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Lenovo Thinkbook 13s im Test: Ein schickes Ultrabook muss nicht teuer sein

Ein schickes Aluminiumgehäuse, genug Anschlüsse und eine an Thinkpads erinnernde Tastatur lassen für Lenovos Thinkbook 13s hohe Kosten befürchten. Das Notebook beweist aber, dass diese Vorzüge nicht teuer sein müssen.
/ Oliver Nickel
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Das Thinkbook 13s sieht schick aus. (Bild: Heiko Raschke/Golem.de)
Das Thinkbook 13s sieht schick aus. Bild: Heiko Raschke/Golem.de

Soll es ein schlankes und leichtes Notebook für unterwegs sein, fällt vielen Nutzern das XPS 13 von Dell ein. Andere schätzen die sehr guten Tastaturen und die Verarbeitungsqualität von Thinkpads. "Warum nicht beides in ein Notebook stecken?" war sicher der Gedanke hinter dem neuen Thinkbook 13s von Lenovo – eine neue Marke, die noch nicht sehr bekannt ist. Dabei erinnert die Namensgebung an eine Mischung aus zwei Sparten des Herstellers, die preiswerteren Yogabooks und die hochwertigeren Thinkpads.

Auch beim Preis finden die Chinesen einen Mittelweg: Ab etwa 800 Euro gibt es das Thinkbook 13s mit Intel Core i5-8265U, 8 GByte RAM und 256-GByte-SSD. Golem.de hat eine Variante mit etwas höher taktendem Core i7-8565U, 16 GByte RAM und 512-GByte-SSD für derzeit 1.020 Euro getestet. Der Preis schwankt bei dieser Konfiguration, doch es ist überraschend, wie viel Hardware wir für das Geld bekommen.

Das stahlgraue Gehäuse aus magnesiumüberzogenem Aluminium gefällt: Es sieht nicht so schlicht aus wie das gummibeschichtete Chassis eines Thinkpads, ist aber ebenso gut verarbeitet. Lenovo gelingt es zudem, ein relativ kompaktes Chassis zu bauen, da die Displayränder für diesen Hersteller vergleichsweise schmal gehalten sind. Auffällig ist der relativ dicke untere Rand – hier hätte sicherlich auch ein für Schreibarbeiten und Webbrowsing praktisches 3:2-Display Platz gehabt. Das 13,3-Zoll-Panel passt in das Gehäuse mit Abmessungen von 307 x 216 x 16 mm. Mit 1.331 Gramm Gewicht ist es damit etwas größer und schwerer als ein aktuelles Dell XPS 13 (9380), das aber hierbei traditionell vorn liegt.

Lenovo Thinkbook 13s- Test
Lenovo Thinkbook 13s- Test (01:53)

Wenig Leuchtkraft, viele Anschlüsse

Auch bei Lenovo ist es mittlerweile nicht mehr Standard, ein um 180 Grad verstellbares Panel zu verbauen. Beim Thinkbook können wir jedoch den Deckel wie flach auf den Boden auflegen. Das Display selbst ist ein entspiegelter IPS-Bildschirm mit soliden Blickwinkeln und 1080p-Auflösung. Wir messen Helligkeitswerte von maximal 256 cd/m², im Durchschnitt 248 cd/m². Bei diesen Werten nutzen wir das Business-Notebook lieber in Innenräumen statt unterm Sonnenschirm an heißen Sommertagen. Das ist schade, denn die Gleichförmigkeit der Ausleuchtung ist beeindruckend, was etwa in dunklen Szenen beim Schauen von Netflix-Serien positiv auffällt.

An Anschlüssen fehlt es dem Thinkbook nicht: zwei USB-A-3.2-Gen1-Buchsen und USB Typ C mit USB-3.2-Gen2-Geschwindigkeit finden Nutzer heute nicht mehr oft – auch ein XPS 13 ersetzt diese Anschlüsse durch weniger Thunderbolt-3-Buchsen. Das Thinkbook hat sogar noch Platz für einen HDMI-1.4b-Port in voller Größe, der zwar nicht unbedingt den 4K60-Fernseher, dafür aber viele Projektoren in Konferenzräumen unterstützt. Lediglich einen SD-Kartenleser hätten wir uns noch gewünscht.

Das Gute von der Mutter geerbt

Ein Blick auf die Tastatur des Thinkbook zeigt uns: Das Produkt stammt aus einer langen Reihe guter Tastaturen, für die Thinkpads geliebt werden. Die Tasten haben die typische Größe und Form, inklusive der einen konvexen Seite. Auch das Tastenlayout ist durchdacht: Sämtliche Funktionstasten befinden sich an den richtigen Stellen und selbst die Strg- und Fn-Tasten auf der linken Seite sind hier nicht vertauscht wie bei einigen Thinkpads. Das Tippen fühlt sich etwas anders an – wie eine Mischung aus flacher Chiclet-Tastatur eines Ideapads und den taktileren höheren Knöpfen eines Thinkpads. Uns gefällt der etwas kürzere, aber trotzdem spürbare Druckpunkt der weiß beleuchteten Tastatur.

Das Touchpad ist ebenfalls solide verarbeitet und responsiv, allerdings ohne die Zusatztasten eines herkömmlichen Thinkpads. Auch ein Trackpoint fehlt. Auffällig ist der große beleuchtete Power-Schalter, der zudem einen Fingerabdrucksensor integriert – praktisch.

Wir fragen uns, wo Lenovo noch Geld gespart hat, um das Thinkbook für einen günstigen Preis anbieten zu können. Die CPU ist es definitiv nicht – der Akku schon eher.

Spurter statt Dauerläufer

Die Ausstattung unseres Testmusters lässt es bereits vermuten: Das Thinkbook ist perfekt für Schreibarbeiten, Webbrowsing, Netflix und mit 16 GByte RAM sogar für Bildbearbeitung geeignet. Der Intel Core i7-8565U verrichtet gute Arbeit. Standardmäßig takten seine vier Kerne mit 1,8 GHz. Im Multikern-Benchmark Cinebench R15 messen wir immerhin im Mittel 575 Punkte. Zum Vergleich der Dell XPS 13 (9380): Dieser schafft im gleichen Szenario und mit identischem Prozessor 678 Punkte.

Den Unterschied erklären wir uns durch die anscheinend nicht so effiziente Kühlung. Unter Last wird das SoC schnell auf 95 Grad erhitzt, wodurch die CPU nicht so lange höhere Taktraten hält. Nach 4,1 GHz im Turbo ist Schluss, obwohl der Chip in der Theorie maximal 4,6 GHz schafft. Er nutzt zudem nur die ersten 30 Sekunden lang 25 Watt Leistungsbudget aus und drosselt im Verlauf des Benchmarks auf durchschnittlich 15 Watt herunter, was für dieses Modell Standard ist.

Der Akku hält nur durchschnittlich lang

Nur unter unrealistischer Dauerlast dreht die Lüftung des Notebooks spürbar auf. Das System wird dann recht laut, wenn auch nicht unangenehm. Im Leerlauf ist die Kühlung gar nicht, beim Schauen von Altered Carbon auf Netflix nur sehr wenig wahrnehmbar.

Apropos Netflix: Im Dauerlauftest bei einer Displayhelligkeit von 200 cd/m² schafft unser Testgerät mit seinem 44-Wattstunden-Akku nur durchschnittliche 8:37 Stunden. Das reicht nicht ganz bis zum Ende der zehn Folgen von Altered Carbon. Ähnlich ernüchternde Werte messen wir im Productivity-Benchmark des Programms Powermark: 7:22 Stunden.

Zwar liegen die theoretischen Werte des Thinkbooks merklich unter dem Vergleichsmodell XPS 13, dafür ist die gefühlte Leistung flott: Textverarbeitung und Bildbearbeitung sind mit dem Notebook kein Problem. Auch die BC501-SSD von SK Hynix ist ausreichend schnell: Wir messen 1.600 MByte/s im sequenziellen Lesen und 860 MByte/s im sequenziellen Schreiben. Das Laufwerk ist in etwa gleichauf mit anderen SSDs, die nur zwei PCIe-Lanes verwenden – etwa die Western Digital SN520 im vom Golem.de getesteten HP Envy 13 x360 .

Einzelnes RAM-Modul im Single-Channel

Der Blick ins Innere des Thinkbooks zeigt uns, dass auch bei diesem preiswerteren Gerät Viel ausgetausch werden kann, etwa die SSD, das WLAN-Modul – ein Intel Wireless-AC 9560, das nach WiFi 5 funkt – und der SO-DIMM-Riegel. Allerdings gibt es nur einen Arbeitsspeicherslot für den Betrieb im Single Channel. Das manuelle Aufrüsten kann daher etwas teuer werden. Und trotzdem ist das ein Vorteil im Gegensatz zu vielen andere Notebooks in diesem Preissegment – auchgegenüber dem Dell XPS 13.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Thinkbook 13s gibt es in verschiedenen Konfigurationen. Für einen Startpreis von 800 Euro erhalten Kunden ein Modell mit Core i5-8265U, 8 GByte RAM und 512-GByte-SSD. Für 70 Euro mehr gibt es den doppelten Arbeitsspeicher und Massenspeicher. Die von uns getestete Version mit Core i7-8565U, 16 GByte Arbeitsspeicher und 512-GByte-SSD kostet etwa 1.020 Euro. Diverse Onlinehändler verkaufen das Lenovo-Notebook.

Fazit

Welche Art Notebook ist das Thinkbook eigentlich? Wir würden sagen: eine Mischung aus Thinkpad und Ideapad – beide aus dem Hause Lenovo. Uns gefällt vor allem das gut verarbeitete und optisch ansprechende Metallgehäuse mit vielen USB-A-Ports, USB-C und HDMI.

Auch die Tastatur mit ihren an Thinkpads erinnernden Tastenkappen gefällt uns mit einem definierten, gleichmäßigen Druckpunkt – ebenso wie das große Touchpad. Dabei ist es leicht möglich, mit dem verbauten Core i7-8565U und 16 GByte DDR4-RAM Büroarbeiten und Bildbearbeitung flott zu erledigen – und das zu einem sehr fairen Preis.

Allerdings spart Lenovo an einigen Stellen: So leuchtet das 13-3-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung mit maximal 256 cd/m² nicht sonderlich hell. Außerdem ist die Akkulaufzeit eher durchschnittlich. Nach etwa 8:30 Stunden Netflix-Dauerlauf ist Schluss. Im wenig fordernden Powermark-Benchmark ist der Akku schon nach 7:22 Stunden leer.

Wichtig ist auch: Das Notebook verfügt nur über einen RAM-Channel. Das alles sind Punkte, bei denen einige Thinkpads überlegen sind. Die kosten aber oft das Doppelte oder noch mehr. Das Thinkbook ist ein solider Kompromiss ohne gravierende Mängel. Ein gutes Notebook muss eben nicht über 1.000 Euro kosten.


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