Lenovo Legion Go im Hands-on: Das Schweizer Taschenmesser der Handhelds

Valves Steam Deck (Test) hat einen unerwartet großen Trend der Handheld-Konsolen für PC-Spiele in Bewegung gesetzt. Erst kam Asus mit dem ROG Ally (Test) auf den Markt. Das Gerät ist durch den AMD Z1 Extreme leistungsfähiger als Valves Gerät. Außerdem unterscheidet es sich im Betriebssystem und der Software deutlich. Hier wird Windows 11 und nicht Linux genutzt.
Der Legion Go mit Windows 11 von Lenovo soll noch einmal mehr Features bieten und so dem ROG Ally Konkurrenz machen. Schließlich kosten beide Produkte mit 800 Euro gleich viel. Außerdem entscheidet sich Lenovo ebenfalls für den bekannten AMD Ryzen Z1 Extreme mit Zen-4-Cores. Lenovo integriert allerdings einige interessante Konzepte, die wir teils bei keinem anderen Handheld finden. Golem.de konnte das Gerät während der Ifa 2023 ausprobieren.
Im Ersteindruck merken wir vor allem, dass der Legion Go noch etwas kompakter ist als der ROG Ally. Er misst 210 x 131 x 20 mm. Mit 854 Gramm ist er allerdings etwas schwerer. Das wundert wenig, da hier ein wesentlich größeres Display verbaut ist. Die 8,8 Zoll erstrecken sich nahezu bis zu den Gehäuserändern und verleihen dem Handheld ein modernes Aussehen. Vor allem können wir auf dem größeren Panel mehr Details erkennen. Das ist bei einem portablen Gerät wie diesem ein enormer Vorteil.

Wir sehen allerdings wenig Sinn darin, dass Lenovo sich für ein Display mit einer Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixeln entschieden hat. Schon im Test des ROG Ally schnitt der Z1 Extreme in 720p in den meisten Spielen zwar gut ab. Bei nativer Full-HD-Auflösung sanken die fps aber merklich.
Es ist unwahrscheinlich, dass wir die noch einmal verdoppelte native Auflösung beim Legion Go wirklich ausnutzen werden - geschweige denn die hohe Bildfrequenz von 144 Hz. 1.280 x 720 Pixel reichen völlig aus. Das hat Valve beim wesentlich günstigeren Steam Deck besser verstanden.














Beim Lenovo-Gerät können wir eine gute Auswahl an Anschlüssen verwenden. Es sind beispielsweise zwei USB-C-Ports vorhanden - einer an der Ober- und einer an der Unterseite. So können wir das Gerät auch auf dem Tisch platziert per Kabel aufladen. Alternativ nutzen wir den Ladeport an der Unterseite im Handheld-Modus. Zu den weiteren Anschlüssen zählen eine 3,5-mm-Klinke und ein Micro-SD-Kartenleser.
Das Besondere sind die abnehmbaren Controller
Lenovo setzt im Gegensatz zum ROG Ally keine fest verbauten Controllerelemente ein. Stattdessen lassen sich der rechte und linke Controller wie bei einer Nintendo Switch abnehmen. Das funktioniert im Vergleich zur Nintendo-Konsole etwas anders. Mit dem Ringfinger drücken wir auf einen Knopf und ziehen die Controller anschließend nach unten heraus.
Der Mechanismus wirkt auf den ersten Blick etwas fragil, da die Führungsschienen größtenteils aus Kunststoff bestehen. Es wird sich zeigen, ob er auch nach längerer Nutzung gut hält. An sich finden wir die Idee gut, die Funktionalität einer Nintendo Switch für ein Windows-Gerät zu bringen. Das sehen wir bei anderen Handhelds selten. Zudem hat Lenovo einen Standfuß verbaut. Das Gerät kann somit auch auf dem Tisch platziert werden - praktisch.
Besonders interessant: Der rechte Controller kann als Mausersatz genutzt werden. Dazu wird er in den dafür vorgesehenen Adapter gesteckt und anschließend hochkant wie ein Steuerknüppel über den Tisch gezogen. Das Konzept ist spannend und funktioniert weitestgehend gut.
Murksiger Mausmodus
Allerdings hat Lenovo mehrere Dinge schlecht umgesetzt. Zum einen müssen wir das Gerät für die Mausnutzung in den FPS-Modus umschalten. Der Schalter dafür ist aber nur schwierig erreichbar. Zum anderen hält der rechte Controller im Mausadapter nicht fest. Wollen wir den Mausersatz also umsetzen, fällt die Konstruktion auseinander.














Während unserer kurzen Hands-on-Session hatten wir auch mehrmals Probleme, wenn wir die Controller im Spiel an- und absteckten. Manchmal funktionierte das Pairing nicht richtig, so dass nur einer oder gar kein Controller erkannt wurde. In anderen Fällen erkennt Windows den Mausmodus nicht. Die Softwareprobleme sollte Lenovo definitiv noch in den Griff bekommen. Sonst ist Frust vorprogrammiert.
Denn an sich bietet der Hersteller eine interessante portable Spielekonsole an. Neben den bekannten Gamepad-Elementen - vier Schultertrigger, Aktionstasten, Dual-Joysticks und D-Pad - sind vier weitere Zusatztasten auf der Rückseite und ein kleines Trackpad verbaut. Lenovo hat sich also nicht nur von der Switch, sondern offenbar auch vom Steam Deck inspirieren lassen. Ob die zusätzlichen Tasten dann auch genutzt werden, ist nicht klar. Es ist aber schön, dass die Option besteht.














Das scheint auch generell das Motto des Legion Go zu sein: möglichst viele Funktionen zu bieten. Die fragil wirkenden Halterungen, die schlecht funktionierende Software und das Maus-Gimmick lassen das Gerät aber nicht so durchdacht wirken.
Und trotzdem: Allein für das größere Display, das an sich recht ruhig klingende Lüftergeräusch und die zusätzlichen Anschlüsse würden wir den Legion Go vor dem Asus ROG Ally empfehlen- schließlich kosten beide Handhelds 800 Euro. Es würde uns nicht wundern, wenn Asus den Preis des ROG Ally angesichts der Konkurrenz etwas senken muss.



