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Lenovo-Motorola: Mit kleinem Schritt zum großen Sprung

Mit dem Aufkauf von Motorola Mobility wird Lenovo die Nummer drei im Smartphone-Markt und ist der zweitgrößte Hersteller von Android-Smartphones. Schon bald könnte Lenovo sogar Apple als Zweitplatzierten überholen, wenn der chinesische Hersteller die bisher eingeschlagene Richtung beibehält.
/ Ingo Pakalski
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Lenovo gewinnt durch Motorola-Übernahme. (Bild: Ingo Pakalski/Golem.de)
Lenovo gewinnt durch Motorola-Übernahme. Bild: Ingo Pakalski/Golem.de

Die Chefs von Huawei und LG werden nicht begeistert gewesen sein, als sie erfuhren, dass Lenovo Motorola Mobility von Google übernimmt. Denn mit diesem Schritt wird Lenovo mit einem Schlag zum zweitgrößten Hersteller von Android-Smartphones und zum drittgrößten Smartphone-Hersteller überhaupt.

Google gab Motorola keine Richtung

Während Google in den vergangenen drei Jahren anzumerken war, dass das Unternehmen nicht so recht wusste, was es eigentlich mit Motorola machen wollte, sieht das bei Lenovo ganz anders aus. Damit kann Lenovo tatsächlich den Weltmarkt mit Smartphones beliefern. Denn vor allem in den Regionen, in denen Lenovo nicht vertreten ist, ist Motorola stark. Folgerichtig will Lenovo die Motorola-Marke in den Ländern weiterführen, wo die Marke verbreitet ist, vor allem in den USA und in Südamerika. In diesen Märkten hat Lenovo bisher nicht viel zu melden.

Mit der Motorola-Übernahme stellt Lenovo unter Beweis, wie wichtig dem Unternehmen der Mobilbereich mittlerweile ist. Wenn es Lenovo nicht vermasselt, könnte der Hersteller nach Marktanteilen bald sogar die Nummer zwei im Smartphone-Markt werden und sich noch vor Apple schieben.

100 Millionen verkaufte Lenovo-Smartphones angepeilt

Lenovo selbst will in diesem Jahr 100 Millionen Smartphones auf dem Weltmarkt verkaufen. Damit würde Lenovo deutlich dichter als bisher an Apple heranrücken, das im vergangenen Jahr als einziger der fünf großen Hersteller nicht vom Zuwachs des gesamten Smartphone-Marktes profitieren konnte und auf 153,4 Millionen verkaufte iPhones kam.

Zur Einordnung: Im vergangenen Jahr war Lenovo die Nummer fünf im Smartphone-Markt und lag noch hinter LG und Huawei. Allerdings war der Vorsprung der Konkurrenz äußerst gering. Lenovo kam auf 45,5 Millionen Smartphones und LG verkaufte gerade mal 2,2 Millionen mehr als Lenovo. Auch Huaweis Vorsprung ist mit gerade 3,3 Millionen mehr Smartphones äußerst gering. Mit den Motorola-Geräten kommt Lenovo auf 55 Millionen Smartphones.

Ob Lenovo schlussendlich der zweitgrößte Smartphone-Hersteller wird, hängt auch davon ab, welche Produkte auf den Markt kommen. Mit dem Vibe Z hat Lenovo auf der Unterhaltungselektronikmesse CES 2014 Anfang des Monats ein vielversprechendes Oberklasse-Smartphone vorgestellt. Hier muss Lenovo aber noch deutlich mehr leisten, um sich von der Konkurrenz abzuheben, auch wenn damit das unvollständige Motorola-Portfolio ausgeglichen wird. Denn Motorola hat derzeit kein aktuelles Topmodell im Sortiment.

Yoga-Tablets geben die Richtung vor

Im Tablet-Segment hat Lenovo kürzlich bereits gezeigt, dass es sich mit neuen Ansätze von der Konkurrenz abheben kann. Die Android-Tablets Yoga 8 und Yoga 10 gehören zu denen mit den längsten Akkulaufzeiten, ohne dass die Tablets besonders dick sind. Dazu wurde ein leistungsfähiger Akku in einen ausklappbaren Standfuß eingebaut. Das Tablet kann daher auch ohne Hülle bequem aufgestellt werden. Da sich Lenovo bewusst für preisgünstige Komponenten entschieden hat, sind beide Tablets vergleichsweise günstig und liefern für den Durchschnittsanwender eine ordentliche Leistung.

In diese Richtung muss Lenovo auch bei Smartphones gehen, um sich entsprechend von der Konkurrenz abzuheben. Falls Lenovo einen Kniff findet, Smartphones mit außergewöhnlich langer Akkulaufzeit anzubieten, wäre das ein großer Vorzug. Es ist sogar nicht auszuschließen, dass Lenovo es in einigen Jahren mit Samsung aufnehmen kann. Aktuell scheint es so, dass kein Hersteller Samsung im Smartphone-Segment gefährlich werden kann. Aber im PC-Bereich weiß sich Lenovo seit einigen Jahren gut gegen Konkurrenten wie HP zu bestätigen.

Zukunft der Motorola-Marke in Deutschland ungewiss

Unklar ist derzeit noch, was Lenovo mit Motorola in Deutschland vorhat. Denn Motorola hat den deutschen Markt nicht erst seit der Google-Übernahme eher vernachlässigt. Von den vielen neuen Motorola-Smartphones, die in der jüngsten Vergangenheit in den USA auf den Mark kamen, kam davon nur ein Bruchteil nach Deutschland.

Eigentlich wollte Lenovo auf dem Mobile World Congress Ende Februar 2014 in Barcelona seinen Einstieg in den deutschen Smartphone-Markt ankündigen. Ob Lenovo in Deutschland dann unter der an sich starken Kernmarke auftritt oder lieber auf Motorola setzt, wird sich zeigen. Für die Hinwendung zu Motorola würde sprechen, dass es bestehende Verbindungen zu den Netzbetreibern gibt, die Lenovo derzeit fehlen.

In jedem Fall bleibt es sehr spannend, wie Lenovo die Integration von Motorola meistert. Bisher gelang es den Chinesen gut, Firmeneinkäufe in das eigene Portfolio zu integrieren. Zuletzt glückte das bei Medion und es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass das bei Motorola nicht auch gelingen wird. Seit einiger Zeit gab es bezüglich der Rangfolge nicht mehr viel Bewegung im Smartphone-Markt, die ersten beiden Plätze nahmen mit viel Abstand zu den anderen Herstellern immer wieder Samsung und Apple ein. Mit der Motorola-Übernahme durch Lenovo können die nächsten Jahre sehr spannend werden.


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