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Lernen von Dämmerland: Warum Zweifeln gerade in der IT so wichtig ist

"Aber" sagt man nicht? Sagt man doch – gerade in der IT! Gedanken über ein kleines, aber entscheidendes Wort – ein Zauberwort.
/ Emanuel Kessler
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Mit dem Zauberwort Aber kann man einiges bewirken. (Bild: Michaela from Pixabay)
Mit dem Zauberwort Aber kann man einiges bewirken. Bild: Michaela from Pixabay / Pixabay License

Das kleine Wort Aber hat einen schlechten Ruf: Es gilt vielen als Bremse, als Verneinung oder gar als Zeichen mangelnder Offenheit. Doch ganz ohne Aber verlieren wir die Fähigkeit, Einwände zu äußern, Risiken zu benennen und Ideen kritisch zu hinterfragen. Gerade in der Zusammenarbeit – ob in der IT, in Workshops oder im Alltag – braucht es diesen Raum für Widerspruch. Richtig eingesetzt kann Aber zu einem Zauberwort werden, das Diskussionen vertieft und bessere Entscheidungen ermöglicht.

In Dämmerland, einem meiner Lieblingshörspiele, dessen Fortsetzung heute (21. November 2025) erscheint(öffnet im neuen Fenster) , gibt es ein Lied dazu: " Aber Kadabrah(öffnet im neuen Fenster) ". "Ein Zweifel wird gebor'n" , heißt es dort. Und das hat mich direkt angesprochen. Denn als Moderator einer Vielzahl von Meetings und Workshops weiß ich: Widerspruch braucht Platz – sonst holt er ihn sich.

"Aber sagt man nicht"

Sucht man im Duden nach dem Wort aber, findet man gleich vier Ergebnisse: aber als veraltetes Adverb(öffnet im neuen Fenster) , Partikel(öffnet im neuen Fenster) , Substantiv(öffnet im neuen Fenster) und Konjunktion(öffnet im neuen Fenster) . Wird über "aber" gesprochen und geschimpft, ist meistens die Konjunktion, vielleicht noch das Substantiv, gemeint.

Als Partikel ( "Diese Pizza schmeckt aber gut" ) führt es ein eigensinniges, der Konjunktion widersprechendes Eigenleben. Denn als Konjunktion zeigt es einen Widerspruch zum zuvor Gehörten oder Gesagten auf. Beliebt ist es allerdings nicht: In Workshops wird oft die Methode(öffnet im neuen Fenster) eingesetzt, auf Wortbeiträge nicht mit "ja, aber ..." , sondern mit "ja, und ..." zu reagieren. Gerade, wenn Ideen generiert werden sollen, kann das auch sinnvoll sein.

Ein Aber kann Schlimmes verhindern

Manche Menschen wenden diese Methode aber auf das ganze Leben an und erwarten das auch von ihrem Gegenüber – "Aber sagt man nicht" . Doch wir Menschen brauchen das Aber, den Widerspruch – auch und gerade in der IT. Denn alle, die mehrere Jahre in der IT aktiv sind, kennen Situationen, die mit einem "Aber das kann dazu führen, dass ..." womöglich hätten verhindert werden können.

Vielleicht hätte ein beherztes "Aber wir brauchen Tests, um sicher zu sein, dass die alte Software wirklich mit der neuen Hardware funktioniert" dafür gesorgt, dass der erste Flug von Ariane 5 erfolgreich gewesen wäre.

Allerdings funktioniert das nur, wenn ein Aber auch entsprechend genutzt wird. Wenn Gesprächspartner ihre Entgegnungen ständig mit Aber einleiten, ohne wirklich widersprechen zu wollen, nervt das, hilft aber nicht weiter. Wie machen wir es also richtig?

Platz für Widerspruch lassen

Wir müssen dem Aber Platz einräumen. Tun wir das nicht, bricht sich Widerspruch oft an einer ungeschickten Stelle Bahn. Bei Meetings kann das dann während der Abmoderation oder sogar im Nachgang in der (virtuellen) Kaffeeküche passieren. Deswegen ist es sinnvoll, die Situationen entsprechend zu lenken. Beispielhaft sind zwei Moderationsmethoden, bei denen Widerspruch explizit Teil der Methode ist: die Walt-Disney-Methode(öffnet im neuen Fenster) und die Denkhüte von De Bono(öffnet im neuen Fenster) .

Die Walt-Disney-Methode enthält drei Rollen: Träumer, Realist und Kritiker. Jede dieser Rollen betrachtet und diskutiert das Thema aus ihrem Blickwinkel. Bei den Denkhüten von De Bono werden sechs verschiedene Blickwinkel nacheinander genutzt. Mit dem schwarzen Hut hat De Bono auch bewusst einen kritischen Blick eingebaut.

Ein Zauberwort muss sparsam eingesetzt werden

Beide Methoden haben also den Ansatz, das zu diskutierende Thema aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten – darunter auch einem kritischen. So kann der im System formulierte Widerspruch besprochen und vielleicht sogar aufgelöst werden. Und das ist besser als ein Widerspruch, der ungehört im Hintergrund bleibt und sich dann unkontrolliert Bahn bricht.

Das Wort Aber sollten wir weder inflationär benutzen noch aus unserem Wortschatz streichen. Wenn wir Aber wie in dem Lied aus Dämmerland als Zauberwort betrachten, wird klar: Genau wie die Zauberringe bei Tolkien sollten auch Zauberworte nicht leichtfertig eingesetzt werden. Gezielt genutzt, können sie große Wirkung entfalten. Wie es im Lied heißt: "Aber Kadabrah – mein Zauber in den Ohr'n" .

Emanuel Kessler(öffnet im neuen Fenster) mag Fantasy wie Herr der Ringe, Narnia oder eben Dämmerland. Er ist überzeugt, dass wir aus Geschichten lernen können – wenn wir nur zuhören.


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