Leibniz-Zentrum: Industriestrompreis gefährdet kleine Unternehmen
Eine Analyse des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung(öffnet im neuen Fenster) hat anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes(öffnet im neuen Fenster) und Eurostat(öffnet im neuen Fenster) die Auswirkungen bestehender Strompreisentlastungen in Deutschland untersucht. Ausgehend von den beobachteten Effekten warnen die Autoren, selektive Entlastungen durch die Einführung eines Industriestrompreises könnten zu Wettbewerbsverzerrungen und steigendem Strombedarf führen.
Bereits 2024 zahlten kleine Verbraucher im Durchschnitt 75 Prozent mehr für Strom als Großverbraucher. Geringere Netzentgelte sowie unterschiedliche Steuern und Abgaben sind dabei bereits berücksichtigt. Ein im Verhältnis fast identischer Preisunterschied war schon 2013 vorhanden.
Industriestrompreis zementiert Verhältnisse
Sollte der Industriestrompreis wie geplant bei 50 Prozent des Verbrauchs auf 50 Euro pro Megawattstunde sinken, vor Steuern, Abgaben und Netzentgelten, würde sich laut Analyse das Ungleichgewicht zwischen Großverbrauchern und kleinen Betrieben weiter verstärken.
Der Hauptgrund ist, dass kleinere Firmen, die zwar ebenfalls energieintensiv arbeiten, aber in Summe weniger Strom beziehen, zumeist nicht von den Regelungen profitieren. Diese Unternehmen benötigen für die Herstellung des gleichen Produkts weniger Strom als Großverbraucher, müssen es jedoch teurer anbieten.
Effizientere Hersteller erhalten damit einen Wettbewerbsnachteil. Auch Neugründungen werden durch diese Verzerrung erschwert. Parallel wird der Druck auf subventionierte Großverbraucher gesenkt, ebenfalls Investitionen in die Energieeffizienz zu tätigen.
Umverteilung von klein zu groß
Das Leibniz-Zentrum fand die Auswirkungen solcher Verzerrungen in den Daten zwischen 2013 und 2017. Als die Stromkosten insgesamt um knapp 50 Prozent stiegen, blieben Großverbraucher verschont. Sie konnten in dieser Zeit ihre Marktanteile ausbauen, während kleine und mittelständische Unternehmen verschwanden.
Selbst beim Versuch einer Gleichbehandlung kleiner und großer Verbraucher besteht diese Gefahr. Die Kosten für Beratung, Anträge und erforderliche Überwachungssysteme übersteigen oftmals die Möglichkeiten kleiner Unternehmen, wodurch Großbetriebe wiederum im Vorteil sind.
So schwächt der Industriestrompreis die Bemühungen für effizientere Prozesse, benachteiligt kleine Firmen, behindert Start-ups und könnte auf lange Sicht den Industriestandort Deutschland unattraktiver machen. Daher fordern die Autoren stattdessen Investitionen in die Infrastruktur und eine Reform des Strommarkts, um die Energiekosten insgesamt zu senken, ohne den Wettbewerb zu verzerren.
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