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''Es macht mich wütend''

➤ Es macht mich wütend. Zum einen das Menschenbild, das dahinter steht: Alle (abgesehen von uns natürlich) sind faul und müssen gezwungen werden. Zum anderen aus meiner Alltagserfahrung heraus: Zwei Eltern in Vollzeit, da darf nix schiefgehen. Unsere Kita ist 4 km entfernt, weil man zwischen den regulären Wechseln um den Schulstart gar keine Plätze findet in Berlin...

Kita ist regelmäßig zu, Bahnen fahren nicht, Oma und Opa arbeiten selbst noch. Einer hat Büropflicht mit strenger Kernarbeitszeit. Ich kann jeden verstehen, der da reduziert, das ist anstrengend. Man wird weder dem Job noch dem Kind noch dem Partner gerecht, und ich bin froh, dass wir die Energie, die Gesundheit und den Spaß haben, das durchzuziehen. Mir tun die Menschen leid, die (zum Beispiel finanziell) gar keine Wahl haben und einfach müssen. (...)

➤ In meinen Augen sind das selbsternannte Experten. Außerdem kommt mir der gesamte Vorschlag eher arbeitgebernah vor. Ich denke, wenn das kommen würde, würde die Arbeitslosenzahl steigen, weil dann aus zwei Teilzeitstellen eine Vollzeitstelle würde.

➤ Ich denke, es sollte jedem selbst überlassen sein, wie viel/wenig er arbeiten möchte. Sollte staatliche Unterstützung notwendig sein, mag es davon gegebenenfalls Ausnahmen geben. Aber wer regulär beschäftigt ist, sollte die Entscheidung selbst treffen sollen. Es kann ja auch Gründe geben wie extrem hohen Stress oder mehr Zeit für Projekte oder Ehrenamt.

Wenn der Staat Vollzeit fördern will, sollte er überlegen, ob er Stunden über 30 pro Woche steuerlich/sozialabgabentechnisch fördert, über Abschläge.

➤ Anhand der Berichterstattung hatte ich eine andere Erwartung, als die Fakten tatsächlich hergeben. Den Antrag der CDU finde ich von der Grundidee her nicht schlecht, Details müssten noch besser definiert werden. Persönlich bin ich immer der Meinung, dass für Teilzeit zwingende Gründe vorliegen müssen, entweder auf AG- oder AN-Seite (mehr Freizeit zählt für mich nicht darunter, das hätte man vorher vertraglich verhandeln können).

➤ Mein Eindruck ist der gleiche: Es gibt einige Kollegin*innen, die das als Lifestyle-Teilzeit handhaben. Viele mit Pflege, Kindererziehung (völlig ok/verständlich), aber eben auch einige, die arbeiten könnten und es nicht tun.

Was ist "Lifestyle" und was nicht?

➤ Die Abschaffung der Teilzeit wäre ein illegitimer Eingriff in die Freiheit, mein Leben zu gestalten. Sie kann zudem ein Vehikel sein, um Menschen einen Platz im Arbeitsleben zu schaffen, die aus privaten Gründen nicht Vollzeit arbeiten können. Die Entscheidung, welche Teilzeit "Lifestyle" ist und welche aus Notwendigkeit entsteht, ist realitätsfern und kaum umsetzbar.

Wo soll die Grenze gezogen werden? Wer körperlich oder psychisch nicht nachhaltig mehr leisten kann, aber keine ärztliche Diagnose hat oder will, findet in der Teilzeit eine Lösung. Wer schwierig erziehbare Kinder oder Angehörige mit kleinem Pflegebedarf hat, kommt in Teilzeit gut unter.

Wer nebenher eine kleine Selbstständigkeit betreibt, für den bleibt nur Teilzeit möglich. Wer eine sehr belastende Arbeit macht, der kann mit Teilzeit eine Möglichkeit zum Ausgleich schaffen. Wir brauchen mit der Teilzeit eine einfache Lösung, um Schwankungen in der Leistungsfähigkeit und im Zeitbudget auszugleichen.


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