''Ich sehe mich nicht als Knecht welcher Macht auch immer''
➤ Da zeigt sich wieder, dass jeder Spinner sich einfach Experte nennen darf. Nichts Brauchbares für die Gesellschaft geleistet, aber rumschreien. Die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, ist eine gute Sache. Auch wenn Studien immer wieder belegt haben, dass viele Teilzeitkräfte auch gerne Vollzeit arbeiten würden.
Das Problem ist ja nicht, dass Teilzeit gearbeitet wird, sondern dass diese Personen oftmals keine Wahl haben. Die Politik versäumt es seit Jahrzehnten, eine vernünftige Daseinsvorsorge zu schaffen. Es gibt keine vernünftige Kinderbetreuung, und das Wenige, was da ist, wird dann meist noch von den Kirchen gestemmt.
Aber selbst das Wort "marode" trifft es nicht mal im Ansatz. Da soll ein Ganztagesbetreuungsplatz für jedes Kind da sein. In der Realität können die Einrichtungen das nicht mal im Ansatz durchsetzen. Wenn von der Regelzeit 60 Prozent im Jahresdurchschnitt erreicht werden, sind viele Eltern schon froh. Wie sollen Eltern denn Vollzeit arbeiten, wenn sie nicht mal wissen, wie ihre Kinder betreut werden sollen? Das gleiche Bild in der Pflege.
➤ Ich finde den Vorschlag gut. Nur die sollten TZ arbeiten, die es Betreuungs- oder Gesundheitsgründen müssen.
➤ Die letzten drei Jahre vor meinem Ruhestand (bin zum frühestmöglichen Zeitpunkt in Rente gegangen, trotz Abschlägen, zum 1.Juli 2025) habe ich nur noch vier Tage pro Woche gearbeitet. Natürlich mit entsprechenden Einbußen beim Gehalt. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich nie wieder Vollzeit arbeiten wollte.
Ich habe letztlich für meinen Lebensunterhalt gearbeitet, für nicht mehr und nicht weniger. Ich sehe mich nicht als Knecht welcher Macht auch immer. Wenn die Miete bezahlt ist und der Kühlschrank voll und bei Bedarf ein Paar Schuhe drin sind, dann genügt mir das.
➤ Ich finde es wirklich problematisch, dass ein Teil der Union immer stärker das Problem auf die Arbeitnehmer abwälzt, anstatt mal kritisch zu hinterfragen, warum wir vielleicht wirtschaftliche Probleme haben: Fachkräftemangel, fehlende Digitalisierung, schlechte Strukturen, fehlende Führungkräftekompetenzen, fehlende Betreuungsplätze etc.
Anstatt diese Themen mit den Behörden und den Firmen anzugehen, werden alle Menschen unter Generalverdacht gestellt, laut Merz sind wir ja zu faul und machen zu häufig krank. Diese faktenfernen Aussagen finde ich wirklich problematisch und am Ende wird nur die AfD davon stark. Soll doch die Politik erstmal ihre Hausaufgaben machen!
Kein pauschales Recht auf Teilzeit
➤ Richtiger Ansatz. Es sollte kein pauschales Recht auf Teilzeit geben.
➤ Absolut sinnbefreit. Die meisten werden einen Grund haben, warum sie nur Teilzeit arbeiten können. Es gibt sicher mehr, bei denen der Arbeitgeber keine Aufstockung ermöglicht. Ansonsten können auch zwei Leute mit 50 Prozent auf einer Planstelle arbeiten.
➤ Populismus wie immer: Teilzeit hat dabei geholfen, die Erwerbstätigkeit von Frauen und ganz allgemein pro Kopf zu erhöhen. Es ist volkswirtschaftlich besser, wenn 80 Prozent durchschnittlich 35 Stunden arbeiten, als wenn 50 Prozent 40 Stunden arbeiten. Wie wär's denn mal damit, echte Probleme wie Kinderbetreuung und Pflege anzugehen? Dann können vielleicht auch mehr aus der Teilzeit raus.
➤ Gegen seinen Willen zu mehr Arbeit gezwungen zu werden, führt sicherlich nicht zu einem produktiverem Arbeitsklima, sondern ist im großen Maße für alle Beteiligten demotivierend.
➤ Die Frage ist, welches Problem hier gelöst werden soll. Wenn es der Fachkräftemangel ist, wird es nicht helfen. Dafür fehlen zu viele Fachkräfte. Über Burn-out und Jobwechsel könnte es tatsächlich einen solchen Mangel noch verschlimmern. Die meisten Menschen machen Teilzeit nicht, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil es in ihrer aktuellen Lebenssituation nicht anders möglich ist.
Das geht über die aufgelisteten Fälle hinaus, Beispiel Fernbeziehung. Da mehr Druck zu machen, wird höchstens zu einem Wechsel oder Burn-out führen. Die Menschen, die Teilzeit aus Spaß machen, werden sich eine Firma suchen, die ihnen Teilzeit gibt. Druck wird man nur auf die Leute erhöhen, die vom Gesetz her ausgenommen sein sollten. Also vor allem Eltern und speziell Mütter. Und Leute mit Behinderungen, die gar nicht Vollzeit arbeiten können, sind natürlich auch nicht erwähnt.
➤ Der Vorschlag ist Blödsinn. Es gibt genug Leute, die in Teilzeit arbeiten müssen (Pflege der Eltern, Kinder etc.). Und selbst diese Leute arbeiten oft viel mehr als vereinbart. Ich kenne persönlich einige, die in der Pflege "nur" 50 bis 80 Prozent arbeiten, aber mehrere Hundert Überstunden haben. Noch dazu stellen viele Altenheime lieber Teilzeit- als Vollzeitkräfte ein. Es wird versucht, einfach die "Schuld" dem Arbeitnehmer zu geben.
➤ Die CDU hat schon lange den Pfad der Demokratie verlassen. Solange sich die Politiker nicht wie vom Volk eingesetzte Vertreter des Volkes, sondern wie gewählte Herrscher verhalten, ist es mit der Demokratie nicht weit her. Wieso gibt es kein Recht auf Vollzeit? Wieso dürfen Arbeitgeber weiterhin bei Teilzeitbeschäftigten ein Weisungsrecht haben, gerade bei Arbeitgebern, die einem Arbeitnehmer keine Vollzeitstelle anbieten?
Eventuell will jemand, der in der Teilzeitfalle hängt, Vollzeit arbeiten oder dann wenigstens in einem Zweitjob. Das wird aber verbaut, weil der Arbeitgeber den Mitarbeiter flexibel in seiner Teilzeit in Schichten einteilen will. (...)
➤ Es ist erschreckend, wie realitätsfremd die derzeitige Politik unser Leben vom bequemen Mahagoni-Schreibtisch aus plant! Mit zwei Kindern ist es erstens gar nicht möglich, in doppelter Vollzeit zu arbeiten, und zweitens habe ich auch keine Kinder bekommen, um sie dann 10 Stunden am Tag wegzuorganisieren!
1,3 Milliarden Überstunden, von denen über die Hälfte nicht bezahlt werden
➤ Deutschland ist eine pluralistische Gesellschaft. Das heißt auch, dass ich frei darüber entscheiden kann, wie lange und wie viel ich arbeiten kann und will. Der Staat hat sich da nicht einzumischen. Das möchte die Union wohl weiter einschränken - vielleicht sogar abschaffen.
Dabei gibt es Hunderttausende Stellen, die gar nicht für Vollzeit geeignet sind. Zum Beispiel fällt mir die Buchhalterin in kleinen Unternehmen ein, die gar nicht genug Arbeit hat, um arbeitstechnisch auf eine volle Stelle zu kommen.
Seit über einem Jahr nun müssen wir uns anhören, dass wir zu wenig arbeiteten, faul seien. Erst wurde auf Flüchtlingen herumgehackt, dann waren es Arbeitslose, dann Rentner, dann kranke Menschen und nun Arbeitnehmer in Teilzeit.
Gleichzeitig sind wir die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit knapp 84 Millionen Bürgern – hinter den USA und China. Es wird uns erzählt, unser Wohlstand sei in Gefahr. Die (Super-)Reichen haben ihre Vermögen in der Coronapandemie und danach verdoppelt/verdreifacht, während Arbeitnehmer seitdem in der Regel einen Reallohnverlust haben hinnehmen müssen.
Dabei werden in Deutschland rund 1,3 Milliarden Überstunden geleistet, wovon über die Hälfte nicht mal bezahlt werden. Was ich also davon halte: Wenn ich dies ausformulierte, könnte Golem das nicht unzensiert veröffentlichen. Aber wer meinen Text liest, der kann es sich denken.