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Leih-Roller: E-Scooter-Verband sieht kein Ende des Wachstums

Der Interessenverband für Leih- Tretroller berichtet von mehr Fahrten 2023 verglichen mit dem Vorjahr. In den Städten mehrt sich aber die Kritik.
/ Tobias Költzsch , dpa
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Leihtretroller in Berlin (Bild: Omer Messinger/Getty Images)
Leihtretroller in Berlin Bild: Omer Messinger/Getty Images

Die Anbieter von E-Scootern sehen trotz aller Diskussionen rund um den Elektroroller und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Branche kein Ende der Nachfrage. "Die geteilte Mikromobilität kratzt noch nicht mal an dem Potenzial, was eigentlich möglich ist in der Zukunft" , sagt Alexander Jung, Sprecher der Arbeitsgruppe Mikromobilität beim Interessenverband Plattform Shared Mobility. "Die Nachfrage wächst von Jahr zu Jahr."

Im Jahr 2022 verzeichnete die Plattform eigenen Angaben zufolge rund 75,1 Millionen Fahrten mit E-Scootern unter ihren Mitgliedern. Im Jahr 2023 seien es bereits knapp 80 Millionen Fahrten gewesen – und das, obwohl mit dem Unternehmen Tier ein großer Anbieter aus dem Verband ausgeschieden sei. Als Mikromobilität wird die Nutzung von Kleinst- und Leichtfahrzeugen vor allem in Stadtgebieten bezeichnet.

Gleichwohl befinde sich die Branche weiter im Umbruch. "Wir sehen, dass die Zeiten des maximalen Wachstums vorbei sind. Heute geht es darum, die bestehenden Flotten möglichst effizient zu betreiben. Profitabilität ist das zentrale Ziel der Anbieter" , betont Jung.

Flotten sind konstant geblieben

Profitabilität sei wichtig, um auch langfristig unabhängiger von den Kapitalmärkten und öffentlichen Subventionen zu werden. Die Flotten seien deshalb in den vergangenen Jahren trotz der steigenden Nachfrage weitgehend konstant geblieben. Aktuell schätzt der Verband die Zahl der E-Scooter bei den eigenen Mitgliedern in ganz Deutschland auf rund 200.000.

In vielen Gemeinden herrscht hingegen eine große Skepsis bis hin zur Ablehnung, was E-Scooter angeht. Zuletzt hatte die nordrhein-westfälische Stadt Gelsenkirchen die Sondernutzungserlaubnis für die Anbieter an eine verpflichtende Identitätsprüfung der Nutzerinnen und Nutzer gekoppelt, um Missbrauch und Fehlverhalten besser verfolgen zu können.

Viele Probleme ließen sich aus Sicht von Jung über eine Neuaufteilung des Straßenraums in den Griff bekommen: "Je besser die Infrastruktur, desto weniger Probleme gibt es auch mit Verstößen während der Fahrt." Dort, wo Tempo 50 herrsche und kein Radstreifen zur Verfügung stehe, wichen E-Scooter, aber auch Radfahrer eher auf den Gehweg aus.

Mehr Abstellflächen nötig

Das gelte auch für das Thema Parken. Prinzipiell seien mehr Abstellflächen für die Scooter nötig. Diese müssten vor allem auf der Straße entstehen – und dafür Autostellplätze umgewidmet werden.

Umwelttechnisch spielen E-Scooter bei der Verkehrswende aus Jungs Sicht weiterhin eine wichtige Rolle, auch wenn dies Untersuchungen etwa des Umweltbundesamtes bezweifeln. Diesen Studien zufolge sind E-Scooter nur eine Alternative zum Fußverkehr und ersetzen nicht in großem Umfang Autofahrten.


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