Lennart Poettering: Systemd-Gründer kritisiert "furchtbare Linux-Community"
Eigentlich äußert sich der Systemd-Gründer Lennart Poettering nicht öffentlich zu den Anfeindungen gegen ihn und seine Projekte. Auf Google+ kritisiert Poettering nun(öffnet im neuen Fenster) aber die Open-Source-Community. Sie stehe keineswegs für Konferenzen, bei denen sich jeder auf ein Bier miteinander treffe und Beiträge, die anhand ihrer Qualität bewertet würden. Vielmehr sei die Gemeinschaft " ziemlich krank " und " voll von Arschlöchern ".
So bekomme der Entwickler Hass-Mails, es würden Petitionen gestartet, die Poettering zum Beenden seiner Arbeiten bewegen sollten, es seien sogar Bitcoins gesammelt worden, um einen Auftragsmörder zu engagieren. Darüber hinaus werde zum Boykott seiner Projekte aufgerufen, sehr häufig mit " persönlichen Angriffen ". Per IRC erhalte er anstößige Nachrichten, die Verweise auf " Illustrationen im 4chan-Stil " enthielten.
Zwar sei der Red-Hat-Angestellte harte Diskussion etwa auf Mailing-Listen gewohnt und habe sich früher auch an Flamewars beteiligt, statt allein auf technische Diskussion einzugehen. Entsprechend habe er ein " dickes Fell ". Das habe trotz der fortwährenden Kritik unter anderem zum Erfolg von Systemd beigetragen. Dennoch wundere er sich ab und zu darüber, " was für eine furchtbare Community Linux besitzt. "
Schlechtes Verhalten werde begünstigt
Dass es viele Verwirrte im Internet gebe, also auch in der Open-Source-Community, würde gegen solche Ausführungen vorgebracht. Doch dem widerspricht der Hacker vehement, denn einige Dinge beförderten ein derart schlechtes Verhalten. Zum einen gebe es Gemeinschaften, so Poettering weiter, die das " Ablassen von Hass " akzeptierten und bestimmte Menschen anzögen, wie etwa Gentoo.
Eine viel wichtigere Rolle komme aber führenden Kernel-Entwicklern zu, allen voran Linus Torvalds. Er sei für viele ein Vorbild, allerdings ein sehr schlechtes. Sein oft harscher Umgang, wie etwa die Forderung nach einer " rückwirkenden Abtreibung " würde von Torvalds oft damit verteidigt, dass dies ein effizienter Weg sei, die Community zu leiten.
Dieser Auffassung widerspricht Poettering. Linux sei trotz und nicht wegen dieses Verhaltens erfolgreich. Zudem werde dieser Umgang von neuen Entwickler übernommen, sofern diese davon nicht vorher abgeschreckt würden. Er habe nichts gegen das Wort "Fuck" oder die Verwendung weiterer harter Ausdrücke, aber was " tatsächlich passiert, ist viel schlimmer und so sehr viel hasserfüllter ".
Die Linux-Community werde zudem von " westlichen, weißen, heterosexuellen Männern in ihren Dreißigern und Vierzigern " dominiert. In diese Beschreibung passe auch Poettering selbst sehr gut, trotzdem sei der Müll, der über ihm ausgeschüttet werde, schrecklich. Er glaubt, dass die Situation für Minderheiten oder Menschen aus anderen Kulturen demzufolge wesentlich schlimmer sein müsse.
Öffentliche Diskussion nötig
Mit seinem Beitrag möchte Poettering nicht etwa um Sympathie bitten. Stattdessen sollten die genannten Dinge korrigiert werden, auch die öffentliche Wahrnehmung der Community. Immerhin " ist Open-Source kein Kindergarten " und eine große Mehrheit verhalte sich vollkommen akzeptabel und in einigen Gemeinschaften träten derartige Probleme nicht auf.
Eine Lösung kann und will Poettering nicht bieten, er möchte sich um technische Dinge kümmern. Seine persönliche Schlussfolgerung ist allerdings, dass er mit den " schlimmsten Angreifern und ihren Communitys " nicht zusammenarbeitet. Für Systemd unterliegen öffentliche Beiträge einer Richtlinie und die Mailing-Liste wird moderiert. Diesen Sommer regte die Intel-Angestellte Sarah Sharp nach einer Mail Torvalds einen Verhaltenskodex für die Kernel-Entwickler an.
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