Leica Q3 Monochrom im Test: Spezieller geht eine Digitalkamera kaum
In den Jahrzehnten nach dem Aufkommen von Farbfilmen sind Schwarzweißaufnahmen vor allem im Consumerbereich rar geworden. Amateure mit eigenen Labors verwenden die Filme oft weiter, weil die Entwicklung und die Belichtung von Fotos einfacher als beim Farb- oder Diafilm ist. Für künstlerisch arbeitende Fotografen hat Schwarzweißfilm aufgrund des Dynamikumfangs und der Beschränkung auf das Wesentliche einen eigenen Reiz.
Leica bietet mit der Q3 Monochrom(öffnet im neuen Fenster) eine Digitalkamera an, die aufgrund fehlendem RGB-Filter nur Schwarzweißaufnahmen machen kann. Im Golem-Test fällt auf, dass Leica gegenüber dem Vorgänger Q2 Monochrom einiges verbessert hat. Am Ende kommen wir aber nicht um die Frage herum, für wen die monochrome Q3 eigentlich gedacht ist – auch angesichts dessen, dass die normale Q3 mit optionalem Schwarzweißmodus günstiger ist.
Gleiches Design, gleiches Objektiv
Vorneweg: Alle Beispielbilder lassen sich in voller Größe (bearbeitetes JPG) hier herunterladen. Vom Design her ist die Q3 Monochrom fast identisch mit der Q2 Monochrom. Das Gehäusedesign ist gleich und damit nicht unbedingt ergonomisch, auch das Auswahlrad (etwa für die Belichtungskorrektur) ist wieder zu weit außen angebracht. Im Einsatz ist es mit dem Daumen schlecht zu erreichen – bei der M EV1 ist das besser gelöst.
Auch das Objektiv ist identisch: Zum Einsatz kommt ein Summilux f/1.7 28 mm Asph., das – wie bei den Q-Modellen üblich – nicht gewechselt werden kann. Wie bei der Q2 Monochrom ist die Abbildungsqualität hervorragend, vor allem bei leichter Abblendung, die die Schärfe an den Rändern verbessert.
Betrachten wir die Bedienelemente und das Gehäuse genauer, fällt uns auf, dass Leica einige Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger implementiert hat. Das 3 Zoll große TFT-Display auf der Rückseite ist bei der neuen Kamera kippbar – die Q2 Monochrom hingegen hat den Bildschirm fest verbaut. Schwenken lässt sich das Display nicht, die Kippfunktion ist aber besser als nichts – etwa, wenn man Bilder aus der Hocke machen will.
Die Bedienelemente hat Leica auf die rechte Seite des Displays verfrachtet, der Fn-Button findet sich nun rechts oberhalb des Bildschirms neben dem zweiten konfigurierbaren Knopf. Dort sind die Knöpfe alle besser erreichbar. Die beiden Buttons oberhalb des Displays sind unterschiedlich hoch und daher auch unterscheidbar, wenn wir mit dem Daumen drüberfahren.
Viele konfigurierbare Buttons
Wie bei der M EV1 begrüßen wir die Vielzahl an konfigurierbaren Knöpfen – neben den beiden Buttons oberhalb des Displays können wir die Taste auf dem Einstellrad, das Einstellrad selbst und den mittleren Knopf des Joypads individuell einrichten. Das ist auch notwendig – wie die Q2 Monochrom hat auch das neue Modell bis auf die Wahl der Belichtung und der Blenden keine Einstellungsmöglichkeiten abseits des Bildschirmmenüs.
Wollen wir etwa in den Videomodus schalten, müssen wir das über das Menü machen – oder eben über einen vorkonfigurierten Knopf. Für die wichtigsten Einstellungen gibt es allerdings ein Schnellmenü.
Als Sensor kommt ein CMOS mit effektiv 60,3 Megapixeln zum Einsatz, der keinen Farbfilter und keinen UV-/IR-Filter hat. Entsprechend kann die Q3 Monochrom gar keine Farbaufnahmen aufnehmen. Gegenüber der Q2 Monochrom wurde die Auflösung verbessert (von 47,3 effektiv nutzbaren Megapixeln), was sich nicht nur in größeren Bildern, sondern auch hochauflösenderen Videos zeigt.
Elektronischer Sucher mit guter Auflösung
Neben dem Display auf der Rückseite gibt es einen elektronischen Sucher, der dem der normalen Q3 und auch dem der M EV1 entspricht – nur eben in Graustufen arbeitet. Der Sucher hat 5.760.000 Bildpunkte und eine Dioptrieneinstellung von -4 bis +2. Er ist entsprechend sehr scharf und gut einsehbar; Informationen wie Belichtungskorrektur oder Histogramm sind gut erkennbar und können auch ausgeblendet werden.
Die Belichtung und Blendenwahl kann wie die Fokussierung bei der Q3 Monochrom komplett automatisch erfolgen, aber auch manuell eingestellt werden. Wir bevorzugen die Zeitautomatik, in der die Blende manuell und die Zeit von der Kamera passend eingestellt wird, in Kombination mit automatischer Fokussierung.
Der schnelle Autofokus hat 315 Messfelder und bietet verschiedene Modi: Spot, Feld, Mehrfeld, Zone, Personenerkennung, Tiererkennung und Verfolgung. Aus Gewohnheit verwenden wir in der Regel einen kleinen Fokusbereich in der Mitte des Bildausschnitts, den wir über das Joypad an die gewünschte Stelle bewegen. Insgesamt ist das Handling der Q3 Monochrom sehr gut, wenngleich die Bilder wie beim Vorgängermodell tendenziell eher leicht unterbelichtet werden. Für die Nacharbeitung im RAW-Format ist uns das lieber, da es mehr Optionen bietet als JPGs.
Wie bei der M EV1 nehmen wir bei der Q3 Monochrom RAW-Bilder aufgenommen und bearbeiten sie anschließend in Darktable. Dadurch lässt sich der sehr gute Dynamikumfang des Sensors gut ausnutzen. Vor allem in anspruchsvolleren Belichtungssituationen reicht uns dieser bei den JPGs nicht aus. Die RAW-Dateien reagieren aber gut auf Schattenaufhellungen und vor allem auf Kontrastbearbeitung.
Starke Ergebnisse bei kontrastreichen Motiven
Vor allem Motive mit starken Unterschieden zwischen den Schatten und den hellen Bereichen sind ideal, um sie mit der Q3 Monochrom aufzunehmen. Auch über lokalen Kontrast lässt sich die Bildwirkung gut steuern. Die felsigen Berge Utahs und die Wüste im Death-Valley-Nationalpark überzeugen sonst eher auf Farbaufnahmen, machen aber auch in schwarz-weiß durchaus etwas her.
Die Schärfe der Bilder ist sehr gut, was angesichts des Vollformatsensors aber auch zu erwarten ist. Die Schärfe ist technisch gesehen besser als bei einem vergleichbaren Farbsensor, da die sogenannte Bayer-Matrix fehlt – ohne direkten Vergleich sehen wir das aber nicht. Das Summilux liefert ein angenehmes Bokeh, auch Porträts gelingen mit der Kamera. Zwar sind 28 mm keine ideale Porträtbrennweite, doch für Bilder, auf denen auch etwas vom Hintergrund zu erkennen sein soll, finden wir sie ideal.
Mithilfe des Sensors eignet sich die Kamera sehr gut für Low-Light-Aufnahmen. Die Q3 Monochrom hat einen eingebauten Bildstabilisator, was bei längeren Belichtungszeiten hilft. Wie bei der Q2 Monochrom kann auch das neue Modell Makroaufnahmen mit einer Naheinstellgrenze ab 17 cm machen. Dafür müssen wir einen Ring am Objektiv drehen. Die Naheinstellgrenze im Standardmodus ist wegen des Weitwinkelobjektivs mit 30 cm relativ gering.
Digitalzoom und Filter für Aufnahmen im JPG-Format
Die Q3 Monochrom bietet die Möglichkeit, digital zu zoomen. Von 28 mm über 35, 50, 75 und 90 mm können wir während der Aufnahme den Bildausschnitt wählen. In der Praxis haben wir dies nicht genutzt, da es sich um einen Crop handelt – und den können wir in der Nachbearbeitung auch aus den RAW-Dateien erstellen. Wer nur im JPG-Format fotografiert, könnte den Zoom hilfreich finden, zumal die Q3 Monochrom die Belichtung an den kleineren Bildschirmausschnitt anpasst.
Ebenfalls nicht verwendet haben wir die verschiedenen Schwarz-Weiß-Stile, die sich in Kontrast und Farbton unterscheiden. Die Bearbeitung haben wir im Nachhinein vorgenommen. Die verschiedenen Voreinstellungen sind für Fotografen hilfreich, die nur im JPG-Format fotografieren.
Aufnahmen bis ISO 6400 lassen sich noch gut in der Nachbearbeitung entrauschen, darüber hinaus empfinden wir das Bildrauschen als zu stark – wenngleich nicht so stark wie bei der Leica M EV1. Auch das ist ein Nebeneffekt des Schwarz-Weiß-Sensors, durch den das Farbrauschen entfällt. Das ist praktisch in der Nachbearbeitung. Der Empfindlichkeitsbereich reicht bis ISO 200000, was wir für Quatsch halten: Die Bilder sehen nicht mehr gut aus und dienen höchstens dokumentarischen Zwecken.
Der Verschluss besteht aus einem mechanischen und einem elektronischen Teil. Der mechanische Zentralverschluss ermöglicht Belichtungszeiten zwischen 60 Minuten bis 1/2000 Sekunde, der elektronische Verschluss von 60 Sekunden bis 1/16000 Sekunde. Nutzer können sich für eine Verschlussart entscheiden oder die Kamera automatisch wählen lassen.
Kein interner Speicher wie bei der M EV1
Gespeichert werden die Bilder auf einer SD-Karte. Einen internen Speicher wie die M EV1 hat die Q3 Monochrom nicht. Fotos im besten RAW-Format sind 70 MByte groß. Die Bilder lassen sich bei der Q3 Monochrom anders als bei ihrem Vorgängermodell direkt von der Kamera aus übertragen. Dafür ist ein USB-C-Anschluss eingebaut worden, der bei der Q2 Monochrom fehlte.
Dies hatten wir als Versäumnis erachtet, da es bedeutet, dass die Q2 auch nicht über ein USB-Kabel geladen werden konnte. Dafür müssen Nutzer immer den Akku entfernen und das Ladegerät mit sich schleppen. Bei der Q3 Monochrom stecken wir einfach unser Smartphone-Ladekabel ein und die Kamera lädt. Neben dem USB-C-Anschluss hat die Q3 Monochrom auch einen HDMI-Ausgang.
Leica Q3 Monochrom: Verfügbarkeit und Fazit
Die Q3 Monochrom kostet bei Leica(öffnet im neuen Fenster) 6.750 Euro. Im Onlinehandel kostet sie genau so viel. Damit ist das Schwarz-Weiß-Modell der Q3 500 Euro teurer als die Standardversion mit Farbsensor und Schwarzweiß-Filtern. Eine Version mit 43-mm-Objektiv wie bei der Standard-Q3 mit Farbsensor gibt es nicht.
Fazit
Die Leica Q3 Monochrom macht scharfe Bilder mit hoher Auflösung, gutem Dynamikumfang und starken Kontrasten. Das macht sie allerdings nur in Schwarzweiß, was der Sinn der Kamera ist.
Für die einen ist die Q3 Monochrom womöglich eine unnötige Einschränkung, für die anderen ein dediziertes Mittel für eine spezielle kreative Ausdrucksweise. Diesbezüglich wollen und können wir in einem Test nicht urteilen.
Worüber wir urteilen können und wollen, ist die hervorragende Bildqualität. Für Fotografien in kontrastreichen Situationen, bei Porträts oder Straßenaufnahmen eignet sich die Q3 Monochrom sehr gut. Auch qualitativ hochwertige Videos lassen sich mit der Q3 Monochrom machen – natürlich auch nur in schwarz-weiß.
Verglichen mit dem Vorgängermodell gibt es einige Verbesserungen. Die Kamera hat einen neigbaren Bildschirm und endlich einen USB-Ausgang, über den sie sich wesentlich praktischer laden lässt. Auch die Positionierung der Buttons rechts vom Display finden wir besser.
Gewöhnungsbedürftig bleibt die Haptik, doch das ist bei Leica-Kameras nicht unüblich. Das Auswahlrad finden wir immer noch zu weit rechts eingebaut, vielleicht kann Leica beim nächsten Modell nachbessern.
Die Q3 Monochrom bietet wegen des fehlenden Farbfilters bessere Tonwerte und eine bessere Schärfe als Kameras mit Farbsensor. Damit ist die Q3 Monochrom am Ende eine Kamera für Schwarzweiß-Enthusiasten, die das notwendige Geld haben, sich eine derart spezialisierte Kamera zu kaufen. Wer nur hin und wieder ein Schwarz-Weiß-Bild machen will, dem dürfte der Schwarz-Weiß-Modus einer herkömmlichen hochwertigen Digitalkamera reichen – das Gleiche ist dies technisch gesehen allerdings nicht.
Tobias fotografiert seit mehr als 30 Jahren auf zahllosen Kameras, davon bis in die 2000er ausschließlich auf Film, den er selbst entwickelte. Nach einer Stereofotografiephase sind seine Lieblingsmotive momentan Landschaften. Bei Kameras kommt es ihm eher auf den Charakter an als auf Megapixel.


