Weniger ist ... weniger

Im Gegensatz zum Headset nimmt sich die Kamera geradezu winzig aus: Mit 55 x 105 x 22 mm passt sie in so ziemlich jede Tasche. Die beiden 180-Grad-Objektive an der Vorderseite sind allerdings komplett ungeschützt, so dass man auf jeden Fall das beigelegte Futteral benutzen sollte. Die Bedienung ist erfreulich simpel. Es gibt nur drei Knöpfe: Moduswahl, Auslöser und Ein-/Ausschalter. Nachdem wir Letzteren betätigt haben, müssen wir aber 15 Sekunden warten, bis die Kamera einsatzbereit ist. Glücklicherweise bleibt sie danach für rund eine Stunde im Standby und wacht in dieser Zeit wesentlich schneller wieder auf.

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An der Seite befindet sich eine Klappe, unter der ein USB-C-Anschluss und ein Micro-SD-Kartenslot verborgen sind. Ein Display fehlt. Das ist kein Manko, weil die Kamera dank ihres großen Blickwinkels einfach alles aufnimmt, was sich vor ihr befindet. Man sollte allerdings zwei Dinge stets im Auge haben: Die Optiken müssen absolut rein und fusselfrei sein und die Finger dürfen keinesfalls über die Frontseite ragen. Gerade Letzteres stellt sich bei einem so kleinen Gerät mitunter als schwierig heraus.

Trotzdem macht uns das Knipsen mit der Mirage-Kamera sehr viel Spaß. Wir dürfen jedwede Fotografenregeln missachten und einfach draufhalten. Im Urlaub oder auf Familienfeiern können wir in Sekundenschnelle Schnappschüsse machen, ohne über Bildgestaltung, Schärfe, Vorder- oder Hintergrund nachzudenken. Nur gerade sollte man die Kamera auf jeden Fall halten, sonst ist der Horizont auch im virtuellen Foto schief. Die sehr geringe Naheinstellungsgrenze gefällt uns gut, Aufnahmen bei Dämmerlicht oder in der Nacht sind aber erwartungsgemäß stark verrauscht.

Die Dual-13-Megapixel-Bilder sehen im Headset gut aus. Farben, Schärfe und Dreidimensionalität wirken realistisch und rufen bei Betrachtern genau den Wow-Effekt hervor, den wir erwartet hatten. Dass es sich nicht um 360-Grad-Panoramen handelt, wird dadurch zur Nebensache und spricht unserer Meinung nach eher für die Kamera. Wer will schon immer im Bild sein?

4K: ja, 60 fps: nein, Ton: kaputt

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Im Gegensatz zum Fotomodus kann uns die Videofunktion nicht ganz überzeugen. Ja, die Kamera zeichnet im 4K-Modus mit akzeptabler Bildqualität auf - aber nur mit 30 Bildern pro Sekunde. Gerade schnelle Bewegungen wirken dadurch bei späterer Betrachtung flackernd und künstlich auf uns. Zudem geht die Kompression zu aggressiv vor, was bei weichen Farbübergängen und detailreichen Motiven zu unschönen Artefakten führt. Die Audioaufnahme kann nur aus Totalausfall bezeichnet werden. Wir fragen uns ernsthaft, warum Lenovo Stereomikrofone im Gerät verbaut, um dann die Aufzeichnung mit einer Bitrate von 156 KBit/s zu ruinieren. Wir reden hier nicht über Rauschen oder ein leichtes Klingeln bei hohen Tönen: nein, die Tonspur ist mitunter bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Das ist sehr schade, denn eine räumliche Geräuschkulisse würde die Videos deutlich aufwerten.

  • Die Lenovo Mirage Solo kommt ohne Kabel und separaten Rechner aus. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die zwei Frontkameras erfassen die Umgebung zuverlässig. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • An der einen Seite sind Lautstärketasten und ein Klinkenanschluss ... (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • ... und an der anderen ein Micro-SD-Kartenslot und ein USB-C-Port verbaut. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Größe der Brille kann per Drehrad angepasst werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Bild zeigt ein deutliches Raster und Farbsäume am Rand des Sichtfeldes. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Kamera ist winzig und hat zwei 180-Grad-Objektive. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Ein Display fehlt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Links wird per LED der Modus angezeigt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Unter einer Klappe verbergen sich USB-C-Port und Micro-SD-Leser. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der App für Android können Einstellungen vorgenommen werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • So sieht ein Bild aus der Kamera aus, wenn es nicht im Headset betrachtet wird. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Einen Schutz für die Objektive gibt es nicht. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Fujifilm hat das bei der W3 im Jahr 2010 besser gelöst. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Die Kamera ist winzig und hat zwei 180-Grad-Objektive. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Positiv finden wir hingegen, dass wir kein Stativ benötigten. Durch die extrem weitwinkligen Optiken wirken die Videos nicht verwackelt. Vorsicht ist bei Schwenks und Kamerafahrten geboten. Zuschauer mit schwachem Magen könnten empfindlich reagieren. Aber auch hier macht uns das Experimentieren Spaß und wir würden gern mal eine Achterbahnfahrt aus der Ego-Perspektive aufnehmen - niedrige Bildrate hin oder her. Ein Link zu unbearbeitetem Rohmaterial aus der Kamera findet sich hier.

Ist die Kombination aus Mirage Solo Headset und Mirage Camera also trotzdem empfehlenswert?

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 Freiheit für die Brille, aber nicht für den ControllerGute Teamplayer 
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