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Lernplattform und Webseiten: Tausende Schulen müssen Hochschulnetz verlassen

Das Hochschulnetz versorgt tausende Schulen in Baden-Württemberg mit Lernplattform und Homepage. Jetzt will die Regierung den Stecker ziehen.
/ Moritz Tremmel , dpa
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Ob das mit dem Umzug der Schul-Webseiten und Bildungsplattformen klappt? (Bild: Alexandr Borecky/Pixabay)
Ob das mit dem Umzug der Schul-Webseiten und Bildungsplattformen klappt? Bild: Alexandr Borecky/Pixabay

Mitten in der Pandemie mit meist Wechsel- und Fernunterricht hat die baden-württembergische Landesregierung den Schulen mitgeteilt, dass sie das Hochschulnetz des Landes (Belwü) verlassen müssten. Die Lernplattform Moodle und die Videokonferenzsoftware Big Blue Button sowie Mailserver sollten zu einem neuen, noch nicht bekannten Anbieter umgezogen werden. Die Webauftritte von mehr als 2.000 Schulen würden jedoch komplett eingestellt, heißt es in dem Brief Belwüs an die Schulträger. Die Schulen müssten selbst nach einem neuen Anbieter suchen.

Zur Begründung heißt es in dem Schreiben, es gebe "veränderte rechtliche Rahmenbedingungen." Zudem werde eine "langfristige Perspektive für einen gesicherten Betrieb" benötigt. Diese könnten weder das Kultus- noch das Wissenschaftsministerium "aus verschiedenen Gründen nicht verlässlich dauerhaft erbringen." Beide Ministerien äußerten sich auf Anfrage dazu zunächst nicht.

Das Landeshochschulnetz nimmt demnach keine neuen Schulen mehr auf und will ab Oktober die bestehenden Auftritte der Schulen im Hochschulnetz einstellen. Empfehlungen für alternative Dienstleister könne man aus Wettbewerbsgründen keine geben, schreibt Belwü(öffnet im neuen Fenster) . Der Umbau soll stufenweise erfolgen und bis ins Jahr 2023 dauern. Ein Grund hierfür sei das neue Vergabe- und Steuerrecht, das ab 2023 gelte, teilte das Kultusministerium mit.

Kritik an Landesregierung

Der Philologenverband Baden-Württemberg kritisierte dies: Mitten im Corona-Lockdown und im digitalen Fernunterricht erführen tausende Schulen, die den Internetanschluss, ihre Homepage, die Lehrer-E-Mailkonten und Moodle-Lernplattformen bei Belwü betreiben, dass diese sukzessive beendet werden sollten, teilte der Landesvorsitzende Ralf Scholl mit. Es sei völlig unverständlich, dass zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Jahren eine bestehende Struktur abgerissen werde, ohne dass rechtzeitig ein funktionierender Ersatz bereitstehe. Der Verband forderte die Landesregierung auf, den Vertrag mit Belwü zu verlängern und in der Zwischenzeit eine landeseigene Lösung zu schaffen.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg hält das Vorgehen für falsch. Der Zeitpunkt sei ungünstig und führe bei den Schulen zu Unsicherheit, sagte der GEW-Landesvize David Warneck. Das Land müsse schnell klären, ob das Landeshochschulnetz ausgebaut werden könne, um so auch die Schulen abzudecken, oder stattdessen auf eine eigene Lösung für die Schulen setzen.

Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei sprach von einem "digitalen Offenbarungseid" . Die Schulleitungen seien am Limit. Ihnen jetzt auch noch die Suche nach einem eigenen Anbieter für die Schul-Homepage aufzudrücken, zeuge von einem unglaublichen Mangel an Sensibilität für die Situation an den Schulen. Es sei unklar, auf wessen Server die Lernplattform Moodle nun ziehen solle und was dies das Land kosten werde.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Timm Kern, erklärte, die Entscheidung komme überraschend und zur Unzeit. Die Beweggründe blieben unklar und die Ministerien die Hinweise für den notwendigen Anbieterwechsel der Schulen schuldig.


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