.

Ich als Vollzeitkraft bin daher dafür, Teilzeit nur begründet zu genehmigen, also wegen minderjähriger Kinder wie auch Pflege von Angehörigen. Gleichzeitig sollte jedoch auch ein Rückkehranspruch in Vollzeit in das Teilzeitbefristungsgesetz aufgenommen werden.

Es kann nicht sein, dass ein Anspruch auf Verkürzung der Arbeitszeit rechtlich durchsetzbar ist, eine Aufstockung, vor allem in Zeiten von Fachkräftemangel dann nicht. Auch sollte die Teilzeit auf Sachgrundbasis befristet sein, also: Sind die Kinder volljährig oder aus dem Haus, ist wieder Vollzeitpflicht gemäß ursprünglichem Arbeitsvertrag.

Ich glaube nicht, dass wir mit dem jetzigen Modell in Zukunft unseren Wohlstand aufrechterhalten oder ausbauen, wenn durch die Teilzeit eine zukünftige Verlagerung alleine der Gesundheits- und Rentenkosten in der Hauptsache von Vollzeitkräften erwirtschaftet wird.

Mehr gesellschaftliches Engagement bei Teilzeit

➤ Ich halte die komplette Diskussion (wie so häufig) für eine reine Nebelkerze, um von anderen Themen abzulenken. Das reale Einsparungspotenzial für den Sozialstaat ist gemessen an Haushalt und Ausgaben marginal und die Gründe für Teilzeitarbeit sind deutlich vielschichtiger, als Pflege, Kinder und "Lifestyle". Und am Ende einer wochenlangen Debatte, Dutzenden Talkshows und Horror-Schlagzeilen in der Boulevardpresse hat eigentlich keine der regierenden Parteien etwas gewonnen. Lediglich der rechte Rand lacht sich ins Fäustchen, weil die Union wieder einmal unfreiwillig den Steigbügelhalter gegeben hat.

➤ Wieso soll es gut sein, wenn von einem Paar einer 100 und der andere 0 Prozent arbeitet, aber schlecht, wenn sich beide dafür entscheiden, 70 Prozent zu arbeiten? Aus meiner persönlichen Erfahrung sind es gerade die, die freiwillig auf 70 oder 80 Prozent runtergehen, die sich in der dann frei gewordenen Zeit gesellschaftlich einbringen. Das würde man damit sehr effektiv verhindern.


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