Leitzphone im Hands-on: Leicas neues Smartphone kommt mit Retro-Modus
Leica hat zusammen mit Xiaomi ein Smartphone unter eigenem Namen veröffentlicht: Das Leitzphone löst die bisherigen Leica Phones ab, die exklusiv nur in Japan verfügbar waren und zusammen mit Sharp entwickelt wurden. Diese Zusammenarbeit ist nun beendet, neuer Partner ist Xiaomi.
Golem konnte sich das Leitzphone bereits vor der Veröffentlichung anschauen – vor allem die Kamera, auf die Leica viel Wert legt. Technisch ist das Gerät ein Xiaomi 17 Ultra Leica Edition, das seinerseits außerhalb Chinas nicht auf den Markt kommen wird. Leica verspricht sich wohl vor allem für Europa, dass der Name Leitzphone stärkeren Eindruck hinterlässt als der von Xiaomi.
Das Design des Leitzphone ist schlicht und wird vom großen, runden Kameramodul auf der Rückseite dominiert. Dieses hat einen drehbaren Ring, über den sich verschiedene Funktionen steuern lassen. Wir haben bei unserem Testgerät den Zoom daraufgelegt, es ist aber auch möglich, den Fokus, den Weißabgleich oder die Belichtungskorrektur darüber zu steuern.
Teleobjektiv mit analogem Zoom
Der Zoom ist nicht ausschließlich digital, es gibt ein Teleobjektiv mit analogem Zoom. Alle Objektive sind von Leica entwickelt. Der Vergrößerungsbereich des Tele ist mit auf das Kleinbildformat umgerechnet 75 bis 100 mm eher klein, liegt aber in einem guten Bereich für Porträts. Der Sensor der Telekamera hat 200 Megapixel (Samsung HPE), entsprechend scheinen auch digital gezoomte Bilder bis zu einer 15-fachen Vergrößerung in unserem kurzen Test qualitativ noch gut zu sein.
Die Hauptkamera verwendet einen 1"-Sensor mit 50 Megapixeln (Light Fusion 1050L) und einer Blende von 1:1.67. Ein Bildstabilisator ist wie bei der Telekamera verbaut, die Brennweite entspricht umgerechnet 23 mm. Die Superweitwinkelkamera mit umgerechnet 14 mm verwendet einen 50-Megapixel-Sensor (Samsung JN5) mit einer Blende von f/2.2.
Die Bildergebnisse machen einen guten ersten Eindruck. Leica hat beim Leitzphone zwei verschiedene Fotostile eingebaut, Authentic und Vibrant – bei Letzterem ist die Sättigung etwas kräftiger. Außerdem gibt es die von Leica-Kameras bekannten Filter sowie Bokeh-Simulationen.
Zudem hat das Leitzphone die sogenannten Essential Modes. Darin lässt sich der Bildeindruck von zwei Kameraklassikern aus Wetzlar wählen: dem M9 mit Kodak-Sensor, der unter Leica-Liebhabern einen hohen Stellenwert genießt, und dem M3 in Schwarz-Weiß. Leica zufolge handelt es sich nicht um reine Filter, sondern um eine eigene Bildbearbeitungs-Pipeline.
Starke Bilder im M9-Modus
Vor allem der Look des M9-Essential-Mode gefällt uns gut: Die Bilder haben einen sehr warmen Look und neigen zu einem leichten Grünstich, den wir aber nicht unangenehm finden. Die Schwarz-Weiß-Bilder des M3-Modus haben einen guten Kontrast.
Den Drehring finden wir bei unserer Fotosession praktisch, aber kein Muss. Er vereinfacht sicherlich die Nutzung bestimmter Kameraoptionen, in der Realität dürfte aber wohl auch die Kamera des Leitzphone meist als Point-and-Shoot-Kamera verwendet werden.
Großes Display und starkes SoC
Das Leitzphone ist mit 163 x 77,6 x 8,3 mm relativ groß, was auch am 6,9 Zoll großen OLED-Display liegt. Der Bildschirm hat eine Auflösung von 2.608 x 1.200 Pixeln, eine Bildrate zwischen 1 und 120 Hz und eine maximale Helligkeit von 3.500 cd/m². Der Bildeindruck ist gut, die Farbwiedergabe gefällt uns.
Im Inneren des Leitzphone steckt mit Qualcomms Snapdragon 8 Elite Gen 5 der aktuell leistungsfähigste Mobile-Chip im Android-Bereich. Ergänzt wird das SoC von 16 GByte Arbeitsspeicher und 1 TByte Flash-Speicher. Einen Leistungstest konnten wir im Rahmen unseres kurzen Hands-on noch nicht durchführen.
Ausgeliefert wird das Gerät mit Android 16 und Xiaomis Fork Hyper OS. Der Android-Skin ist allerdings an das Leica-Design angepasst worden. So gibt es eigene Icons sowie exklusive Widgets nur für das Leitzphone. Dazu zählt ein Goldene-Stunde-Widget, das Nutzern anzeigt, wann die goldene Stunde ist und man fotografieren gehen kann. Auch die Kamera-App des Smartphones ist an das Design der Lux-App angepasst worden.
Der Akku ist Leica zufolge 6.000 mAh groß und lässt sich mit bis zu 90 Watt per Kabel laden. Drahtloses Laden ist mit einer Leistung von bis zu 50 Watt möglich. Das Leitzphone ist nach IP68 vor Wasser und Staub geschützt.
Fazit
Das Leitzphone ist technisch gesehen ein Xiaomi 17 Ultra LE, bei dem Leica aber – wie bei vorigen Xiaomi-Smartphones – bei der Kameraentwicklung mitgewirkt hat. Insofern ist es kein reines Umlabeln, sondern am Ende ist der Unterschied zwischen dem Leitzphone und der Leica Edition aber lediglich eine Marketingentscheidung.
Das bedeutet nicht, dass das Leitzphone schlecht ist – im Gegenteil: Die Hardware macht einen sehr guten Eindruck, ebenso die Kamera mit ihren guten Objektiven und vor allem den tollen Essential Modes. Der drehbare Ring ist ein nettes Gimmick, wäre für uns aber nicht kaufentscheidend.
Kaufentscheidend dürfte bei den meisten wohl eher der Preis sein: Mit 2.000 Euro ist das Smartphone 300 Euro teurer als das Xiaomi 17 Ultra ohne Drehring und Essential Modes. Für die Mehrkosten bekommen Käufer noch Zugang zu Leicas Kundendienst – bei Problemen müssen sich Besitzer des Leitzphone nicht an Xiaomi wenden.
Das Leitzphone wird es direkt bei Leica und Xiaomi geben. In Deutschland ist zudem die Deutsche Telekom exklusiver Vermarktungspartner, auch dort wird es das Smartphone geben.
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